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Beiersdorf meldet ein kleines Umsatzplus nach desaströsem zweitem Quartal

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Der Nivea-Hersteller hat die Geschäftsergebnisse im dritten Quartal deutlich verbessert. Eine Konzernmarke bereitet aber immer noch große Sorgen.

Der Konsumgüterkonzern Beiersdorf hat den Umsatz zwischen Juli und September stabilisiert und das desolate zweite Quartal ein Stück weit kompensiert. Der Konzern verzeichne im dritten Quartal ein organisches Umsatzwachstum von 0,2 Prozent, sagte Stefan de Loecker, Vorstandsvorsitzender des Hamburger Dax-Unternehmens, am Mittwoch.

Der Konzernumsatz sank in den ersten neun Monaten des Jahres organisch um 7,1 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro. Zum Vergleich: In den ersten sechs Monaten war der Umsatz des Nivea-Herstellers um 10,7 Prozent eingebrochen.

„Im dritten Quartal haben sich die Geschäftsergebnisse deutlich verbessert. Wir konnten uns in einem andauernd schwierigen Hautpflegemarkt behaupten und Marktanteile in allen Hautpflegekategorien hinzugewinnen“, sagte de Loecker weiter. Als besonders „widerstandsfähig in der Krise“ hätten sich die beiden Pflegemarken Eucerin und Aquaphor gezeigt. Diese hätten „ein starkes zweistelliges Umsatzplus im dritten Quartal erzielt“.

Dennoch halte die Covid-19-Pandemie große Teile der Welt fest im Griff. „Wann sich die Situation nachhaltig entspannen wird, lässt sich noch immer nicht vorhersagen“, sagte der Beiersdorf-Chef. Seine Prognose für das Gesamtjahr 2020: „ein Umsatzwachstum auf dem gleichen Niveau oder etwas besser als das Wachstum der ersten neun Monate“.

Mit Blick auf die Verschärfung der Corona-Maßnahmen in Deutschland, die Bund und Länder am heutigen Mittwoch beschließen wollen, sei der Konzern „sehr vorsichtig, was die Aussicht für das vierte Quartal geht“, sagte de Loecker. Fraglich sei zum Beispiel das Konsumverhalten der Menschen, die wieder stärker als bisher ihre Zeit zuhause verbringen, fuhr er fort.

Die Umsatzrendite werde in diesem Jahr „signifikant unter dem Vorjahreswert“ liegen. Ausnahme Tesa: Für die stabile Klebstoffsparte erwartet Beiersdorf eine Umsatzrendite ungefähr auf Vorjahresniveau. Die Beiersdorf-Aktie gab am Mittwoch zeitweise um sechs Prozent nach.

Beim Konsumgüterkonzern Beiersdorf herrschte zuletzt Tristesse. Während viele Branchengrößen wie etwa Procter & Gamble von der Corona-Pandemie profitieren, weil Kunden im Regal verstärkt zu Reinigungs- und Desinfektionsmitteln greifen, spüren die auf Hautpflege spezialisierten Hamburger eher eine zurückhaltende Nachfrage. Analyst Jörg Frey von Warburg Research hatte im Spätsommer erklärt, das Konsumgütergeschäft von Beiersdorf habe mit dem zweiten Quartal das wohl schlimmste Quartal des Jahrhunderts verzeichnet.

Luxusmarke La Prairie ist das große Sorgenkind

Doch im dritten Quartal standen die Zeichen in Hamburg auf leichte Erholung: „Alle unsere Marken haben im dritten Quartal besser performt“, betonte Dessi Temperley, Finanzchefin von Beiersdorf, bei der Vorlage der Quartalszahlen.

Vor allem die Vorzeigemarke Nivea, die für einen Großteil des Umsatzes in der Consumer-Sparte steht, fand wieder mehr Käufer. In den ersten neun Monaten des Jahres verzeichnete die blaue Marke einen Umsatzrückgang von 6,2 Prozent. Dabei fiel der Schwund im dritten Quartal mit einem Minus von einem Prozent nur noch vergleichsweise niedrig aus. Nivea profitierte dabei von der gestiegenen Nachfrage nach Dusch- und Körperpflegeprodukten.

Das große Sorgenkind von Beiersdorf, die Luxusmarke La Prairie, erholte sich ebenfalls – wenn auch deutlich schwächer als die Schwestermarke Nivea. Die Marke La Prairie ist besonders stark vom Einbruch des internationalen Reiseverkehrs betroffen und hatte in den ersten sechs Monaten einen Umsatzrückgang von 41,9 Prozent verzeichnet. Nach neun Monaten liegt das Minus nun bei 34,5 Prozent. Im dritten Quartal lag der Rückgang nur noch bei 16,9 Prozent, wobei vor allem die Märkte in Asien und in Amerika wieder zulegten.

Konzernchef de Loecker wies darauf hin, dass Beiersdorf „in Europa als Teil der strategischen Positionierung von La Prairie die Schließung von über 1.000 Verkaufsstellen initiiert“ habe. Der Prozess solle 2021 abgeschlossen sein.

Der Analyst Olivier Nicola von Goldman Sachs hatte im Vorfeld der Veröffentlichung der Quartalszahlen kritisch angemerkt, Beiersdorf sei zu stark von der Marke La Prairie und dem zollfreien Handelsgeschäft abhängig. Das bremse das Wachstum, zudem sei Beiersdorf im Onlinegeschäft nicht so weit wie die Konkurrenz.

Konsumgüterkonzerne wie Beiersdorf haben bislang stark auf den stationären Handel gesetzt. Doch der E-Commerce solle künftig gestärkt werden, sagte Konzernchef de Loecker. „Wir verzeichnen auf Jahressicht eine Wachstumsrate von über 45 Prozent im E-Commerce.“

Auch der Konkurrent Henkel hatte im Oktober Quartalszahlen gemeldet, die eine erste Erholung zeigen. Der in der ersten Jahreshälfte von der Coronakrise gebeutelte Konsumgüterkonzern gab denn auch eine Prognose für 2020 ab: Henkel erwarte nun im Gesamtjahr einen Rückgang des organischen Umsatzes von ein bis zwei Prozent, hatten die Düsseldorfer mitgeteilt. Die Erträge werden voraussichtlich noch stärker schrumpfen.