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Arbeitslosigkeit steigt jetzt spürbar, doch auch die Beschäftigung klettert von Rekord zu Rekord – das steckt dahinter

Der Arbeitsmarkt gerät unter Druck, hält der Konjunkturkrise bisher aber stand  - Copyright: picture alliance/dpa | Wolfram Steinberg
Der Arbeitsmarkt gerät unter Druck, hält der Konjunkturkrise bisher aber stand - Copyright: picture alliance/dpa | Wolfram Steinberg

Der Arbeitsmarkt in Deutschland bleibt recht stabil – trotz der Rezession, zunehmenden Insolvenzen und häufigen Meldungen über Entlassungen. Im Februar stieg die Zahl der Arbeitslosen zwar erneut leicht. Gleichzeitig nahm die Beschäftigung auf ihrem Rekordniveau auch im Januar nochmals zu. Das zeigen neue Zahlen der Bundesagentur für Arbeit und des Statistischen Bundesamtes.

Im Februar waren 2,81 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Das waren 8.000 mehr als im Januar und 194.000 mehr als vor einem Jahr. Der Anstieg der Arbeitslosenzahl zum Vorjahr beschleunigte sich nicht. Die Arbeitslosenquote war mit 6,1 Prozent unverändert um 0,4 Prozentpunkte höher als vor einem Jahr, teilte die Bundesagentur für Arbeit mit.

„Das schwache konjunkturelle Umfeld dämpft den insgesamt robusten Arbeitsmarkt“, sagte die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur (BA), Andrea Nahles. „Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung nehmen im Februar zu und die Nachfrage nach Arbeitskräften gibt nach“, sagte sie.

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Dennoch hinterlässt die anhaltende Wirtschaftsflaute zunehmend Spuren auf dem Arbeitsmarkt. Wer arbeitslos ist oder jetzt seine Stelle verliert, hat es schwerer, einen neuen Job zu finden. Im Januar waren den Jobcentern etwa 706.000 offene Arbeitsstellen gemeldet. Das waren 72.000 weniger als vor einem Jahr.

Viele Firmen suchen also immer noch Arbeits- und vor allem Fachkräfte und stellen diese auch ein. Die Beschäftigung wuchs auf ihrem Rekordniveau im Januar auf 45,7 Millionen, teilten die Statistiker mit. Das waren 232.000 mehr als vor einem Jahr. Beschäftigung und Arbeitslosigkeit nahmen damit in etwa gleich stark zu.

Neue Arbeitsplätze entstehen dabei vor allem als volle sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Sie hat nach Rechnungen der BA um 214.000 auf 34,92 Millionen sozialversicherungspflichtige Beschäftigte zugenommen. Der Anstieg beruhe allein auf ausländische Staatsangehörige, die den Mangel an Fachkräften in Deutschland lindern.

Die Unterbeschäftigung, die zusätzlich zur Arbeitslosigkeit auch Menschen umfasst, die aktuell in einer Weiterbildung wie Sprachkursen, einer Umschulung oder kurzfristig arbeitsunfähig sind, stieg im Februar auf 3,64 Personen. Das waren 161.000 mehr als vor einem Jahr. Davon waren 37.000 Staatsangehörige aus der Ukraine. Sie dürfen - anders als viele andere Geflüchtete - in Deutschland sofort arbeiten. Dies erhöht sowohl die Beschäftigung als auch die Arbeitslosenzahl.

Betrieben fehlen Auszubildende

Nach wie vor fehlen vielen Unternehmen also viele Fachkräfte, Personal allgemein und besonders Auszubildende. Viele Lehrstellen, die von Betrieben angeboten werden, können nicht besetzt werden. In den Monaten Oktober 2023 bis Januar 2024 waren noch 64 000 junge Menschen auf Ausbildungssuche. Ihnen standen 85 000 gemeldete Ausbildungsstellen gegenüber. „Nach wie vor gibt es mehr Ausbildungsstellen als Bewerberinnen und Bewerber“, so die BA.

Wie es am Arbeitsmarkt weitergeht, ist angesichts der angespannten Wirtschaftslage ungewiss. Laut einer Umfrage des Ifo-Instituts bei Unternehmen sinkt deren Bereitschaft, Personal einzustellen. Es drohen auch mehr Entlassungen. Das Ifo-Beschäftigungsbarometer sank zuletzt. Dagegen sind die Experten der Jobcenter zuversichtlich, dass die Beschäftigung weiter steigt. Das Arbeitsmarktbarometer des IAB ist stabil.

Das Ifo-Beschäftigungsbarometer sank im Februar leicht auf 94,9 Punkte. Ein Wert unter 100 signalisiert eine abnehmende Beschäftigung. „Die wirtschaftlich flaue Entwicklung lässt die Unternehmen bei Neueinstellungen zögern“, sagte Ifo-Forscher Klaus Wohlrabe: „Auch der Abbau von Arbeitsplätzen ist nicht mehr ausgeschlossen.“

IAB-Beschäftigungsbarometer steigt: mehr Jobs

Das IAB-Arbeitsmarktbarometer blieb im Februar nach zwei Anstiegen in Folge stabil. Es beruht auf einer Umfrage des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bei allen Jobcentern. Das Barometer kletterte liegt mit 100,3 Punkten über dem neutralen Wert von 100 Punkten und signalisiert eine leicht wachsende Beschäftigung.

„Der Arbeitsmarkt widersteht weiterhin dem Sog des Wirtschaftsabschwungs“, sagte IAB-Forscher Enzo Weber.

Das steckt hinter dem gespaltenen Arbeitsmarkt

Die Umfragen widersprechen sich nur auf den ersten Blick, denn der Arbeitsmarkt ist von einer Besonderheit gekennzeichnet: Sowohl die Beschäftigung als auch die Arbeitslosigkeit nehmen zu. Das liegt daran, dass derzeit mehr Menschen auf den Arbeitsmarkt kommen. Zum einen sind dies Zuwanderer und Geflüchtete, zumal aus der Ukraine, die hier arbeiten dürfen. Aber auch die laufende Anhebung des Rentenalters und mehr Flexibilität durch Home-Office erhöhen das Arbeitskräfteangebot. Die Beschäftigung steigt, weil Unternehmen weiterhin Personal suchen.

Gleichzeitig steigt die Zahl der Arbeitslosen. Geflüchtete, die arbeiten dürfen, tauchen auch eher in der Arbeitslosenstatistik auf. Gleichzeitig wächst aufgrund der wachsender Probleme vieler Unternehmen das Risiko, arbeitslos zu werden und es dann länger zu bleiben.

Die Beschäftigung in Deutschland liegt aktuell auf Rekordniveau. Im Durchschnitt des Jahres 2023 hatten in Deutschland 45,9 Millionen Menschen Arbeit - so viele wie nie zuvor. Das waren rund 300.000 mehr als im Vorjahr. In Umfragen geben Firmen an, dass sie über die bei den Jobcentern gemeldeten offenen Stellen hinaus sogar rund 1,5 Millionen Arbeitsplätze nicht besetzen können.