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Corona treibt Arbeitslosigkeit; Merkel: Hürden für Hilfsfonds

David Verbeek

(Bloomberg) -- Die Corona-Infektionsrate bleibt in Deutschland trotz eines erneuten Anstiegs unter der kritischen Schwelle von eins. Die Pandemie hat auch im Juni deutliche Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen, für das europäischen Konjunkturpaket sieht Bundeskanzlerin Angela Merkel noch Hürden, und in Österreich steigen die Neuinfektionen an.

Am Mittwoch sagte Merkel vor dem Bundestag, dass die Positionen der EU-Mitgliedstaaten bei den Gesprächen über einen gemeinsamen Coronavius-Hilfsfonds noch “weit auseinander” lägen. Bei einem Gipfeltreffen am 17. Juli wollen die EU-Länder mit dem 750 Milliarden Euro schweren Konjunkturpaket vorankommen.

Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist im Juni den dritten Monat in Folge gestiegen und hat den höchsten Stand seit fast fünf Jahren erreicht. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit stieg die Zahl der Arbeitslosen im abgelaufenen Monat gegenüber Mai auf 2,852 Millionen. Der saisonbereingte Zuwachs lag mit 69.000 jedoch unter den Erwartungen. “Der massive Einsatz von Kurzarbeit stabilisiert” den Arbeitsmarkt, sagte BA-Chef Detlef Scheele.

Das Ifo Institut erwartet einen Anstieg der Arbeitslosenzahl auf 2,7 Millionen im Jahresdurchschnitt, verglichen mit 2,3 Millionen im letzten Jahr. Im kommenden Jahr soll sie leicht auf 2,6 Millionen sinken. Mit der Wirtschaftsleistung dürfte es ab dem dritten Quartal “schrittweise wieder aufwärts” gehen, sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. Nach einem Einbruch um 11,9% im zweiten Vierteljahr erwartet das Institut ein Wachstum von 6,9% im dritten und 3,8% im vierten Quartal. Allerdings weisen die Konjunkturforscher darauf hin, dass die Prognose mit hohen Unsicherheiten behaftet sei.

In Österreich hat es zuletzt 107 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus gegeben. Es handelt sich um den höchsten Wert seit Mitte April. Die Entwicklung “erfüllen mich mit Sorge”, sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober in Wien. In Oberösterreich würden rigorose Maßnahmen ergriffen, erklärte er, ohne Details zu nennen.

Nach Angaben der Johns Hopkins Universität vom Mittwochmorgen wurden in den zurückliegenden 24 Stunden in Deutschland 376 Neuansteckungen registriert. Die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland liegt weiter deutlich unter den Höchstwerten Ende März, als an manchen Tagen knapp 7.000 Fälle gemeldet wurden. Seit Beginn der Pandemie haben sich in Deutschland insgesamt 195.418 Personen mit dem Virus angesteckt. Deutschland liegt damit auf dem 15. Platz weltweit.

Der Universität zufolge wurden in den letzten 24 Stunden 14 Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-19-Infektion registriert. Die Gesamtzahl der Todesopfer stieg damit auf 8.990.

Laut Robert Koch Institut vom Vorabend stieg die Reproduktionszahl, der sogenannte 4-Tage-R-Wert, auf 0,83, von 0,74 am Vortag. Die Zahl liegt den siebten Tag in Folge unter dem kritischen Wert von eins, nachdem sie unter anderem wegen Ausbrüchen in einem Fleischbetrieb auf über zwei angestiegen war. Der 7-Tage-R-Wert, der Schwankungen stärker ausgleicht, wurde mit 0,67 angegeben.

Das R-Maß gibt an, wie viele weitere Menschen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt; die Zahl sollte unter 1,0 liegen, um eine exponentielle Ausbreitung zu verhindern, die das Gesundheitssystem überfordern könnte.

(Ergänzt um Merkel, Österreich)

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