Deutsche Märkte öffnen in 6 Stunden 5 Minuten

Berkshire 101: Ein schneller Grundkurs über Warren Buffetts 318-Milliarden-Euro-Imperium

„Berkshire Hathaway“ war einst ein Textilunternehmen in der Krise, als Warren Buffett anfing, zu investieren. Heute ist es ein 318 Milliarden Euro-Gigant.

Berkshire Hathaway war einst ein Textilunternehmen in der Krise, als Warren Buffett 1962 erstmals in die Firma investierte.

Heute ist es ein 318 Milliarden Euro-Gigant. Mit Buffetts eigenen Worten: „Ein sich ausbreitendes Konglomerat, das sich versucht, immer weiter auszubreiten.“

Über Berkshires enormes Portfolio an Tochterunternehmen und Kapitalbeteiligungen ist nicht viel bekannt, aber eines war für Buffett immer wichtig: „Das langfristige Kapitalwachstum zu maximieren.“

Hier also eine kurze Einführung in das Unternehmen Berkshire Hathaway.

Versicherungen sind das Rückgrat des Unternehmens

Seit es 1967 National Indemnity erwarb, war Berkshires Versicherungsgeschäft wesentlich für das Wachstum des Unternehmens verantwortlich.

Als Berkshire größer wurde und seine Geschäftstätigkeit diversifizierte, wurden die Versicherungsgeschäfte zu einem kleineren Teil der Einnahmen. Aber sie bleiben ein wichtiger Teil des Zugangs der Firma zu permanentem Kapital, denn sie generieren den so genannten „Float“.

Der „Float“ ist das Geld, das vorneweg eingesammelt und erst später ausgezahlt wird. In Berkshires Sach- und Haftpflicht-Versicherungsgeschäft werden Beiträge vorneweg eingesammelt, aber Ansprüche werden erst Jahre oder Jahrzehnte später ausgeschüttet, wodurch der „Float“ für Investitionen genutzt werden kann.

Berkshires Versicherungs-Gruppe besteht heute aus vier Teilen: GEICO (Autoversicherung), General Re (Rückversicherung), BH Reinsurance Gruppe (nachträgliche Rückversicherung durch Tochtergesellschaften) und BH Primary (spezialisiert auf kommerzielle Märkte, geführt von National Indemnity).

Das Sach- und Haftpflichtversicherungs-Geschäft erfährt Gegenwind – inklusive fallender Preise und kleiner werdende Margen. Auch das schlechte Abschneiden im Jahr 2015 traf sicherlich auch die Anteile von Berkshire. Gerade GEICO wurde von den Ansprüchen mehrerer Autobesitzer getroffen, da niedrige Benzin-Preise zu mehr fahren geführt hatten und schließlich zu gestiegenen Schadensansprüchen und niedrigerem Wachstum. Allerdings ist es Berkshire durch seine Vielfalt, gute Bilanz und Voraussicht in einer stabilen Position, so die Analysten der UBS.  Berkshire schlug außerdem Vorteile aus den Verlagerungen bei anderen Versicherungen wie etwa der AIG.

1990 betrug Berkshires Versicherungs-Float nur 1,3 Milliarden Euro, 2015 betrug er 77,6 Milliarden, das Wachstum betrug in diesem Zeitraum 17,3 Prozent.

Das Kapital-Portfolio

Berkshires Investitions-Portfolio repräsentiert Buffetts Idee der Langzeit-Überzeugung.

Ende 2015 war etwa 60% dieses Kapital-Portfolios in fünf Unternehmen angelegt—Wells Fargo(WFC), Kraft Heinz (KHC), Coca-Cola (KO), IBM(IBM) und American Express (AXP). An allen außer Kraft Heinz, das 2013 mit Partner 3G Teil eines Investments war, hält Berkshire seit Jahren große Anteile.

Der Wechsel zu anderen Geschäftszweigen

Zusätzlich zum 77,8 Milliarden Euro Versicherungs-Float hat Berkshire laut UBS 229 Milliarden Euro Kapital angehäuft, was dem Unternehmen eine konstante Kapitalgrundlage von 309 Milliarden Euro gibt. Dadurch kann Berkshire organisch wachsen und kaufen, ohne Zugang zum Kapitalmarkt zu benötigen oder seine Investments und großen Zuteilungs-Entscheidungen langfristig durchdenken zu müssen.

In den Anfangsjahren war Berkshire ein Versicherungsunternehmen basierend auf der überdurchschnittlichen Performance seiner Investments. Aber es entwickelte sich zu einem großen Konglomerat mit vielen Geschäftszweigen außerhalb des Versicherungssektors.

Quelle: UBS report

Berkshire entwickelte regulierte, kapitalintensive Geschäfte. Burlington Northern Santa Fe Railroad (BNSF), das Berkshire 2009 für 38,9 Milliarden Euro kaufte, ist eines der sieben größten Eisenbahnunternehmen Nordamerikas und transportiert 17% der gesamten Fracht zwischen den Städten. Berkshire investierte stark in diesen Geschäftszweig. Außerdem besitzt BH Energy vier Kraftwerke, die Kunden in 11 Staaten im Westen/Mittleren Westen der USA beliefern, außerdem zwei Elektrizitätsunternehmen in England, zwei Interstate-Pipelines, ein Unternehmen für erneuerbare Energien und ein Immobilienunternehmen.

Berkshires Herstellungs-, Service- und Vertriebs-Zweig (MRS) umfasst alles von Süßigkeiten bis Jets. Zu den Unternehmen gehören etwa McLane, Handarbeitsbetriebe (wie das Chemieunternehmen Lubrizol, der industrielle Zulieferer Marmon, das Bodenbelags-Geschäft Shaw Industries und das Farb- und Lack-Unternehmen Benjamin Moore), Service- und Vertriebsunternehmen (inklusive NetJets, See’s Candy, Borsheim Jewelry Company, the Pampered Chef und die Oriental Trading Company), neu hinzu kam der Batteriehersteller Duracell, außerdem der Raumfahrt-Zulieferer Precision Castparts, den Berkshire 2015 für 32,7 Milliarden Euro kaufte.

In der Finanzbranche fokussiert sich das Unternehmen hauptsächlich auf das Herstellen und die Finanzierung von Eigenheimen sowie das Leasing von Fahrzeugen und Transport-Ausrüstung. Dazu gehören Clayton Homes, ULTX, XTRA und andere Leasing- und Finanzierungs-Angebote.

Der Herstellungs-, Service- und Vertriebs-Zweig fährt im Moment mehr als die Hälfte aller Gewinne des Unternehmens ein.

Quelle: UBS report

Schätzwert

Warren Buffetts Lieblingsmethode zur Einschätzung der Attraktivität eines Investments und Geschäfts ist der immanente Wert, der die Summe aller diskontierten Geldflüsse darstellt und jederzeit aus einem Unternehmen ausgegliedert werden kann. Laut Whitney Tilson liegt der momentane immanente Wert bei 250.000 Euro pro Anteil, weit über dem aktuellen Anteilspreis von 192.000 Euro.

Der Buchwert ist ein weiterer Versuch, Berkshire zu schätzen, aber Berkshires immanenter Wert wurde – wie Buffett darlegte—nicht mehr richtig dargestellt, da Berkshire mehr und mehr Unternehmen aufkaufte. Eine Buchwert-Kalkulation allerdings, bietet Investoren eine Basis. Berkshire hat ein nach oben offenes Anteils-Rückkauf-Programm, das dem Management erlaubt, Anteile zurückzukaufen, sollte der Aktienpreis unter 1.2x Preis/Buch fallen.

Ergebnis: Berkshires Geschäfte haben sich über die Jahre verändert, aber es legt seinen Schwerpunkt weiterhin auf das langfristige Kapitalwachstum und den effizienten Nutzen von Kapital.

Yahoo Finance UK
Von Nicole Sinclair