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„Anderen Chefs sage ich: Hört auf Eure Leute und ermutigt sie“

Natalia Oropeza schützt Siemens als IT-Sicherheitschefin vor Hackern. Im Interview verrät sie, was sie antreibt und warum sie Elon Musk für unsterblich hält.

Seit Beginn des Jahres 2018 ist Natalia Oropeza die Cybersecurity-Chefin von Siemens und eine gefragte Frau. Die Mexikanerin versucht, den Konzern vor Cyberattacken zu schützen. Über 30 Hackerangriffe gibt es am Tag auf Siemens, 1000 jeden Monat.

Sie ist Chefin von rund 1300 Cybersicherheitsexperten und 25 professionellen Hackern, die für Siemens gezielt und akribisch nach gefährlichen Sicherheitslücken suchen.

Davor war die Top-Managerin 26 Jahre bei Autokonzern Volkswagen, wo sie als Verantwortliche für IT-Security alle IT-Chefs der wichtigsten VW-Marken an einen Tisch holte und die Sicherheitsstandards vereinheitlichte.

Aufgewachsen ist Natalia Oropeza in der Millionenstadt Puebla südöstlich von Mexiko-Stadt. Obwohl ihre Eltern wenig Geld hatten, investierten sie in die Ausbildung ihrer Tochter.

Sie ging auf eine deutsche Schule und büffelte zwei, drei Stunden am Tag die deutsche Sprache. „Mein Vater hat gesagt: Was auch immer du willst, es ist mir egal, du musst weiterkommen, du musst besser sein als ich“, erzählte Oropeza in einem Gespräch mit unseren Kollegen von der „Zeit“.

In den 1980er-Jahren flog sie nach Westberlin, um ihr Deutsch zu verbessern. Wieder zu Hause, studierte sie anschließend Elektroingenieurwesen in Mexiko. 100 Studenten, unter ihnen nur ein paar Frauen. Eine von ihnen machte den Abschluss: Natalia Oropeza.

Doch welche Frau steckt hinter diesem Namen, woher kommt ihre Begeisterung für Tesla-Chef Elon Musk und welches persönliche Motto treibt sie an und motiviert sie?

Das verrät sie im Interview:

Frau Oropeza, wissen Sie noch, was Sie werden wollten, als Sie klein waren?
Zunächst hatte ich Tennisprofi im Kopf, später wollte ich eine Physikerin wie Marie Curie werden.

Welche Hobbys hatten Sie in Ihrer Jugend? Worin waren Sie richtig gut?
Ich war tatsächlich oft auf dem Tennisplatz, mein Talent war aber eher beschränkt. Besser war ich in mexikanischen Volkstänzen und im Orgelspielen.

Welche Hobbys haben Sie heute? Was begeistert Sie daran?
Sport – immer noch Tennis spielen, joggen und im Winter Skifahren. Ansonsten, wenn ich dazu komme, viel lesen und meditieren: Die beste Möglichkeit, um mal abzuschalten.

Was tun Sie für Ihre Gesundheit?
Sport und meditieren. Und ganz wichtig: immer versuchen, glücklich zu bleiben!

Gibt es etwas in Ihrem Leben, das Sie aus Angst gemieden haben und es nun bereuen?
Nein.

Wer ist Ihr persönliches Rolemodel und warum?
Elon Musk: Er hat eine klare Vision, jenseits von Markt und Geschäft. Und er wird sich dadurch unsterblich machen.

Haben Sie ein persönliches Motto, das Sie antreibt und motiviert?
Ich halte es mit Gandhi: „Be the change that you want to see in the World“

Was würden Ihre alten Kollegen oder Ihr alter Chef sagen auf die Frage...
... was Sie auszeichnet?
Natalia kann Menschen zusammenbringen und verschiedene Interessen integrieren.

... was Sie besser können als alle anderen im Team?
Strategisch denken kann sie auch ganz gut.

... was Ihnen schwer fällt?
Bei Öffentlichen Auftritten und Präsentieren vor VIPs ist noch Luft nach oben.

Beschreiben Sie eine Arbeitssituation, in der Sie komplett im Flow und erfüllt sind? Was gibt Ihnen Energie im Arbeitsleben?
Zusammen mit dem Team den Schutz vor Hackerangriffen diskutieren – und Abwehrstrategien für Siemens entwickeln. Zum Glück kann ich dabei mit richtig intelligenten Experten zusammenarbeiten, die selbst für die unmöglichsten Probleme eine vernünftige Lösung finden. Intellektuell ist das für mich immer wieder fordernd, aber auch eine Riesenchance, zu lernen und neue Horizonte zu entwickeln.

Was frustriert Sie und ist Ihr persönlicher Produktivitätskiller?
Ganz klar: Destruktive Vorschläge anstatt konstruktive Kommentare. Probleme komplizierter zu machen anstatt sie zu lösen.

Wenn ich mich bei Ihren Freunden erkundigen würde: Für welche alternativen Karriereoptionen wären Sie geeignet?
Rechtsanwalt. Ich finde immer Argumente, Themen oder Personen zu verteidigen.

Inspirierende Newsletter, Podcasts oder Webseiten?
Singularity HUB von der Singularity University.

Was macht Sie stolz?
Eindeutig meine Familie.

Was waren Ihre wichtigsten drei (Arbeits-)Ergebnisse der letzten drei Jahre?
Eine neue Cybersecurity-Organisation bei Siemens aufzusetzen. Dafür das beste Team auswählen zu können. Und die Kooperation unter den „Cos of the Cybersecurity Ecosystem“ auszubauen.

Bitte ergänzen Sie den Satz: Ich unterstütze meine Mitarbeiter, Nachwuchskräfte, Kollegen, Kolleginnen in schwierigen Situationen, indem…
... ich zeitnahes Feedback liefere und sie mit allem unterstütze, was mir möglich ist.

Angenommen, eine Kollegin, ein Kollege oder eine Mitarbeiterin denkt oft: „Ich verdiene den Erfolg gar nicht“, „Ich bin gar nicht gut genug“, „Das schaffe ich nie“, „Andere sind um Welten besser als ich…“ – Was raten Sie?
Sich nicht immer mit anderen zu vergleichen, sondern sich auf die eigenen Talente zu besinnen.

Sie merken, dass Sie unglücklich sind in Ihrem Job. Was tun sie?
Ich ändere die Situation, suche Alternativen. Es gibt immer ein Weg.

Ein Satz, den eine gute Führungskraft niemals sagen würde?
„Das muss so gemacht werden.“

Anderen Chefs würde ich gerne sagen, … ?
Hört auf Eure Leute und ermutigt sie!

Her mit dem Geld: Ihr Ratschlag an andere Frauen für Gehaltsverhandlungen?
„Fight for your right“ und zeigt Eure Fähigkeiten!

Verbündete und Mentoren finde ich, indem... ?
... ich alle an einen Tisch bringe und offen für alle bin.

Der größte Benefit, den Sie bisher aus einem Ihrer Netzwerke gezogen haben?
Freundschaft und Hilfe in kritischen Situationen.

In den nächsten drei Jahren: Was wollen Sie lernen, was Sie heute noch nicht können?
In einigen Fällen manche Themen ganz loszulassen und voll zu vertrauen.

Wie schalten Sie abends ab, und wann gehen Sie ins Bett?
Etwas Meditation kann Wunder wirken. Und nichts geht über einen guten Schlaf – auch wenn das bei mir leider nicht immer der Fall ist.

Frau Oropeza, vielen Dank für das Interview.