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Bill-Gates-Fonds will Wasserstoffindustrie in Europa aufbauen

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Die Umsetzung der Wasserstoff-Pläne seitens der Politik geht der Wirtschaft nicht schnell genug. Eine europäische Initiative will das Tempo anheizen.

Mit der europäischen Variante seines Breakthrough-Energy-Fonds will Milliardär Bill Gates Unternehmen unterstützen, die „an den großen Herausforderungen“ arbeiten. Eine dieser Herausforderungen ist der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft.

Gemeinsam mit dem Unternehmen Inno Energy gründet Gates’ Investmentplattform Breakthrough Energy das „European Green Hydrogen Acceleration Center“. Es ist ein Zusammenschluss mehrerer Unternehmen und Fonds – mit einem sehr ambitionierten Ziel.

Die Allianz will dabei helfen, in Europa eine Wasserstoffindustrie aufzubauen, die mehrere Hunderttausend direkte und indirekte Jobs schaffen soll. Und das schon in den nächsten fünf Jahren.

„Wir wollen mit dem Zentrum die Möglichkeit schaffen, grünen Wasserstoff im großen Stil für eine umfassende Dekarbonisierung der europäischen Industrie einzusetzen“, kündigt Ann Mettler, Senior Director von Breakthrough Energy im Gespräch mit dem Handelsblatt an.

Erreichen wolle man dieses Ziel „durch eine Reihe richtungsweisender Großprojekte, durch die Initiierung einer neuen Generation von Public-Private-Partnerships und den schnellen Ausbau der Produktion vom Mega- auf den Gigawattbereich“, erklärt Mettler. Das erste Vorzeigeprojekt sei auch schon in Planung.

Breakthrough will 100 Millionen Euro investieren

„Bei dem ersten Projekt, das wir mit unserer Initiative unterstützen, geht es um die Herstellung von grünem Stahl, die Gespräche sind schon sehr weit fortgeschritten, und Abnahmeverträge gibt es auch schon“, erklärt Christian Müller, Deutschlandchef von InnoEnergy.

Um welches Unternehmen es sich genau handelt, wollte er zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht verraten. „Sowohl Breakthrough als auch Inno Energy haben aber die Absicht, in das Projekt direkt zu investieren“, sagt er.

Insgesamt plant Breakthrough, in Zusammenarbeit mit der Europäischen Union (EU) knapp 100 Millionen Euro in den nächsten Jahren im Bereich Energie zu investieren.

Neben finanziellen Investments sei die Hauptaufgabe des neuen Zentrums, konkrete Vorhaben und Projekte zu unterstützen und mit auf den Weg zu bringen. „Wir werden auch eng mit der Politik und anderen Initiativen zusammenarbeiten. Wir haben schließlich alle dasselbe Ziel: Europa bis 2050 klimaneutral zu machen“, betont Müller.


Wasserstoff-Allianz: Bis zu 200 Milliarden Euro an Investitionen nötig

Laut dem Green Deal ist das genaue Ziel der EU, die CO2-Emissionen in allen Sektoren in nur 30 Jahren auf null zu bringen. Das soll bei Industrie und Verkehr mit Wasserstoff als neuem Kraftstoff gelingen.

Bis 2024 soll die Produktion von sauberem Wasserstoff auf eine Million Tonnen steigen und bis 2030 auf zehn Millionen Tonnen. Sauber bedeutet, dass die Energie, die für die Wasserstoffproduktion benötigt wird, aus Ökostrom gewonnen wird.

Aktuell werden nach EU-Angaben 9,8 Millionen Tonnen Wasserstoff pro Jahr in Europa produziert – allerdings fast ausschließlich auf Basis fossiler Energieträger. Meist ist das Erdgas.

Damit sich das bereits innerhalb der kommenden fünf Jahre signifikant ändert, sind nach Ansicht der neuen Wasserstoff-Allianz zwischen 150 und 200 Milliarden Euro an Investitionen notwendig – oder anders gesagt: 15 Großprojekte in der Größenordnung des ersten.

Und dafür gebe es laut Müller schon jetzt mehr als genügend Abnahmepotenzial. Wenn das gelingt, könne bis 2025 eine Wasserstoffindustrie mit einem Marktvolumen von 100-Milliarden-Euro entstehen. Dieses ambitionierte Ziel ist allerdings noch in sehr weiter Ferne.

Konzentration einzig auf die Produktion von grünem Wasserstoff

Erst einmal müsste der nötige Grünstrom für solche Produktionsmengen vorhanden sein. In allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union kommen laut Eurostat aber bislang gerade mal knapp 20 Prozent der benötigten Energie aus erneuerbaren Quellen. Deswegen gibt es gerade auf EU-Ebene immer noch Streit über die Frage, woher die nötige Energie kommen soll.

Während Deutschland bei der Wasserstoffproduktion von vornherein vor allem auf Strom aus erneuerbaren Energien setzt, zum Beispiel aus Wind oder Sonne, will die EU-Kommission zumindest für eine Übergangszeit auch grauen, also mit Erdgas produzierten Wasserstoff, fördern. In einem ersten Schritt soll der so erzeugte Wasserstoff dann wiederum fossile Brennstoffe ersetzen, zum Beispiel in der Stahlproduktion.

Auch deswegen will sich die neue Allianz um Bill Gates einzig auf die Produktion von grünem Wasserstoff konzentrieren. „Wir sehen die Möglichkeit, dass schon deutlich früher eine größere Menge an grünem Wasserstoff in den kommerziellen Bereich kommt, als es bis jetzt auf EU-Ebene angedacht ist“, sagt Müller.

Um das in fünf Jahren zu schaffen, müssen die Unternehmen jetzt aber ein ordentliches Tempo vorlegen. Aktuell sind in der EU nämlich gerade einmal Elektrolyseure mit einer Leistung von etwa einem Gigawatt installiert.