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Bank of England erhöht Ausgaben für Anleihekäufe

Die Notenbank weitet ihre Anleihekäufe um 100 Milliarden Pfund aus. Eine Zinssenkung hebt sie sich angesichts der Unsicherheiten um Corona und Brexit noch auf.

Die Entscheidung der Bank of England fiel nahezu einstimmig. Mit 8:1 Stimmen beschloss der geldpolitische Ausschuss der britischen Notenbank am Donnerstag, das Anleihekaufprogramm um weitere 100 Milliarden auf 745 Milliarden Pfund auszudehnen.

Die Zentralbank musste handeln, weil die im März bereitgestellten 200 Milliarden Pfund nur noch bis Juli gereicht hätten. Analysten hatten eine Erhöhung zwischen 100 und 200 Milliarden Pfund erwartet. Die Notenbank lag also am unteren Ende der Erwartungen.

Zugleich kündigte sie an, das Tempo der Käufe deutlich zu verlangsamen. Die 100 Milliarden Pfund sollen bis zum Jahresende reichen.

Auf eine weitere Zinssenkung verzichtete die Bank of England vorerst. Einstimmig hielt der geldpolitische Ausschuss am aktuellen Leitzins von 0,1 Prozent fest. In einer ersten Reaktion auf die Coronakrise hatte er den Leitzins im März in zwei Schritten um 0,65 Prozentpunkte gesenkt. Seitdem wird über eine weitere Zinssenkung bis hin zu Minuszinsen spekuliert – was in der 325-jährigen Geschichte der Bank of England eine Premiere wäre.

Offenbar will die Notenbank ihr Pulver noch trocken halten und erst die weitere konjunkturelle Entwicklung abwarten. Mögliche Risiken in der zweiten Jahreshälfte sind eine zweite Pandemiewelle und ein Scheitern der Freihandelsgespräche mit der EU. Beides könnte die britische Wirtschaft laut Ökonomen zurück in die Rezession stürzen.

Die Aussichten der britischen Konjunktur blieben höchst unsicher, teilte die Bank of England mit. Sie hingen entscheidend vom weiteren Verlauf der Pandemie ab.

Im März und April war die Wirtschaftsleistung um insgesamt 26 Prozent eingebrochen. Seither sei eine Erholung zu beobachten, so die Notenbank. Zahlungsströme im Mai und Juni zeigten, dass die Verbrauchernachfrage steige. Die Wirtschaftsleistung werde im zweiten Quartal daher weniger stark einbrechen als noch im Mai erwartet.

Laut David Owen von der US-Investmentbank Jefferies lässt sich aus mehreren Frühindikatoren ein Wachstum von fünf Prozent seit dem Tiefpunkt Mitte April ablesen. Laut Anna Titareva von der Schweizer Bank UBS bleibt die Unsicherheit über das Wachstum im zweiten Quartal jedoch hoch. Die OECD hatte kürzlich geschätzt, dass die britische Wirtschaftsleistung im Gesamtjahr um mindestens 11,5 Prozent sinken wird.

Die Inflationsrate war im Mai auf 0,5 Prozent gesunken – weit entfernt von dem Zweiprozentziel der Bank of England. UBS-Ökonomin Titareva erwartet, dass sie für den Rest des Jahres unter einem Prozent bleibt. Das spräche für eine weitere Zinssenkung der Notenbank.

Minuszinsen weniger wahrscheinlich

Notenbankgouverneur Andrew Bailey hatte im Mai gesagt, Minuszinsen würden „aktiv geprüft“, zugleich aber seine Vorbehalte gegen einen solchen Schritt deutlich gemacht. Die konjunkturelle Wirkung eines Zinsschritts sei begrenzt, wenn man ohnehin schon fast bei Null sei, hatte er argumentiert. Zudem würde eine Zinssenkung die Banken schwächen, die in der Krise gebraucht werden. Experten halten Minuszinsen in Großbritannien auch deshalb für einen Fehler, weil das Land ein Leistungsbilanzdefizit aufweist – anders als die Eurozone.

Laut dem Protokoll der geldpolitischen Sitzung wurde am Donnerstag nicht über Minuszinsen geredet. Dennoch könnte sich die Notenbank zum Jahresende dazu gezwungen sehen, wenn die Konjunkturschwäche anhält und ein ungeordneter Brexit droht.

Sie wird jedoch erst abwarten, ob Briten und Europäer sich auf ein Freihandelsabkommen einigen können. Auch wird erwartet, dass die britische Regierung in den kommenden Wochen ein weiteres Konjunkturpaket schnürt - was eine Zinssenkung ebenfalls weniger dringlich machen würde.

Angesichts der Größe des Coronaschocks sei jedoch in der zweiten Jahreshälfte auch eine weitere Intervention der Bank of England erforderlich, schreiben die Analysten der Bank of America.