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Bund bringt zwei Milliarden Euro Hilfen für Start-ups auf den Weg

Die Förderbank KfW stockt Investitionen von Risikokapitalgebern auf. Berlin erfüllt damit einen Wunsch der Szene – setzt aber Bedingungen.

Viele Start-ups für Heimsport brauchen in der Krise Geld, um die steigende Nachfrage zu bedienen. Foto: dpa

Das Coronapaket zur Unterstützung der deutschen Start-ups steht. Exakt einen Monat, nachdem Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) zwei Milliarden Euro Hilfe für die Szene angekündigt hat, haben sich Finanz- und Wirtschaftsministerium auf die Ausgestaltung geeinigt. Klar ist: Von den umfangreichen Forderungen, die unter anderem der Start-up-Verband zusammengetragen hat, werden nur zwei wesentliche Bausteine Realität – und damit könnte der Bund sogar Geld verdienen. Offen ist noch, ob die zwei Milliarden Euro auf Kosten bisher schon geplanter Start-up-Förderung geht.

Die Förderbank KfW wird Risikokapitalgebern anbieten, sich über ihre Beteiligungstochter bei künftigen Finanzierungsrunden für Start-ups zu beteiligen. Darüber kann der Staat bis zu 70 Prozent einer Finanzierungsrunde stemmen.

Die Idee dahinter: Private Fondsgesellschaften entscheiden weiterhin, welche Investments lohnend sind, gehen also selbst ins Risiko. Die KfW stockt die Runden auf und hilft so, dass mehr Geld in Start-ups fließt.

Im Gegenzug wird die KfW über Wandeldarlehen der erwarteten Wertsteigerung beteiligt. In der Vergangenheit hat der Staat so an der Start-up-Förderung etwa über den Europäischen Investitionsfonds EIF sogar Geld verdient.

Kritik an Hilfen für Millionäre

In der konkreten Ausgestaltung reagiert der Bund auf Kritik, die Risikokapitalgeber könnten bei besonders riskanten Finanzierungen den Staat beteiligen, bei besonders rentablen Investitionen aber außen vorhalten.

Diese Benachteiligung soll eine Zwangsregel verhindern: Start-up-Finanzierer, die einmal die KfW-Hilfe in Anspruch nehmen, müssen dem Staat auch bei allen weiteren Start-ups, die sie finanzieren, den Einstieg anbieten. Damit wollen die Wirtschaftsförderer auf Augenhöhe mit den privaten Geldgebern agieren.

Das am Donnerstag verkündete Programm soll auch solchen Start-ups helfen, die nicht von den professionellen Risikokapitalgebern finanziert werden. Dabei will sich der Bund auf die Förderbanken der Länder stützen. In der kommenden Woche sollen dazu Vereinbarungen stehen, über die der Bund Geld über Globaldarlehen zur Aufstockung bestehender Programme bereitstellt.

Grund für die speziellen Programme für Start-ups ist, dass diese anders als etablierte Unternehmen meist nicht über Hausbanken finanziert sind, die normalerweise KfW-Hilfe vermitteln können. Daher benötigen sie spezielle Eigenkapital-Hilfen.

Die Befürchtung ist, dass geplante Finanzierungsrunden ausfallen könnten, weil Investoren in der Krise Risiken scheuen. Einige Start-ups sind zudem direkt von Corona-Maßnahmen betroffen – etwa der Busanbieter Flixbus.

Schon zuvor hatten einzelne Bundesländer spezielle Coronahilfen für Start-ups angekündigt. Hamburg etwa hat einen bedingt zurückzahlbaren Zuschuss von bis zu 100.000 Euro für Start-ups mit bis zu 50 Mitarbeitern auf den Weg gebracht.

Der Bund hält sich offen, ob das zwei Milliarden Euro schwere Krisenpaket zusätzlich zu bereits länger geplanten Subventionen für die Start-up-Szene kommt oder lediglich einen Teil der Fördergelder vorwegnimmt. Im Sommer soll das Kabinett einen bis zu zehn Milliarden Euro großen Zukunftsfonds beschließen, der ähnlich funktioniert wie die Coronahilfen.

Das Wirtschaftsministerium geht davon aus, dass das Geld einige Jahre reicht. Daher soll die Entscheidung, ob die zwei Milliarden Euro Teil der angekündigten zehn Milliarden sein werden oder ob das Gesamtpaket größer wird, wohl erst in den kommenden Jahren fallen.

Verband fordert schnelle Umsetzung

Die Lobby-Verbände der Start-up-Szene hat sich in den vergangenen Wochen vehement für spezielle Hilfen für Start-ups eingesetzt. Zuletzt drängte der Start-up-Verband in der vergangene Woche mit einem Brief an Minister Scholz auf eine schnelle Umsetzung – teils zur Verwunderung der Ministerien, die in einem engen Austausch mit den Verbänden standen. Der Digitalbeauftrage Thomas Jarzombek (CDU) etwa hatte zu Beginn der Corona-Krise sogar in einer Pressekonferenz eine Umfrage des Start-up-Verbands mitpräsentiert, nach der 70 Prozent der Start-ups wegen der Coronakrise Existenzsorgen plagen.

Allerdings hatten sich auch Kritiker wie der Hamburger Start-up-Finanzierer Sven Schmidt zu Wort gemeldet, die anmahnen, der Staat dürfen kein Steuergeld einsetzen, um das Spielgeld millionenschwerer Investoren zu retten.

Insofern ist das Programm der Versuch, zwei Seiten auszubalancieren: die lautstarken Forderungen der medial gut vernetzten Start-up-Szene nach unkomplizierten Hilfen mit der Furcht davor, der Staat könne wie in der Finanzkrise viel Geld versenken.

Der Start-up-Verband begrüßte in einer ersten Stellungnahme das Hilfspaket, forderte aber eine schnelle Umsetzung: „Gelingt es nicht, Start-ups rechtzeitig in der Corona-Krise zu unterstützen, schadet das der gesamten Innovationsfähigkeit Deutschlands“, sagte ein Sprecher auf Anfrage.

Das Wirtschaftsministerium strebt an, bereits im Mai erste Zahlungen zu ermöglichen. Im Boomjahr 2019 sind fünf bis sieben Milliarden Eigenkapital in Start-ups geflossen. Daran gemessen dürfte das Zwei-Milliarden -Euro-Paket viele Monate reichen.