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Brief-Affäre um DOSB-Boss: Ethik-Kommission eingeschaltet

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Brief-Affäre um DOSB-Boss: Ethik-Kommission eingeschaltet
Brief-Affäre um DOSB-Boss: Ethik-Kommission eingeschaltet

Der interne Druck auf DOSB-Präsident Alfons Hörmann in der leidigen Brief-Affäre wächst - nun soll die Ethik-Kommission des Deutschen Olympischen Sportbundes für Klarheit sorgen. Das unabhängige Gremium wurde vom DOSB um eine Bewertung gebeten. Darauf aufbauend sollen die notwendigen Konsequenzen gezogen werden. Dies hatte der DOSB am Samstag nach seiner Präsidiumssitzung mitgeteilt.

Die 2018 ins Leben gerufene Ethik-Kommission wird laut Punkt 2.1. der Verfahrensordnung unter anderem dann tätig, "sofern ihr zureichende tatsächliche Anhaltspunkte für einen Verstoß gegen die Grundsätze einer guten Verbandsführung bekannt werden ("Verdacht"). Dies scheint in diesem Fall offenbar gegeben. (KOMMENTAR: Das nächste Erdbeben im deutschen Sport)

Denn am vergangenen Donnerstag hatte ein anonym versendeter und vermutlich aus der DOSB-Belegschaft stammender Offener Brief mit expliziten Vorwürfen gegen Hörmann wegen mangelnder Führungsqualitäten für Aufregung gesorgt. In dem Brief ist von fehlendem Respekt und Fairplay gegenüber Verbandsangestellten die Rede.

Kritik: Unter Hörmann "Kultur der Angst"

Unter Hörmanns Führung habe sich im DOSB "eine Kultur der Angst" etabliert, hieß es in dem Schreiben, und weiter: "Aufgrund solcher Verhaltensweisen haben Mitarbeiter*innen gekündigt; andere befinden sich in psychotherapeutischer Behandlung. So kann es nicht weitergehen. So darf es nicht weitergehen."

Vorstand und Präsidium hatten sich am Tag danach demonstrativ hinter Hörmann gestellt und diesem das Vertrauen ausgesprochen. Der CSU-Politiker ist seit 2013 Chef des Dachverbandes, seine zweite Amtszeit endet 2022.

Geht es nach einigen Landessportbünden, soll Hörmann aber sofort seinen Hut nehmen. Nach der konkreten Rücktrittsforderung aus Nordrhein-Westfalen durch LSB-Präsident Stefan Klett ging auch dessen hessischer Kollege Rolf Müller auf maximale Distanz zu Hörmann. "Mich hat diese Klage nicht verwundert. Es scheint Veränderung nötig", sagte Müller der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

"Bei aller Zurückhaltung angesichts des anonymen Briefes", erklärte Müller weiter, "muss man die Frage stellen, ob die Persönlichkeitsstruktur der Führung geeignet ist, Menschen respektvoll zu führen. Man darf nicht voreilig, also reflexhaft reagieren. Vielleicht hilft eine Mediation."

Dies strebt der DOSB nun offenbar an. Präsidium und Vorstand wollen sich nun auch "in diversen Formaten im offenen, engen Dialog mit den Mitarbeiter*innen mit den Vorwürfen auseinandersetzen und Ansatzpunkte für Veränderungen identifizieren und umsetzen", teilte der DOSB mit.

Wird die Ethik-Kommission eingeschaltet?

Mitarbeiter*innen und Mitgliedsorganisationen würden gebeten, sich mit Hinweisen an die Ethik-Kommission oder die anderen vorhandenen, unabhängigen und vertraulichen Beschwerdewege an der Aufklärung zu beteiligen.

Für den DOSB kommt die Affäre zur absoluten Unzeit. Zweieinhalb Monate vor den Olympischen Spielen benötigt der Verband eine starke Führung, um die anstehenden Probleme vor den Corona-Spielen in Tokio zu lösen. Gleiches gilt für die anhaltenden Schwierigkeiten des Sports in Deutschland in Zeiten der Pandemie.

Hier hatte der DOSB am Samstag nach einer Videokonferenz eine Öffnung gefordert. "Die Zeit ist reif, um zu einem geordneten Sportbetrieb zurückzukehren", hieß es in der gemeinsamen Erklärung des DOSB und der 16 Landessportbünde mit Verweis auf die "steigende Anzahl von Geimpften und Genesenen, flächendeckenden Testungen und den im Sport etablierten Hygiene- und Schutzkonzepten".

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