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„Angst – made in Germany“: Darum ist die Stimmung in Deutschland so schlecht, und das haben die USA damit zu tun

Kanzler Olaf Scholz (SPD, l.) mit US-Präsident Joe Biden im Oval Office im Weißen Haus in Washington, D.C. - Copyright: Picture Alliance
Kanzler Olaf Scholz (SPD, l.) mit US-Präsident Joe Biden im Oval Office im Weißen Haus in Washington, D.C. - Copyright: Picture Alliance

Jahrzehntelang entwickelte sich das Gefühl wirtschaftlicher Sicherheit und Unsicherheit in Deutschland und in den USA auffallend parallel. Schockwellen, die von den USA ausgingen, wie die Terroranschläge vom 11. September oder die Finanzkrise, lösten auch in Deutschland Verunsicherung aus. Und Schocks, die von Europa ausgingen, wie die Schuldenkrise oder der Brexit, verunsicherten auch die größte Volkswirtschaft der Welt. Für das Gefühl der wirtschaftlichen Sicherheit in Deutschland waren solche externen Schocks meist sogar verstörender als wichtige innenpolitische Debatten wie die Reformen der Agenda 2010 Mitte der 2000er Jahre.

Doch diese historischen Muster sind verschwunden, stellt Robin Winkler fest, der neue Chefvolkswirt Deutschland der Deutschen Bank. Dies zeigen Indizes, mit denen die wirtschaftliche Verunsicherung anhand der Auswertung von Nachrichten gemessen wird. Diese Entkopplung der Stimmung habe wichtige Folgen nicht nur für die Stimmung, sondern auch für die Wirtschaft in Deutschland.

 - Copyright: Deutsche Bank Research
- Copyright: Deutsche Bank Research

Das Auseinanderlaufen habe in der Präsidentschaft Donald Trumps begonnen, schreibt Winkler. Seit der Corona-Pandemie sei die Parallelität des Sicherheitsgefühls verschwunden. Erst habe Corona in den USA (blaue Kurve in der Grafik) zu Rekordwerten für die wirtschaftliche Unsicherheit geführt, die sich in Deutschland nicht in gleichem Maße niederschlug (graue Kurve). Dann sei Deutschland von einem eigenen, tief psychologischen Schock getroffen worden: Russlands Einmarsch in der Ukraine und die darauffolgende Energiekrise.

Made in Germany: Angst in Deutschland und den USA

„Nach unserer Einschätzung sind es die Auswirkungen dieses Schocks – vielleicht noch mehr als die Folgen der Pandemie –, die in Deutschland nach wie vor für große wirtschaftspolitische Unsicherheit sorgen“, schreibt Winkler. In den USA sei die Unsicherheit dagegen wieder auf ein normales Niveau zurückgegangen. Eine Lesart sei, dass die USA trotz der kommenden Präsidentschaftswahlen und des politischen Lärms im Wahlkampf vor weniger grundlegenden wirtschaftspolitischen Herausforderungen stünden.

Dabei dürfte auch eine Rolle spielen, dass sich die US-Konjunktur trotz der hohen Zinsen und zunehmender Spannungen in der Welt stark hält. Deutschland ist in der Folge der Dauerkrisen dagegen zum Schlusslicht beim Wirtschaftswachstum unter den Industrieländern geworden.

In Deutschland verstärke die psychologische Abkopplung von den USA die schlechte Stimmung noch. „Aus deutscher Sicht scheint man das Gefühl zu haben, bei der Lösung einer Reihe gewaltiger strukturpolitischer Dilemmata allein dazustehen“, schreibt Winkler und zählt auf: „Wie kann man Energiesicherheit erreichen und die grüne Transformation vorantreiben? Wie kann man in den wirtschaftlichen Beziehungen mit China Risiken abbauen und gleichzeitig eine Exportnation bleiben? Wie kann man auf die US-Industriepolitik reagieren und die Post-Bretton-Woods-Ordnung bewahren?“

„Die Abkopplung von den USA trägt unserer Meinung nach zu der derzeitigen düsteren Stimmung bei“, schreibt Winkler. Er deutet an, dass er die „Angst – made in Germany“ dabei für übertrieben hält. Denn „Deutschland sollte in der Lage sein, diese Probleme gemeinsam mit seinen europäischen Partnern zu lösen.“