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Einbruch beim deutschen Export; Österreich verreißt EU-Paket

David Verbeek

(Bloomberg) -- Die Ansteckungsrate des Coronavirus in Deutschland steigt weiter, die deutsche Wirtschaft erlebt ihren schärfsten Exporteinbruch seit 70 Jahren, und der österreichische Finanzminister lehnt den EU-Hilfsfonds ab.

Das 750 Millionen Euro schwere Hilfsprogramm sei für Österreich in seiner jetzigen Form “nicht akzeptabel”, erklärte der Finanzminister der Alpenrepublik, Gernot Blümel, in einer Mitteilung. Das Land will seine Zustimmung so lange verweigern, bis der Umfang reduziert ist und die Einzelheiten der Rückzahlung explizit festgelegt sind. Die EU-Staats- und Regierungschefs werden nächste Woche mit der Debatte über das von der EU-Kommission vorgelegte Paket beginnen.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde verteidigte die jüngste Ausweitung der geldpolitischen Stimuli durch die Zentralbank. Sie seien wegen der “ernsthaften Risiken” für die Preisstabilität gerechtfertigt, erklärte sie am Montag gegenüber Abgeordneten des Europäischen Parlaments. Die Maßnahmen hätten verhindert, dass die Wirtschaft in “depressive und deflationäre Zustände” gerät und dazu beigetragen, die Beschäftigung zu stützen und die Risiken für die Finanzstabilität zu verringern.

In Deutschland werden starke Bremsspuren durch die Pandemie-Shutdowns im Außenhandel erkennbar. Im April haben sich die deutschen Ausfuhren um 31,1% verringert. Das ist der heftigste Rückgang seit Beginn der Datenreihe 1950. Bei den Importen war der Einbruch der stärkste seit der Finanzkrise vor einem Jahrzehnt.

Um den Nachfrageeinbruch durch die Krise abzufedern, haben im Mai 24% der deutschen Unternehmen Liquiditätshilfen in Anspruch genommen. Das haben Umfragen des Ifo Instituts ergeben. “Die Coronakrise trifft die Branchen in ganz unterschiedlicher Ausprägung“, sagte Ifo-Forscher Stefan Sauer. So lag der Anteil im Handel und bei Dienstleistern bei jeweils 30 Prozent, im Baugewerbe dagegen nur bei 5 Prozent.

Nach Angaben der Johns Hopkins Universität vom Dienstagmorgen wurden in den zurückliegenden 24 Stunden in Deutschland 359 Neuansteckungen mit dem neuartigen Coronavirus gemeldet. Damit stieg der Wert gegenüber dem Vortag, als 300 Infektionen gemeldet worden waren. Die Zahl liegt aber weiter deutlich unter den Werten zum Höhepunkt der Pandemie Ende März, als an manchen Tagen knapp 7.000 Fälle registriert wurden.

Seit Beginn der Pandemie haben sich in Deutschland insgesamt 186.109 Personen mit dem Virus angesteckt. Deutschland liegt damit auf dem zehnten Platz weltweit.

Weitere 10 Menschen sind zuletzt im Zusammenhang mit einer Covid-19-Infektion gestorben. Die Zahl ist seit fünf Tagen rückläufig und die niedrigste seit sechs Tagen. Die Gesamtzahl der Todesopfer stieg damit auf 8.695

Laut Robert Koch Institut am Montagabend lag die Reproduktionszahl R0 zuletzt bei 1,11 und stieg damit den vierten Tag in Folge an. Der Sieben-Tage-R-Wert, der Schwankungen ausgleicht, ging auf 0,87 zurück, von 0,92 am Vortag.

Das R-Maß gibt an, wie viele weitere Menschen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt; die Zahl sollte unter 1,0 liegen, um eine exponentielle Ausbreitung zu verhindern, die das Gesundheitssystem überfordern könnte.

(Ergänzt um Blümel)

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