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„Wer 3 Stunden nicht selbst fahren will, kann das für 21 Euro tun“: VW-Vorstand erklärt, wie der Autobauer künftig Geld verdienen will

·Lesedauer: 3 Min.

Volkswagen arbeitet weiter mit Druck an der Digitalisierung seines Geschäftsmodells — und wandelt sich dabei vom Autohersteller zum breit aufgestellten Mobilitätsanbieter. Thomas Ulbrich, Entwicklungsvorstand der Marke Volkswagen, sprach mit der „Welt“ darüber, wie dieser Wandel vonstattengehen soll. Anfangen werde der Konzern mit einem wachsenden Portfolio an digitalen Zusatzdiensten bei seiner ID-Reihe. Ab dem zweiten Quartal sollen Fahrer des E-Autos die On-Demand-Funktionen dann abrufen können.

Allerdings müssten sie sich nicht schon beim Kauf für oder gegen die Extras entscheiden — vielmehr sollen diese stunden- oder tageweise dazugebucht werden können. Man befinde sich diesbezüglich in der Abstimmung mit den Regulierungsbehörden, sagte Ulbrich der „Welt“. Das On-Demand-Angebot soll Funktionen von Reichweiten- und Leistungserhöhungen bis hin zum autonomen Fahren umfassen.

Letzteres solle gegen Ende des Jahrzehnts zur Verfügung stehen. Und weil die Technik so teuer ist, gehe man bei VW davon aus, dass das autonome Fahren überwiegend als Zusatzdienst angeboten werde — für einen Preis von etwa sieben Euro pro Stunde. „Wer also drei Stunden lang nicht selbst fahren möchte, kann das dann für 21 Euro tun“, so Klaus Zellmer, Vertriebsvorstand der Marke VW, zur „Welt“. Auf diese Weise sei autonomes Fahren für alle zugänglich, nicht nur gegen einen fünfstelligen Aufpreis beim Kauf.

Computerspiele im Auto und Verbesserungen über Updates

Grundsätzlich wolle Volkswagen die Kontrolle über die angebotenen digitalen Zusatzfunktionen behalten und das System nicht beliebig für Apps von Fremdanbietern öffnen. Das bedeute aber nicht, dass letztere ganz ausgeschlossen bleiben. Schon jetzt gebe es im Golf den Amazon-Dienst Alexa. Und auch Spiele sollen eine Ausnahme darstellen. Auch in den VWs könnte man also bald während der Ladepausen zocken: „Es wird nicht mehr so lange dauern“, so Ulbrich zur „Welt“. Man wolle den Kunden in den Pausen etwas bieten — selbst, wenn das Laden nur 15 Minuten dauert.

Bei den Elektroautos ID.3 und ID.4 beginnen nun außerdem regelmäßige Over-the-Air-Updates, welche die Modelle alle zwölf Wochen mit immer neuen Funktionen versorgen sollen. Wie bei allen digitalen Funktionen hinkt VW auch hier nicht nur dem Marktführer Tesla, sondern auch etablierten Konkurrenten wie BMW hinterher. Letzterer bietet schon länger Verbesserungen am Fahrzeug über Updates an.

Das bedeute jedoch nicht, dass der Konzern in Zukunft unfertige Autos ausliefere. Vielmehr würden die Fahrzeuge, ähnlich wie beim Smartphone, im Laufe der Nutzung immer besser. Für VW ist das lukrativ: Vertriebsvorstand Klaus Zellmer schätzt das Umsatzpotenzial bei der „Welt“ auf einen dreistelligen Millionenbetrag.

Vom Autokauf zum Carsharing

Neben dem Wandel zum Digitalkonzern sei der Wandel vom Autokauf zur Autonutzung auf Zeit das zweite große Zukunftsfeld der Mobilität — und biete VW kurzfristig noch wesentlich größere Umsatzchancen. Schon heute erziele das Unternehmen in Deutschland über 50 Prozent des Absatzes mit Leasingfahrzeugen. In Zukunft werde sich das noch weiter verschieben: So könne es mehr Fälle geben, in denen Kunden nur stunden- oder tageweise Autos nutzen wollen. „Das könnte bis 2030 schon 20 bis 30 Prozent unseres Geschäfts ausmachen“, so Zellmer zur „Welt“.

Diesen Markt versucht der Konzern mit Abo-Modellen und dem Carsharing-Dienst WeShare anzuzapfen. Doch auch Autobesitzer sollen mit ins Boot geholt werden: Es werde künftig die Möglichkeit geben, das eigene ID-Modell ganz einfach stundenweise als Carsharing-Fahrzeug anzubieten. Um das Carsharing attraktiver zu machen, soll eine konzerneigene Software ermöglichen, dass Kunden ihre persönlichen Einstellungen zwischen zwei Fahrzeugen übertragen. Das Auto passe sich dann automatisch den Präferenzen des Nutzers an.

Grundlage des ganzen soll außerdem ein für alle VW-Marken einheitliches Betriebssystem bilden, das von der neuen Konzerntochter Cariad entwickelt wird. Dieser interne Dienstleister werde derzeit noch aufgebaut, sei aber extrem bedeutend für die Zukunft des Konzerns, so Entwicklungsvorstand Thomas Ulbrich zur „Welt“. Das System bilde eine Basis für die künftigen Elektroautos und durch die Integration der Software ins Fahrzeug könne man sich auf die Anwendungen für Kunden konzentrieren.

sb