Deutsche Märkte geschlossen

Diese sieben Tech-Unternehmen planen den Börsengang 2019


Auf die Börsen kommt in diesem Jahr einiges zu. Mindestens sieben Tech-Unternehmen planen einen Börsengang – darunter der Fahrdienst und Taxischreck Uber, der eine Bewertung von 120 Milliarden Dollar anstrebt. Das ist laut Renaissance Capital, einer auf Börsengänge spezialisierten Beratungsfirma, fast dreimal so viel, wie die 190 Börsengänge im gesamten Jahr 2018 einbrachten.

Sollten nur 25 Prozent der Uber-Aktien am Markt angeboten werden, würde der voraussichtlich erste Börsengang des neuen Jahres bereits den Großteil der 47 Milliarden Dollar einbringen, die 2018 im Zuge aller Börsengänge eingesammelt wurden. Und Uber ist nur der Auftakt. 2019 könnte das Jahr der Megabörsengänge schlechthin werden.

Dennoch ist die Nervosität bei Analysten und Investoren groß. Immerhin gab es im IPO-Jahr 2018 nur wenige Erfolgsgeschichten. Zwar zog die Aktie des kanadischen Pharma- und Cannabisunternehmens Tilray nach dessen Börsengang von 17 auf 21 Dollar an und liegt mit mittlerweile 71 Dollar klar im Plus. In der Technologiebranche, in der es bereits 2018 die meisten Börsengänge gab, kam es jedoch zu hohen Verlusten.

Ein Beispiel ist Dropbox: Der Ausgabepreis von 21 Dollar aus dem März 2018 konnte mit derzeit 19,75 Dollar knapp behauptet werden. Ähnlich erging es Tencent Music, einem chinesischen Streamingdienst, der im Dezember 2018 an die Börse ging. Die Musikplattform nahm 1,1 Milliarden Dollar bei einem Ausgabekurs von 13 Dollar ein. Keine drei Wochen später notiert die Aktie bei 12 Dollar.

Noch schlechter erging es dem aus Schweden stammenden Konkurrenten Spotify: Der Musikdienst machte bei seinem Börsengang ungewöhnlicherweise anstelle eines Ausgabekurses einen „Preisvorschlag“ von 132 Dollar. Der Kurs des Papiers stieg bis auf 196 Dollar, um das Jahr dann bei nur 107 Dollar zu beenden.


Und an den IPO von Snap will niemand mehr erinnert werden. Die selbsternannte „Kamerafirma“ mit angehängtem Social Network ging im März 2017 zu 17 Dollar an die Börse. Die Aktie stieg kurz bis auf 24 Dollar – und schließt das Jahr 2018 bei rund fünf Dollar. Ein Desaster.

Im neuen Jahr wird es für Börsen-Neulinge nicht gerade einfacher. Zwei der drei großen US-Indizes, der Nasdaq und der S & P-500, sind Ende Dezember in den Bärenmarkt abgerutscht. Von einem Bärenmarkt wird in Analystenkreisen gesprochen, wenn ein Index im Vergleich zu seinem jüngsten Hoch um mehr als 20 Prozent absackt. Ein Bärenmarkt verheißt oft länger anhaltende Kursverluste – anders als eine Korrektur, die vorliegt, wenn die Verluste weniger als 20 Prozent ausmachen.

Laut Goldman Sachs & CNBC dauert ein durchschnittlicher Bärenmarkt in den USA 13,2 Monate und vernichtet 30 Prozent des Börsenwerts. Die durchschnittliche Erholungszeit, die nötig ist, um die Verluste wettzumachen, liegt bei 22 Monaten. Demnach fiele der gesamte IPO-Jahrgang 2019 in einen Bärenmarkt. In einem solchen Umfeld lassen sich Investoren auch nicht so leicht davon überzeugen, in Riesenunternehmen zu investieren.

Dennoch planen mindestens sieben Tech-Unternehmen, womöglich in diesem Jahr an die Börse zu gehen:

Uber

Bislang spricht alles dafür, dass Uber mit Macht versuchen wird, als erster den Markt anzuzapfen, bevor andere verpatzte Börsendebüts die Anleger weiter verunsichern könnten. Die Papiere für den Börsengang sollen bereits eingereicht worden sein. Angeblich soll die Bewertung 120 Milliarden Dollar betragen. Es wäre der bisher größte Börsengang eines Tech-Unternehmens überhaupt.

Uber veröffentlicht seit mehreren Quartalen Unternehmensberichte, wobei der Trend klar ist: substanzielles Wachstum bei ebenso substanziellen Verlusten. Die Aktien des Fahrdienstes werden, vor allem in einem Bärenmarkt, schwer zu verkaufen sein. Eine Analyse des Emissionsantrags wird Klarheit liefern.


Lyft

Das Unternehmen Lyft konnte im Konkurrenzkampf mit Uber Boden gutmachen, als Uber eine turbulente Zeit mit Sexskandalen und Mitarbeitertumulten durchmachte, die mit der Entlassung des Chefs Travis Kalanick endete. Auch Lyft hat offenbar bereits die Börsenpapiere eingereicht und plant, Uber noch zuvorzukommen.

Die Bewertung liegt Marktbeobachtern zufolge bei mindestens 15 Milliarden Dollar. Das war die Bewertung bei der bislang jüngsten Finanzierungsrunde. Lyft soll laut „Wall Street Journal“ für den Börsengang bei JPMorgan unterschrieben haben.

Pinterest

Während Pinterest noch im Jahr 2017 ständig im Gespräch war, flog das Unternehmen 2018 eher unter dem Radar. Das änderte sich jedoch, als die Nachrichtenplattform CNBC eine Verdopplung des Anzeigenumsatzes von Pinterest auf geschätzt eine Milliarde Dollar meldete. Nun ist Pinterest, das bei der jüngsten Kapitalrunde mit rund zwölf Milliarden Dollar bewertet wurde, ein heißer Börsenkandidat.

Slack

Der populäre und schnell wachsende Arbeitsplatzmessenger aus San Francisco könnte ebenfalls das Jahr 2019 für einen Börsengang nutzen. Nicht alleine aus Erfolgsgründen, sondern weil das Unternehmen bereits den Atem der Konkurrenz im Nacken spürt: Microsoft hat im Juli eine kostenlose Version des Konkurrenzprodukts „Microsoft Teams“ gestartet.

Slack hat zuletzt im Jahr 2017 rund 500 Millionen Dollar aufgenommen bei einer Gesamtbewertung von fünf Milliarden Dollar. Der Börsengang des verlustreichen Unternehmens wird für das erste Halbjahr 2019 erwartet.

Palantir

Palantir ist ein von Geheimnissen umgebenes Datenmining- und Analyse-Start-up, das wohl hauptsächlich mit der US-Regierung Geschäfte macht. Im Oktober berichtete das „Wall Street Journal“, dass das verschwiegene Unternehmen nun doch an die Börse wolle, nachdem es lange so ausgesehen hatte, als würde es diesen Schritt ausschließen.


Der Börsengang von Palantir, laut „Wall Street Journal“ bis zu 41 Milliarden Dollar schwer, wäre kein Selbstläufer. Die Nähe zu den US-Geheimdiensten und der jüngste Datenskandal um Facebook und Cambridge Analytica werfen lange Schatten. Palantir wird sich sicher nur bei sonnigem Börsenwetter aufs Parkett trauen, wenn überhaupt.

Cloudflare

Cloudflare bietet Sicherheits- und Leistungssoftware für Webseiten an. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters strebt das Start-up einen Börsengang für das erste Halbjahr 2019 mit einer Bewertung von 3,5 Milliarden Dollar an. Als den IPO begleitende Bank wird Goldman Sachs gehandelt.

Robinhood

Robinhood ist ein alternativer Brokerservice, der sein Geld nicht über Depot- und Handelsgebühren verdient, sondern über Zinsen auf das Kundengeld in den Depots und über Premium-Dienste. Robinhood ist praktisch komplett virtuell, ohne Büros oder Handelsabteilungen und kann deshalb völlig anders kalkulieren als etwa Charles Schwab oder Fidelity. CEO Baiju Bhatt hat im September die Börsenpläne grundsätzlich bestätigt. Die jüngste Finanzierungsrunde zeigte eine Bewertung von 5,6 Milliarden Dollar.

Die Unentschiedenen

Wenn die Tech-Riesen Kasse gemacht haben, könnte der IPO-Markt verbrannt sein für kleinere wie auch für größere Nachzügler. Heiße, aber unentschlossene Kandidaten sind der Wohnungsvermittler Airbnb oder Asiens Uber-Konkurrent Didi Chuxing.

Der Essens-Lieferant Postmates hat laut „Wall Street Journal“ ebenfalls schon Emissionsbanken angefragt. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, Sicherheitssoftware-Hersteller Crowdstrike habe Goldman Sachs mit den Vorbereitungen für den Börsengang beauftragt. Anvisiert soll das erste Halbjahr sein.

Bei all diesen kleineren IPOs ist aber abzusehen: Es werden die allgemeinen Bedingungen am Aktienmarkt sowie die positiven oder negativen Schockwellen des Uber-Börsengangs sein, die entscheiden, ob der Schritt in die Börsenarena gewagt werden wird.