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Übernahme durch Asklepios steht bevor: B. Braun verkauft Anteil an Rhön-Klinikum

Mit dem Verkauf seines Aktienpakets macht der Medizintechnikkonzern den Weg frei für eine vollständige Übernahme des Klinikbetreibers durch Asklepios.

Die Rhön-Klinikum AG gehört künftig zum zweitgrößten Klinikbetreiber Asklepios. Großaktionär B. Braun macht mit seinem Anteilsverkauf den Weg für einen möglichen Beherrschungsvertrag frei. Foto: dpa

Der Rhön-Klinikum-Großaktionär B. Braun nimmt das Übernahmeangebot des Asklepios-Konzern an und verkauft seinen Anteil von gut 25 Prozent am fränkischen Klinikbetreiber. „Aufgrund des nun erfolgten gemeinsamen Vorgehens der Bieterin und der weiteren Kontrollerwerber hat B. Braun entschieden, sein Engagement in der Gesellschaft zu beenden“, teilte das Medizintechnikunternehmen am Mittwoch in einer knappen Pressemitteilung mit.

Damit ist der Weg für Asklepios frei, einen Beherrschungsvertrag mit Rhön-Klinikum zu schließen. Ende Februar hatten der zweitgrößte private Klinikkonzern Asklepios und Rhön-Gründer Eugen Münch, 75, bekannt gegeben, ihre Anteile an Rhön-Klinikum in einem gemeinsamen Joint-Venture zu bündeln. Den übrigen Aktionären wurde ein freiwilliges Übernahmeangebot über 18 Euro je Aktie gemacht, was den fränkischen Krankenhauskonzern Rhön-Klinikum mit 1,2 Milliarden Euro bewertet. B. Braun erlöst mit dem Verkauf der Aktien rund 300 Millionen Euro.

Das Joint-Venture von Asklepios und Münch kam zuletzt auf etwas mehr als 50 Prozent der Anteile, mit den Aktien von B. Braun wird die für einen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag notwendige Mehrheit von 75 Prozent bereits erreicht. Asklepios hatte in seinem Übernahmeangebot erklärt, in diesem Fall den Abschluss eines solchen Vertrages zu prüfen. Das Kartellamt hatte die Übernahme bereits genehmigt. Die Frist für die Annahme des Übernahme-Angebot endet am heutigen Mittwoch um 24 Uhr.

Mit der Rhön-Übernahme und dem Verkauf der Aktien von B. Braun endet eine jahrelange Patt-Situation im Eigentümerkreis der Rhön-Klinikum AG, die im Nachgang der Übernahme des Großteils der Rhön-Kliniken durch den Fresenius-Konzern 2013 entstanden war. Damals waren B. Braun und Asklepios bei Rhön-Klinikum eingestiegen, um eine Übernahme zu verhindern. Beide Anteilseigner hielten jeweils mehr als 25 Prozent am Klinikkonzern. Dritter Großaktionär war Rhön-Gründer Eugen Münch und seine Frau Ingeborg.

In den vergangenen Jahren hatte Asklepios-Eigentümer Bernard gr. Broermann, 76, nach Informationen eines Brancheninsiders erfolglos mit der Unternehmerfamilie Braun beziehungsweise dessen Oberhaupt Ludwig Georg Braun, 76, über eine Bündelung ihrer Anteile verhandelt. Ende vergangenen Jahres dann traten Asklepios-Gründer Broermann und Münch in Verhandlungen und einigten sich auf das Joint-Venture.

B. Braun hatte die Aktien von Rhön-Klinikum ab 2012 gekauft – zu Preisen von in der Spitze bis zu 25 Euro. Im vergangenen Jahr hatte das Medizintechnik-Unternehmen mehr als 90 Millionen Euro auf die Rhön-Klinikum-Beteiligung abgeschrieben, was den Gewinn deutlich drückte. Allerdings hatte B. Braun in der Vergangenheit auch von Aktienrückkäufen bei Rhön-Klinikum profitiert und dadurch 2014 knapp 57 Millionen Euro eingenommen.

B. Braun hatte seit der Bekanntgabe der Asklepios-Übernahme versucht, mit verschiedenen rechtlichen Schritten seinen Einfluss als Großaktionär zu verteidigen. Unter anderem wollte das Unternehmen bei einer außerordentlichen Hauptversammlung die Mehrheitserfordernisse für die Beschlussfassung von 50 auf 75 Prozent erhöhen und Eugen Münch aus dem Aufsichtsrat abberufen lassen. Das scheiterte auf der außerordentlichen Hauptversammlung Anfang Juni aber an der Mehrheit von Asklepios und Münch. Die sorgten zudem dafür, dass die dem B. Braun-Lager zuzurechnenden beiden Aufsichtsratsmitglieder, darunter B. Braun-Finanzchefin Annette Beller, aus dem Gremium gewählt wurden.

Mit der Übernahme von Rhön-Klinikum rückt der zweitgrößte private deutsche Klinikkonzern Asklepios näher an Marktführer Helios heran. Die Fresenius-Tochter Helios erzielte im vergangenen Jahr in Deutschland mehr als 5,9 Milliarden Euro Umsatz, Asklepios kam auf 3,5 und Rhön-Klinikum auf 1,3 Milliarden Euro Umsatz.