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Anlegerstimmung signalisiert eher weitere Rekordstände

·Lesedauer: 5 Min.

Die aktuelle Dax-Umfrage zeigt: Anleger sind hoch investiert, doch es gibt keine nennenswerten Spekulationen. Mögliche Korrekturen können kräftig sein, sind aber wohl von kurzer Dauer.

Die aktuelle Marktverfassung ist insgesamt eher neutral. Sowohl die Spekulationen auf steigende Kurse als auch die Absicherungen gegen fallende Notierungen wurden aufgelöst. Foto: dpa
Die aktuelle Marktverfassung ist insgesamt eher neutral. Sowohl die Spekulationen auf steigende Kurse als auch die Absicherungen gegen fallende Notierungen wurden aufgelöst. Foto: dpa

Seit Wochen herrscht unter den Anlegern gute Laune und eine optimistische Erwartungshaltung. Dafür wurden sie auch belohnt: Seit Anfang November ist der Dax um rund 20 Prozent gestiegen.

Zum Jahreswechsel lösten die Anleger dann sowohl ihre gehebelten Spekulationen auf steigende Kurse als auch die Absicherungsposition gegen fallende Notierungen auf. „Die Marktverfassung ist insgesamt als neutral zu betrachten“, meint Stephan Heibel nach Auswertung der Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment und weiterer Indikatoren. Die Folge: Es gibt keinen spekulativen Überhang, der eine heftige Korrektur begünstigen würde.

Allerdings sind die Anleger derzeit hoch investiert. Das vermindert den Kaufdruck, weiteres Kapital an der Börse anzulegen. Aufgrund der hohen Investitionsquote können die meisten Anleger aber steigende Kurse freudig beobachten und für weitere Investitionen auf Rücksetzer warten.

Laut Sentimentanalyse sind durch diese positive Stimmung daher tendenziell in den kommenden Tagen eher leicht steigende Kurse zu erwarten. Korrekturen dürften Anleger entspannt beobachten und erst wieder bei „Schnäppchenkursen“ kaufen.

„Eine Korrektur ist jedoch jederzeit möglich und würde schnell zu stärkeren Kursverlusten führen, die anschließend jedoch ebenso schnell auch wieder ausgeglichen würden“, meint Heibel, Inhaber des Analysehauses Animusx.

Bereits bei der letzten Sentimentanalyse im vergangenen Jahr am 21. Dezember hatte Heibel prophezeit: „Der deutliche Dax-Rücksetzer dürfte schnell vorbei sein.“ An dem Tag rutschte die Frankfurter Benchmark auf 13.060 Punkte ab. Sechs Handelstage später notiert der Index mehr als 800 Punkte höher und erreichte am heutigen Montag mit 13.907 Zählern ein Rekordhoch.

Zwar herrscht unter den Anlegern eine schon fast euphorische Stimmung, was als Kontraindikator für bald fallende Kurse gilt, doch diese Stimmung steht im Einklang mit den jüngsten Entwicklungen in Politik und Wirtschaft und dürfte ebenfalls nicht zu einem Korrekturbedarf an den Märkten führen.

Denn die großen Probleme des Jahres 2020 haben sich zum Ende hin in großen Teilen aufgelöst. Im vergangenen Jahr führte US-Präsident Donald Trump Handelsstreitigkeiten gegen seine Handelspartner fort, Corona zwang die ganze Welt in einen Stillstand, und in den Brexit-Verhandlungen hatte es bereits vier Jahre lang keine Fortschritte gegeben.

Doch mittlerweile wurde das Ende der Trump-Zeit ausgerufen, Impfstoffe gegen Corona wurden entwickelt sowie zugelassen, und die Brexit-Verhandlungen kamen in letzter Sekunde zu einem Ergebnis. Diese Entwicklungen haben seit längerer Zeit die Stimmung der Anleger deutlich verbessert. Daran hat sich zwischen den Jahren nicht mehr viel geändert.

Das Anlegersentiment zeigt laut der aktuellen Umfrage mit einem Wert von 4,9 weiterhin Euphorie an: An den Aktienmärkten werden die positiven Entwicklungen der vergangenen Wochen mit großer Freude gesehen, die Feierlaune der Weihnachtstage hält zum Jahreswechsel an.

Die Selbstzufriedenheit ist auf einen Wert von 5,0 gesprungen. So stark waren Anleger seit Anfang 2015 nicht mehr von sich selbst überzeugt. Die Selbstgefälligkeit ist immer dann sehr hoch, wenn die Kurse steigen und viele Anleger investiert sind, von den Kurssteigerungen also profitieren.

Seit den erfolgreichen Studienergebnissen zur Impfstoffentwicklung im November war die Erwartungshaltung an steigende Kurse und damit an eine Jahresendrally sehr hoch. Die Erwartungen haben sich bestätigt, der deutsche Leitindex sprang in den letzten Tagen des Jahres 2020 mit 13.903 Punkten auf ein Rekordhoch.

Doch nun geht der Zukunftsoptimismus leicht zurück. Mit einem Wert von plus 2,9 haben die Bullen noch immer klar die Oberhand, doch der Optimismus ist nicht mehr so stark wie noch vor wenigen Wochen.

Ganz ähnlich verhält es sich mit der Investitionsbereitschaft: Diese war von November bis Anfang Dezember sehr hoch. Mittlerweile ist diese Quote auf 1,7 leicht gefallen. Noch immer wollen Anleger investieren, doch aufgrund der hohen Investitionsquote ist der Bedarf an neuen Käufen nicht mehr so hoch.

Das Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart, an der Privatanleger handeln, ist zum Jahreswechsel auf der neutralen Nulllinie gelandet. Die zuvor überwiegend seit dem Corona-Crash bestehenden Absicherungsgeschäfte wurden aufgelöst. Auch die institutionellen Anleger, die sich über die Frankfurter Terminbörse Eurex absichern, haben ihre Put/Call-Absicherungen auf ein neutrales Niveau (1,6) zurückgefahren.

Das Put/Call-Verhältnis der Chicagoer Terminbörse CBOE hingegen zeigt weiterhin eine hohe Absicherungsneigung der US-Anleger an (0,5). US-Fondsanleger haben zum Jahreswechsel ihre Investitionsquote ein wenig zurückgefahren. In die Jahresendrally hinein wurde deren Investitionsquote von 101 Prozent auf 83 Prozent reduziert.

Die Bullen dominieren auch bei den US-Privatanlegern, das Bulle/Bär-Verhältnis steht bei plus 22 Prozent. Technisch betrachtet ist der S & P 500 jedoch in einer neutralen Verfassung. Der anhand technischer Marktdaten berechnete „Angst-und-Gier-Indikator“ liegt bei 51 Prozent. Auch andere kurzfristige technische Indikatoren signalisieren für den S & P 500 eine neutrale Verfassung.

Hinter Erhebungen wie dem Dax-Sentiment mit mehr als 4000 Teilnehmern stehen zwei Annahmen: Wenn viele Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben nur wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten. Umgekehrt gilt: Wenn die Anleger pessimistisch sind, haben sie mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.

Sie wollen an der Umfrage teilnehmen? Dann lassen Sie sich automatisch über den Start der Sentiment-Umfrage informieren und melden Sie sich für den Dax-Sentiment-Newsletter an. Die Umfrage startet jeden Freitagmorgen und endet Sonntagmittag.