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„Betrügerischer“ Deal in Krefeld: Firma von Warren Buffett geht auf Kanzlei Jones Day los

·Lesedauer: 3 Min.

Warren Buffetts Manager glauben, sie seien um Hunderte Millionen Euro betrogen worden. Jetzt verklagen sie auch die Anwaltskanzlei Jones Day.

So hatte sich US-Starinvestor Warren Buffett sein Engagement in Deutschland wohl nicht vorgestellt. Eine Tochter seines Konglomerats Berkshire Hathaway übernahm Ende 2016 den Röhrenspezialisten Schulz aus Krefeld für 800 Millionen Euro.

Doch schon bald stellte sich heraus, dass Buffetts Industriezulieferer Precision Castparts (PCC) womöglich viel zu viel für den Krefelder Mittelständler zahlte. Ein US-Schiedsgericht schlug sich im Frühjahr auf die Seite von PCC.

Nun bekommt der Streit eine neue Dimension: Precision Castparts hat vor einem US-Gericht eine Klage gegen die Anwaltskanzlei Jones Day eingereicht. Die Kanzlei hatte die Schulz-Gruppe bei der Transaktion beraten. Die Vorwürfe wiegen schwer: Die Berkshire-Tochter lastet den Anwälten eine bedeutende Rolle bei dem mutmaßlichen Betrug an.

Konkret soll die Kanzlei Dokumente nicht offengelegt haben. Aus ihnen soll hervorgehen, dass die Schulz-Holding in „einer finanziell bedrohlichen Lage“ gewesen sei, bevor sie durch Precision übernommen wurde. Der Vorwurf lautet auch, dass Schulz und Jones Day gemeinsame Sache gemacht hätten.

„Die betrügerische Transaktion hätte ohne die substanzielle Unterstützung von Jones Day niemals stattgefunden“, argumentiert Precision in der Klageschrift, die bei einem Gericht in Houston im Bundesstaat Texas eingereicht wurde und dem Handelsblatt vorliegt. Von dort aus steuerte Jones Day die M & A-Beratung. Auch deutsche Jones-Day-Anwälte waren an dem Deal beteiligt.

Berkshire wollte sich zunächst nicht zu der Klage äußern. Ein New Yorker Schiedsgericht hatte sich bereits im April auf Buffetts Seite gestellt. „Dies ist ein Fall von klarem und allumfassendem Betrug. Dabei sind den Beteiligten nicht versehentlich Fehler unterlaufen. Sie haben die Kläger vielmehr systematisch in die Irre geführt und anschließend versucht, ihre Spuren zu verwischen“, hieß es in dem Gutachten.

Die Folge: Precision Castparts soll 643 Millionen Euro von der deutschen Schulz-Holding zurückbekommen.

Systematische Täuschung?

Die Schulz-Seite bestreitet einen Betrug. Doch interne Unterlagen legen nahe, dass Umsätze und Gewinne systematisch mit der Bildbearbeitungssoftware Photoshop manipuliert wurden.

„Schulz war vergleichbar mit einem Haus, das kurz vor der Zwangsvollstreckung steht, was Precision Castparts vorenthalten wurde“, heißt es in der Klageschrift gegen Jones Day. So soll unter anderem ein Sanierungsgutachten nicht vorgelegt worden sein, das die Commerzbank bereits 2016 hatte anfertigen lassen. Das zweitgrößte deutsche Finanzinstitut gewährte Schulz insgesamt Kredite in Höhe von 325 Millionen Euro.

Auch sei Precision Castparts ein Vertrag vorenthalten worden, wonach die Vermögenswerte von Schulz an die Bank übergegangen wären, wenn es keinen Käufer gegeben hätte. Die Berkshire-Tochter fordert nun, dass Jones Day und Schulz gemeinsam für den entstandenen Schaden aufkommen. Auf eine Anfrage reagierte Jones Day nicht. Ein Sprecher von Schulz teilte mit, man wolle sich zu der Klage nicht äußern.

Jones Day gehört zu den weltweit größten Wirtschaftskanzleien, gemessen am Umsatz gehört sie zu den Top Ten. Im vergangenen Jahr kam sie auf knapp 2,1 Milliarden Dollar, 2500 Anwälte arbeiten für sie. In den USA macht die 1893 gegründete Kanzlei das meiste Geschäft, in Deutschland brachte sie es mit knapp 80 Anwälten zuletzt auf 66 Millionen Euro Umsatz.

Viel Aufmerksamkeit erlangte die Sozietät hierzulande mit einem Großauftrag für Volkswagen bei der Aufarbeitung des Dieselskandals. Im Zuge dieses Mandats durchsuchten Staatsanwälte Räume der Kanzlei. Jones Day wehrte sich dagegen bis vor dem Bundesverfassungsgericht – letztlich erfolglos.

In Deutschland sind im Fall Schulz die Behörden eingeschaltet. Gegen Wolfgang Schulz, bekannt als lokale Unternehmergröße und Mäzen des Eishockeyklubs Krefeld Pinguine, ermittelt die Düsseldorfer Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität.

Auch sieben ehemalige Manager sind beschuldigt. Es bestehe der Verdacht des „gemeinschaftlichen Betrugs im besonders schweren Fall, der Urkunden- und Bilanzfälschung“, so ein Behördensprecher im Mai. In der Folge hatten verschiedene Schulz-Firmen Insolvenz angemeldet. Wann es zu einer möglichen Anklage kommt, ist derzeit jedoch nicht absehbar, heißt es in Verteidigerkreisen.

Warren Buffett sucht bereits seit Jahren nach Übernahmemöglichkeiten im deutschen Mittelstand, den er für seine Beständigkeit schätzt. Der Star-Investor ist für seine hohen ethischen Grundsätze bekannt.