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Corona-Beschränkungen und Konjunkturdaten werden zum Stimmungstest

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An den Börsen gerieten die Corona-Ängste zuletzt in den Hintergrund. Das könnte sich in der kommenden Woche ändern. Worauf Anleger achten.

Die Impfstoff-Rally an den Börsen dürfte vorbei sein. Foto: dpa
Die Impfstoff-Rally an den Börsen dürfte vorbei sein. Foto: dpa

Die erste Euphorie über einen Corona-Impfstoff ist an den Börsen verflogen, doch die Corona-Ängste sind noch nicht zurück – trotz der rund um den Globus immer weiter steigenden Fallzahlen. Dennoch zeigt sich die Impfstoff-Rally, die vor knapp zwei Wochen von den Studienerfolgen bei einem Wirkstoff von Biontech und Pfizer ausgelöst wurde, noch in den Kursen.

Der Dax notiert gut fünf Prozent über dem Stand von vor zwei Wochen, beim US-Leitindex S & P 500 ist es gut ein Prozent.

Die Aufschläge in der vergangenen Woche waren aber im Dax nur noch moderat, der S & P 500 gab sogar leicht nach. Die Impfstoffnachricht des US-Konzerns Moderna konnte keine neue Börsenrally auslösen. Dass Gegenmittel gegen Covid-19 gefunden werden, spiegeln die Kurse an den Aktienmärkten inzwischen wider – es geht nur noch um den Zeitpunkt, bis wann die Impfstoffe zugelassen und verabreicht werden können.

Davon hängt auch ab, wie sich die Konjunktur entwickelt – mit den entsprechenden Folgen für die Wirtschaft und die Entwicklung der Unternehmen. In der kommenden Woche dürfte sich angesichts des Corona-Gipfels von Bund und Ländern am Mittwoch wieder mehr Aufmerksamkeit auf das kurzfristige Geschehen richten. Außerdem könnten anstehende Konjunkturdaten die Börsen ausbremsen.

Wenige Impulse von der Wall Street

Aus den USA kommen dabei weniger Impulse. Am Donnerstag wird an der Wall Street wegen des Feiertags Thanksgiving gar nicht und am Freitag nur verkürzt gehandelt. In den USA breiten sich aber Sorgen aus, dass die Corona-Infektionen nach dem traditionellen Familienfest erneut in die Höhe schnellen. Beschränkungen gibt es dort noch nicht.

Die Experten der Helaba gehen aber davon aus, dass auch in den USA zumindest regionale Beschränkungen nicht mehr zu vermeiden sind, auch wenn der gewählte US-Präsident Joe Biden einen landesweiten harten Lockdown bislang ausgeschlossen hat.

In Deutschland haben die Diskussionen über schärfere Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie wieder an Fahrt gewonnen. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet forderte bereits strengere Kontaktregeln. Strategen wie Robert Greil von der Privatbank Merck Finck rechnen zwar nicht mit einem zweiten harten Lockdown wie im Frühjahr. Industrie und soweit vertretbar auch möglichst viele Dienstleistungsbereiche sollten von möglichen neuen Einschränkungen verschont bleiben, sagt er. Dennoch dürften die Börsen „kurzfristig volatil“ bleiben.

Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), zeichnete dagegen in der vergangenen Woche vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des EU-Parlaments erneut ein eher düsteres Bild der Konjunktur. Die Wirtschaft der Euro-Zone werde durch die neuen Eindämmungsmaßnahmen schon jetzt „schwer getroffen“, warnte sie. Das gefährde die kurzfristigen Aussichten für die Konjunktur.

Investoren werden vor diesem Hintergrund verstärkt auf die in dieser Woche anstehenden wirtschaftlichen Frühindikatoren achten. Dazu gehören am Montag die Einkaufsmanagerindizes für die Euro-Zone insgesamt und für die einzelnen Länder. Für die Ökonomen der BayernLB ist dabei „deren Richtung klar, nämlich abwärts“. Die Frage sei nur, um wie viel.

Schwächerer Ifo-Index erwartet

Auch bei dem am Dienstag anstehenden Ifo-Geschäftsklimaindex, der die Stimmung bei den deutschen Unternehmen widerspiegelt, rechnen Ökonomen mit einem Rückgang. Interessant wird dabei nach Einschätzung der Dekabank, ob sich zumindest beim Blick auf die Geschäftserwartungen der Unternehmen die positiven Nachrichten zu den Impfstoffen niederschlagen.

Vonseiten der Unternehmen selbst sind keine Impulse zu erwarten, ihre Berichte zur Entwicklung im dritten Quartal haben die meisten Firmen bereits vorgelegt. Dabei waren die Zahlen vielfach besser als erwartet, Enttäuschungen gab es im Dax nur bei SAP, Bayer und BASF.

Viele Unternehmen haben zudem ihre Ertragserwartungen für das laufende Geschäftsjahr angehoben, darunter aus dem Dax der Pharmakonzern Merck und der Spezialchemiekonzern Covestro. Siemens und Adidas dämpften dagegen die Erwartungen der Investoren an den Rest des Geschäftsjahres. Markus Wallner, Aktienstratege bei der Commerzbank, bleibt jedenfalls für das vierte Quartal vorsichtig. „Die in vielen europäischen Ländern verhängten neuerlichen Einschränkungen dürften die Geschäfte vieler Unternehmen beeinträchtigen.“

Kommt der Dax 40?

Mit Spannung warten Investoren darüber hinaus in der kommenden Woche noch auf ein weiteres Ereignis, das weitreichende Folgen für den Dax und die anderen Börsenindizes haben dürfte. Die Deutsche Börse gibt am Dienstag bekannt, inwiefern sie die Regeln für die Zusammensetzung der Indizes ändert. Dabei geht es unter anderem darum, ob der Dax von 30 auf 40 Werte erweitert wird.