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Was Analysten zum Fehlstart des Videospiels „Cyberpunk 2077“ sagen

·Lesedauer: 5 Min.

Technische Probleme des Blockbuster-Spiels „Cyberpunk 2077“ ließen die Aktie des polnischen Gaming-Anbieters CD Projekt Red abstürzen. Lohnt sich ein Einstieg?

Es sollte ein kalkulierter Hit für das Weihnachtsgeschäft werden – doch es wurde für viele Kunden eine bittere Enttäuschung. Wenige Spiele sind im laufenden Jahr von Gamern so sehnsüchtig erwartet worden wie das Open-World-Rollenspiel „Cyberpunk 2077“.

Aber der Start des vom polnischen Spieleentwicklers CD Projekt Red aufgelegten Videospiels ging gründlich schief. Das Spiel machte beim Launch vor allem mit Macken auf sich aufmerksam.

Auf alten Spielekonsolen lief das aufwendige Spiel, das jede Menge Rechnerkapazitäten braucht, erst einmal kaum oder nur schlecht: Zahlreiche technische Schwierigkeiten und jede Menge Bugs, also kleine Fehlprogrammierungen, verdarben der Kundschaft gehörig die Laune.

Ein kostspieliger Fehler: Vor wenigen Tagen zog Sony die Reißleine und entfernte das mit Millionenaufwand produzierte Videospiel nach nur rund einer Woche aus dem Playstation-Store.

Es ist ein Debakel, das nicht nur viele Käufer des Spiels massiv verärgerte. Auch für viele Börsianer – die den Erfolg von „Cyberpunk 2077“ bereits eingepreist hatten – hatte der Fehlschlag drastische Folgen. Die Aktie des in Polen weithin bekannten Unternehmens brach dramatisch ein.

Seit dem Launch-Debakel verlor die Aktie von CD Projekt Red, die auch in Deutschland unter der WKN-Nummer 534356 gehandelt wird, in der Spitze beinahe die Hälfte an Wert – und erholte sich danach nur wenig.

Noch Anfang Januar notierte die Aktie bei rund 68 Euro, zeitweise katapultierten die hohen Erwartungen an einen Erfolg des neuen Spiels den Kurs in diesem Jahr sogar über die Schwelle von 100 Euro.

Danach erlitten die Papiere mehrere Rückschläge, weil der Release des Spiels mehrfach verschoben wurde. Vor dem Launch am 10. Dezember stiegen die Kurse und die Erwartungen dann aber wieder sehr stark an. Umso größer war die Enttäuschung, als sich das Spiel nun in der Launchversion als fehlerhaft erwies.

Der Absturz war so groß, dass sich der eine oder andere Börsianer inzwischen allerdings fragt, ob sich nunmehr schon wieder ein Einstieg bei dem Spieleentwickler lohnt. Denn der Spieleentwickler hat nicht nur „Cyberpunk 2077“ im Portfolio, sondern auch die „Witcher“-Reihe, die spätestens durch die Verfilmung von Netflix einem breiteren Publikum bekannt wurde und zu den prominentesten und womöglich profitabelsten Spielen gehört, die bis dahin in Polen entwickelt wurden.

So schenkte der damalige polnische Premierminister Donald Tusk schon 2011 dem zu Besuch weilenden US-Staatspräsidenten Barack Obama als Begrüßungsgeschenk eine Collectors Edition des Spiels „The Witcher 2“. Ist CD Projekt Red also jetzt einen Blick wert?

„Vertrauen wiederzugewinnen ist schwer“

Das Urteil dazu hängt entscheidend davon ab, wie schnell die Polen ihre Fehler wieder korrigieren können. „Innerhalb weniger Tage machte CD Projekt RED den Abstieg vom meistbewunderten Entwickler-Studio zu einem der meistgehassten“, erläutert Analyst Tomasz Rodak von BOS Bank SA. „Vertrauen wiederzugewinnen ist nicht unmöglich, braucht aber seine Zeit und Mühen.“

Der Rauswurf aus dem Playstation-Store werde die Markterwartungen für den „Cyberpunk”-Absatz um bis zu 40 Prozent drücken, prognostiziert Analyst Kacper Kopron vom Brokerhaus Trigon DM.

Seine Kollegen von der Credit Suisse weisen darauf hin, dass die Playstation für bis zu 30 Prozent der Nachfrage stehe. Außerdem könnte auch der zweite große Konsolenanbieter, Microsoft, noch „Cyberpunk 2077“ aus dem Online-Store für die Konsole X-Box werfen.

Größere Rückerstattungen des Kaufpreises seien aber nicht zu erwarten, glaubt Analyst Ken Rumph von der Investmentbank Jefferies. Denn die treue Spielergemeinde warte auf die Updates, die die Fehler beheben sollen.

Umgehend entschuldigten sich die Entwickler von CD Projekt Red deshalb in einem offiziellen Statement bei den Kunden und kündigten einen Update-Zeitplan an. Ein erstes Update, das einige Bugs beseitigt, wurde inzwischen aufgelegt.

Ebenso versprach die Firma den Kunden von Konsolenspielen, ihnen bei Rückerstattungsversuchen unter die Arme zu greifen. Denn normalerweise garantieren Spieleanbieter wie Steam eine Kaufpreiserstattung nur, wenn das Spiel innerhalb einer vorgegebenen Frist eingetauscht wird und nicht mehr als zwei Stunden damit gespielt wurde.

Steam sagte inzwischen zu, die Ansprüche zu prüfen. Sony versprach bereits den bisherigen Käufern, den Kaufpreis vollständig bei der Rückgabe des Spiels zu erstatten, wenn diese das wünschten.

Produktionskosten von 270 Millionen Euro

Es geht dabei um viel Geld. Denn der Spielemarkt ist riesig. Dem Informationsdienst Newzoo zufolge geben Spieler in aller Welt mehr als 130 Milliarden Euro im Jahr für ihr Hobby aus - Tendenz in der Pandemie stark steigend.

So waren für Cyberpunk 2077 gewaltige Investitionen getätigt worden. Insgesamt waren 125 Schauspieler verpflichtet worden, die insgesamt Dialoge mit einer Gesamtlänge von 450 Stunden einsprachen – darunter bekannte Hollywood-Stars wie Keanu Reeves, der aus der Film-Trilogie „Matrix“ bekannt ist.

Insgesamt sollen rund 500 Mitarbeiter an dem Projekt mitgearbeitet haben. Experten schätzen die Produktionskosten auf 270 Millionen Euro. Noch ist CD Projekt Red schuldenfrei und hat mit der Witcher-Serie ein gut laufendes Spiel im Rennen.

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 19,2 sind die Polen deutlich günstiger bewertet als der große Rivale Ubisoft Entertainment aus Frankreich, der es auf ein KGV von 29 bringt.

Doch noch ist es schwer, den finanziellen Schaden und die Langfristfolgen für CD Projekt Red genau abzuschätzen. Das Debakel mitten im Weihnachtsgeschäft ist vergleichbar mit einem Imageschaden, den ein deutscher Premiumhersteller hätte, wenn er seine Toplimousine nur eine Woche nach dem Verkaufsstart wegen technischer Probleme wieder vom Markt nehmen müsste.

Experten schrieben „Cyberpunk 2077“ das Potenzial zu einem echten Blockbuster-Titel mit Einnahmen von über einer Milliarde Euro zu. Allein die acht Millionen Vorbestellungen weltweit zum Veröffentlichungstermin am 10. Dezember hatten der Firma rund 480 Millionen Euro Umsatz in die Kassen gespült. Von den 24 Analysten, die die Aktie regelmäßig covern, raten nur fünf zum Kauf, neun zum Halten und zehn sogar zum Verkauf der Aktie.

Um „Cyberpunk 2077“ noch zum Erfolg zu machen, muss CD Projekt Red also schleunigst die noch bestehenden Bugs und Performance-Probleme ausmerzen. In dem Werbefilm für das Spiel, den CD Projekt noch kurz vor Weihnachten auf Musik-Plattformen wie Spotify schaltete, tritt Keanu Reeves auf, unterlegt von Rhythmen von Billie Eillish. „Seize the Day“ lautet das Motto des Clips, zu Deutsch: Nutze den Tag. Es ist ein Ratschlag, den sich nun auch die beiden CD-Projekt-Red-Vorstände Adam Kicinski und Piotr Nielubowicz zu Herzen nehmen sollten.