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Fünf Gründe, warum die Vizepräsidenten-Debatte wichtiger ist als je zuvor

·Lesedauer: 6 Min.

Abgebrochene Stimulus-Verhandlungen, Trump mit Corona und viele offene Fragen: Nie zuvor hat die Debatte zwischen Vizekandidaten wie Kamala Harris und Mike Pence so viel Einfluss auf die Wahl gehabt.

Gerade erst hat US-Präsident Donald Trump das Land mit seinem Rückzug aus den Verhandlungen um ein neues Konjunkturpaket geschockt. Trump hat seinen Regierungsmitgliedern angeordnet, nicht mehr weiter zu verhandeln. Ein neues Stimuluspaket werde es erst nach der Wahl geben, kündigte er an.

Belastet von der Absage des Präsidenten der Verhandlungen mit den oppositionellen Demokraten hatte die Wall Street am Dienstag im Minus geschlossen. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 1,3 Prozent tiefer auf 27.772 Punkten. Der technologielastige Nasdaq gab 1,6 Prozent auf 11.154 Punkte nach. Der breit gefasste S & P 500 büßte 1,4 Prozent auf 3360 Punkte ein.

Auch deshalb kommt der ohnehin schon mit Spannung erwarteten Debatte der beiden Vizepräsidentschaftskandidaten an diesem Mittwoch eine noch größere Bedeutung zu. Dabei tritt im US-Bundesstaat Utah der Vizepräsident Mike Pence gegen die demokratische Herausforderin Kamala Harris an.

Acht Tage nach der chaotischen Debatte zwischen dem demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden und Donald Trump und fünf Tage nach Bekanntwerden der Covid-19-Erkrankung des Präsidenten gab es bereits genug Material für eine spannende Diskussion.

Dazu kommt: Solange Trump positiv auf das Coronavirus getestet wird, will Biden keine weitere TV-Debatte abhalten. Er freue sich darauf, mit Trump debattieren zu können, aber „ich denke, wenn er immer noch Covid hat, sollten wir keine Debatte haben“, sagte Biden.

Mit dem Scheitern der Stimulus-Verhandlungen hat das Konfliktpotenzial zwischen den beiden Lagern noch weiter zugenommen. Das Fernsehduell ist nun zum wichtigsten Stellvertreterkampf der jüngsten US-Politik geworden.

Von einer Plexiglasscheibe getrennt, werden sich Harris und Pence den Fragen der Moderatorin Susan Page stellen, die das Washingtoner Büro der Zeitung „USA Today“ leitet. Beide Kandidaten hatten sich bereits gründlich auf die Debatte vorbereitet:

Der amtierende Vizepräsident Mike Pence soll das TV-Duell im Vorfeld mit dem ehemaligen Generalstaatsanwalt Pam Bondi aus Florida durchgespielt haben. Harris dagegen hat sich als Übungspartner nach Medienberichten den Demokraten Pete Buttigieg ausgesucht, der einst selbst für das US-Präsidentenamt kandidieren wollte und der wie Pence aus Indiana stammt und ihn gut kennt.

Selten hat eine Debatte der Vizekandidaten eine solche Aufmerksamkeit erhalten. Dafür gibt es fünf gute Gründe:

1. Es könnte die erste Debatte über Inhalte sein

Nach der enttäuschenden Debatte zwischen Biden und Trump am 29. September erhoffen sich viele Amerikaner vom Mittwochabend mehr Aufschluss darüber, für was die Kandidaten-Duos programmatisch stehen.

Im ersten Duell zwischen Donald Trump und Joe Biden war es kaum zu einer inhaltlichen Diskussion gekommen. Vor allem Trump war seinem Gegner ständig ins Wort gefallen, und die beiden haben sich gegenseitig beleidigt. Welches Programm sie durchsetzen wollen, wurde dabei nicht klar.

Die Zuschauer interessiert, wofür die beiden Parteien bei Fragen der Wirtschaft, bei Corona und bei der Gesundheit stehen. Das gilt wohl auch für die Verhandlungen über das Hilfspaket, aus denen sich Trump nun zurückgezogen hat.

2. Es ist ein anderer Stil der Duellanten

Mike Pence gilt als erfahrener Debattierer, der Fragen geschickt ausweicht, um seine eigene Botschaft herüberzubringen. Dabei diskutiert er deutlich ruhiger und moderater als der US-Präsident.

Politisch ist Pence sehr konservativ und hat bisher auch alle Entscheidungen von Trump mitgetragen. Er könnte also in der Debatte die ruhige und freundliche Stimme der Trump-Politik spielen.

Kamala Harris dagegen gilt als aggressiver als ihr Präsidentschaftskandidat Joe Biden. Als ehemalige Generalstaatsanwältin von Kalifornien ist sie die Rolle der Anklägerin gewöhnt und könnte Pence daher auch offensiv angehen.

Aus dem Umfeld der beiden Kandidaten heißt es, Pence werde versuchen, ruhig und respektvoll zu bleiben und Harris als jene darzustellen, die Biden nach links rücken werde. Harris wiederum werde versuchen, Pence als Komplizen von Trumps Missetaten anzugreifen.

Während bei der Präsidenten-Debatte vergangene Woche zusammen mit dem Moderator Chris Wallace drei über 70-jähige weiße Männer miteinander debattierten, sind es diesmal zwei Frauen und ein Mann, die alle die 70 noch nicht erreicht haben. Harris ist zudem die erste Kandidatin mit afrikanischen Wuzeln, die sich für den Posten zur Wahl stellt.

3. Die beiden Vizekandidaten haben eine realistische Chance, den Präsidenten zu ersetzen

Angesichts des hohen Alters der beiden Präsidentschaftskandidaten und Trumps Corona-Infektion ist es diesmal deutlich wahrscheinlicher, dass die beiden Vizekandidaten in den kommenden vier Jahren tatsächlich das Amt des „Commander in Chief“ übernehmen könnten.

Donald Trump ist Mitte Juni 74 Jahre alt geworden und ist an Covid-19 erkrankt, was auch bei einer erfolgreichen Therapie noch Spätfolgen haben könnte. Joe Biden wird am 20. November 78 Jahre alt, und seine Gegner werfen ihm schon jetzt vor, altersbedingte Aussetzer zu haben.

Zudem gilt es als sehr wahrscheinlich, dass Biden nur eine Amtszeit machen will. Danach könnte Harris für die nächsten vier Jahre kandidieren – wenn sie nicht schon vorher übernehmen muss. Wähler sind auch vor diesem Hintergrund interessiert daran, wie sich die beiden schlagen und ob man ihnen den Topjob zutrauen kann.

4. Die Kandidaten müssen sich zu Corona äußern

Das Thema Corona wird angesichts der Covid-19-Erkrankung des US-Präsidenten in dem Duell eine große Rolle spielen. Pence ist schließlich offiziell der Leiter der Taskforce der USA im Kampf gegen Corona. Als solcher ist er für den Kurs seiner Regierung direkt verantwortlich.

Da die USA eine der höchsten Todesraten durch Corona in der Welt haben, wird dieser Punkt wohl der schwierigste für Pence sein. Corona hat in den USA laut Johns-Hopkins-Universität bereits mehr als 210.000 Tote gefordert. Das Weiße Haus selbst hat sich mit seiner Aversion gegen Masken zum Hotspot entwickelt. Trump spielt auch nach der Entlassung aus dem Krankenhaus die Gefahr von Corona weiter herunter.

Angesichts der Corona-Pandemie könnte auch das Thema Gesundheitsversicherung in den Fokus rücken. Hier hoffen die Demokraten zu punkten, weil viele Menschen in den USA mit ihrem Job auch ihre Krankenversicherung verloren haben und Trump und Pence kaum Fortschritte vorweisen können.

Die amtierende Regierung will Obamacare noch weiter zurückfahren und ein neues, besseres System anbieten. Einen genauen Vorschlag dazu hat Trump jedoch bisher nicht gemacht.

Biden und Harris werfen den Republikanern vor, dass mit dem Zurückfahren von Obamacare 20 Millionen Amerikaner ihre Krankenversicherung verlieren würden.

5. Die Kandidaten müssen zum Scheitern der Stimulus-Verhandlungen Stellung nehmen

Für Millionen Amerikaner sind die großzügigen Stimulus-Schecks der Regierung seit dem Sommer ausgelaufen. Viele haben ihre Jobs verloren und wissen nicht mehr, wie sie ihre Miete oder Krankenversicherung bezahlen sollen. Sie hatten auf eine Einigung der beiden Seiten gehofft.

Pence wird den Rückzug aus den Verhandlungen über das Hilfspaket begründen müssen. Trump gibt bisher den Demokraten die Schuld für das Scheitern der Verhandlungen, aus denen er sich zurückgezogen hat. Die Demokraten dagegen haben den Republikanern bei den Verhandlungen vorgeworfen, vor allem den Reichen zu helfen und den Bedürftigen zu wenig zu geben.

Die Regierung hatte den Demokraten ein Paket mit einem Volumen von mehr als 1,5 Billionen Dollar vorgeschlagen. Die Demokraten forderten allerdings ein größeres Maßnahmenbündel mit einem Umfang von 2,2 Billionen Dollar.

Die Trump-Regierung hat dies als „unseriös“ bezeichnet, aber ihr Angebot zuletzt auf fast 1,6 Billionen Dollar erhöht. Vorgesehen war unter anderem eine wöchentliche Arbeitslosenunterstützung von 400 Dollar. Die Demokraten forderten dagegen 600 Dollar pro Woche.