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Chinas Anteil an der Weltwirtschaft sinkt wie seit Mao nicht mehr – das könne die Welt neu ordnen, sagt Top-Investor

Mao Zedong. - Copyright: Getty Images
Mao Zedong. - Copyright: Getty Images

Die jahrzehntelange Phase des überdurchschnittlichen Wachstums der chinesischen Wirtschaft ist zu Ende, schreibt der Investor Ruchir Sharma in einem Beitrag für die Financial Times. Der Anteil Chinas, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, am globalen Bruttoinlandsprodukte (BIP) gehe zurück. Sharma sieht weitreichende Folgen.

„In einer historischen Wende kehrt sich Chinas Aufstieg zur wirtschaftlichen Supermacht um. Die größte globale Geschichte des letzten halben Jahrhunderts könnte zu Ende sein“, schrieb der Chef von Rockefeller International.

In nominalen Dollarbeträgen – laut Sharma das beste Maß für die relative Stärke einer Volkswirtschaft – habe Chinas Anteil am Welt-BIP 2022 zu sinken begonnen. Der Grund seien die strikten Corona-Beschränkungen gewesen.

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Gegen die Erwartung, dass China 2023 aufhole, werde sein Anteil an der Weltwirtschaft weiter auf 17 Prozent sinken. In den beiden Jahren gehe Chinas Anteil an der globalen Wirtschaft damit um 1,4 Prozentpunkte zurück. Ein solch starken Rückgang habe es seit den 1960er und 1970er Jahren nicht mehr gegeben, als Mao Tse-tung Chinas Wirtschaft stark isolierte.

Damals richtete Maos ideologisch motivierter „Großer Sprung nach vorn“ verheerende Folgen für die Menschen und die Wirtschaft an. Erst ab den späten 1970er Jahren ging die Kommunistischen Partei Chinas zu marktwirtschaftlichen Reformen über. Die Wirtschaft begann sich zu erholen und wuchs bald stärker als die Weltwirtschaft insgesamt. Chinas Anteil wuchs.

Chinas Anteil an der Weltwirtschaft fällt von 18,4 auf 17 Prozent

1990 betrug der Anteil Chinas an der Weltwirtschaft weniger als zwei Prozent. Bis 2021 stieg er auf 18,4 Prozent. Einen solch rasanten Anstieg habe zuvor nie gegeben, stellte Sharma fest.

Mit dem Rückgang auf noch 17 Prozent scheint er mindestens vorerst beendet. Chinas Wirtschaft wächst in diesem und nächsten Jahr nicht stärker als die Wirtschaft der Welt insgesamt.

„Der Rückgang Chinas könnte die Welt neu ordnen“, sagte Sharma: „Seit den 1990er Jahren wuchs der Anteil des Landes am globalen BIP hauptsächlich auf Kosten Europas und Japans, deren Anteile in den letzten beiden Jahren mehr oder weniger konstant geblieben sind. Die von China hinterlassene Lücke wurde hauptsächlich von den USA und anderen Schwellenländern gefüllt.

Indien, Indonesien, Mexiko, Brasilien und Polen werden die Hälfte der Zuwächse ausmachen, fügte er hinzu. Dies seien „auffällige Signale für mögliche künftige Machtverschiebungen“.

Chinas Regierung hält an einem jährlichen Wachstumsziel von 5 Prozent fest. Sie geht davon aus, dass es dieses Jahr auch erreicht wird. Der Internationalen Währungsfonds traut China 2023 sogar ein Wachstum von 5,4 % zu.

Sharma sieht das reale BIP-Wachstum als Messgröße jedoch kritisch. Es lasse den Behörden Spielraum, die Zahlen anzupassen und teilweise zu verschleiern. In nominalen Dollarbeträgen gerechnet werde Chinas BIP in diesem Jahr zum ersten Mal seit 1994 sinken, schrieb er.

Als wichtige Gründe für Chinas relative Schwäche sieht Sharma zunehmende staatliche Eingriffe in die Unternehmen, anhaltende Schuldenprobleme, die geringere Produktivität, der Rückgang der Bevölkerung und damit der Erwerbstätigen sowie der Verlust ausländischer Investoren.

Der chinesische Präsident Xi Jinping gibt sich weiterhin optimistisch - zuletzt bei einem Treffen mit US-Präsident Joe Biden. „Aber fast egal, was Xi tut, der Anteil seines Landes an der Weltwirtschaft wird in absehbarer Zukunft wahrscheinlich sinken“, so Sharma. „Es ist jetzt eine Post-China-Welt.“

Lest den Originalartikel auf Business Insider