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Jetzt wird Bayer zum Übernahmeziel – und könnte zerschlagen werden

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Der erneute Kurscrash des Dax-Konzerns Bayer offenbart das Desaster aus der Monsanto-Übernahme. Die Leverkusener könnten nun selbst zum Übernahmeziel werden.

Der erneute Kurscrash des Dax-Konzerns Bayer offenbart das Desaster aus der Monsanto-Übernahme. Foto: dpa
Der erneute Kurscrash des Dax-Konzerns Bayer offenbart das Desaster aus der Monsanto-Übernahme. Foto: dpa

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63 Milliarden Dollar zahlte Bayer vor gut zwei Jahren, um den Glyphosat-Hersteller Monsanto zu übernehmen. Hauptantrieb, so will es zumindest die Legende, war die Angst, dass die Leverkusener zum Übernahmeziel werden könnten. Die Giftpille Monsanto wirkt zwar, jedoch anders als gedacht.

Die Bayer-Bilanz ist seither vergiftet mit enormen Schulden und abschreibungsgefährdeten Prämien, die vor allem, aber nicht nur aus der Übernahme von Monsanto stammen.

Nun wird abgewertet, wie hoch, ist noch nicht klar. Doch egal, ob am Ende im Agrarbereich zunächst einmal drei oder acht Milliarden Euro an vermeintlichem Vermögen aus der Bilanz verschwinden werden: Das dürfte nur der Anfang sein. Das zeigen zumindest Erfahrungen bei anderen Konzernen, die sich mit Übernahmen verhoben haben – so bei der Deutschen Telekom mit Voicestream oder E.On mit seinen zahlreichen Abenteuern. In der Regel folgte eine Kaskade an Abwertungen.

Die Ironie: Bayer ist an der Börse gerade einmal noch 47 Milliarden Euro wert – also weit weniger, als Monsanto kostete. Dazu kommen per 30. Juni 2020 noch einmal 38,8 Milliarden Euro an Nettofinanzschulden. Mit ein bisschen Zuschlag wäre Bayer also nun für unter 100 Milliarden Euro zu schlucken – weniger als noch vor wenigen Jahren allein die Aktien wert waren. Schön für einen Übernehmer: Bayer hat sich schlank auf drei Sparten Pharma, Konsumenten-Medizinprodukte und Agrar aufgestellt. Die Leverkusener wären also leicht zu zerschlagen oder über Abspaltungen in drei Unternehmen an der Börse wahrscheinlich deutlich attraktiver und damit teurer darstellbar.

Novartis könnte Bayer Pharma kaufen, Johnson & Johnson die Sparte mit den frei verkäuflichen Medikamenten und für Monsanto finden sich an der Börse sicher Abnehmer – denn die Mittelzuflüsse auch aus Glyphosat sind per se nicht zu verachten. Noch dürften strategische Investoren zögern, auf niedrigere Kurse hoffen und mehr Konkretes zu den Abwertungen wissen wollen.

Am 3. November wird Bayer-Chef Werner Baumann, verantwortlich für die Monsanto-Übernahme, die Zahlen zum dritten Quartal vorstellen. Dessen Vertrag wurde gerade bis Mitte 2024 verlängert.

Die Chancen, dass er dann noch einem Bayer-Konzern in der aktuellen Form vorstehen wird, sie schwinden.

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