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Aktien Europa: Gewinne vor US-Arbeitsmarktdaten

PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Vor dem Wochenende haben Europas Börsen weiter zugelegt. Der EuroStoxx 50 <EU0009658145> kletterte gegen Mittag um 0,65 Prozent auf 2899,19 Punkte. Nach der Berg- und Talfahrt der vergangenen Tage sorgte die Entspannung im Handelsstreit zwischen den USA und China für leichten Auftrieb. Auch die zunehmenden Lockerungen der Beschränkungen in vielen Staaten stützen weiter. Derweil steht der Arbeitsmarktbericht aus den USA am Nachmittag an, von dem wenig Gutes zu erwarten ist.

An der Pariser Börse kletterte der französische Leitindex Cac 40 <FR0003500008> um 0,91 Prozent auf 4542,31 Zähler. Die Börse in London blieb wegen eines Feiertags geschlossen.

Die USA und China wollen trotz zuletzt zunehmender Spannungen und gegenseitiger Anschuldigungen an ihrem Handelsabkommen festhalten und in der Covid-19-Krise zusammenarbeiten. US-Finanzminister Steven Mnuchin und Chinas Vize-Premier Liu He hatten in einem Telefonat am Freitag über die Umsetzung der ersten Teilvereinbarungen gesprochen. Die US-Seite berichtete von "guten Fortschritten. Börsianer reagierten positiv: "Nach den jüngsten Drohungen von US-Präsident Donald Trump ist dies eine große Erleichterung. Denn ein Handelskrieg wäre in der aktuellen Situation das letzte, was die Weltwirtschaft gebrauchen könnte", schrieb Milan Cutkovic von Axitrader.

Gefangen zwischen der Hoffnung auf eine Wirtschaftsbelebung durch die Lockerungen und der Sorge um eine Rezession haben die europäischen Aktienmärkte in dieser Woche eine Schaukelbörse hingelegt. Der anstehende US-Arbeitsmarktbericht für April birgt gewisses Risiko für die Kurse, wenngleich die Folgen der Corona-Pandemie auf die Wirtschaft der USA inzwischen tief im Bewusstsein der Börsianer ist. Bankökonomen erwarten, dass die Arbeitslosigkeit in der Krise den höchsten Stand seit der "Großen Depression" in den 1930er Jahren erreichen dürfte.

An Europas Börsen waren vor allem Werte aus den Branchen Baustoffe, Industriegüter und Immobilien mit Gewinnen zwischen einem und zwei Prozent gefragt. Zu den wenigen Verlierern gehörten die Versicherer und der von der Pandemie arg gebeutelte Einzelhandel.

Siemens <DE0007236101> führten den EuroStoxx 50 nach starken Quartalszahlen mit einem Kursplus von knapp fünf Prozent an - hier zog auch der besser als erwartet ausgefallene Ausblick.

Ebenfalls zu den Index-Spitzenreitern gehörten die Anteilsscheine der ING <NL0011821202>, die nach Öffnung der Bücher um gut vier Prozent zulegten. Die Bank hatte im ersten Quartal positiv überrascht, vor allem, weil die Rückstellungen für mögliche Kreditausfälle niedriger als befürchtet ausgefallen waren. Jefferies-Analyst Martina Matouskova attestierte den Niederländern in einer am Freitag vorliegenden Studie einen soliden Ertragstrend und gute Kostenkontrolle.

In der Schweiz profitierten die Papier des Sanitär-Konzerns Geberit an der Spitze des SMI <CH0009980894> mit einem Aufschlag von knapp drei Prozent von einer positiven Analysten-Studie. Die Experten von Kepler Cheuvreux hatten ihre Verkaufsempfehlung in ein Kauf-Votum geändert und das Kursziel deutlich angehoben.