Deutsche Märkte schließen in 2 Stunden 38 Minuten
  • DAX

    15.318,19
    -158,24 (-1,02%)
     
  • Euro Stoxx 50

    4.195,96
    -62,02 (-1,46%)
     
  • Dow Jones 30

    33.926,01
    -127,89 (-0,38%)
     
  • Gold

    1.885,90
    +9,30 (+0,50%)
     
  • EUR/USD

    1,0763
    -0,0034 (-0,31%)
     
  • BTC-EUR

    21.242,41
    -486,11 (-2,24%)
     
  • CMC Crypto 200

    525,02
    -11,84 (-2,21%)
     
  • Öl (Brent)

    74,23
    +0,84 (+1,14%)
     
  • MDAX

    29.292,78
    -485,81 (-1,63%)
     
  • TecDAX

    3.306,62
    -31,95 (-0,96%)
     
  • SDAX

    13.355,72
    -139,11 (-1,03%)
     
  • Nikkei 225

    27.693,65
    +184,19 (+0,67%)
     
  • FTSE 100

    7.840,65
    -61,15 (-0,77%)
     
  • CAC 40

    7.123,82
    -110,12 (-1,52%)
     
  • Nasdaq Compositive

    12.006,96
    -193,84 (-1,59%)
     

"Übermenschlich": Lidl-Mitarbeiter berichtet über das Arbeitspensum beim Discounter

Über die Arbeitsbedingungen im Discounter gibt es viele Gerüchte: hoher Zeitdruck, keine Pausen. Ein Lidl-Mitarbeiter erzählt, wie es bei ihm war.

Lidl
Geschwindigkeitsvorgaben beim Scannen und Zeitdruck beim Einräumen: Ein ehemaliger Lidl-Mitarbeiter berichtet von seinen Erfahrungen. (Symbolbild: Getty Images)

Die Arbeitsbedingungen in Supermärkten, insbesondere aber im Discounter, sind notorisch schwierig. Nicht nur müssen sich Verkäuferinnen und Verkäufer oft von schlecht gelaunten Kunden anblaffen lassen, immer wieder gibt es auch Gerüchte um nicht gewährte Pausen und hohen Zeitdruck. Bei Lidl prägte außerdem der Skandal um Videoüberwachung von Mitarbeitern aus dem Jahr 2008 lange das Image als Arbeitgeber – obwohl andere Unternehmen ähnlich vorgegangen waren.

Aber wie sind die Arbeitsbedingungen mittlerweile wirklich? Anton S. (Name von der Redaktion geändert) hat mehrere Jahre bei Lidl gearbeitet und "Business Insider" von seinen Erlebnissen berichtet. Seine Erfahrungen beziehen sich dabei auf eine Filiale und sind nicht unbedingt repräsentativ für alle Niederlassungen des Discounters. Anton S. beschreibt das Arbeitspensum in seiner Filiale als "übermenschlich". Lidl selbst spricht auf Anfrage von einem "äußerst anspruchsvollen und herausfordernden Arbeitsumfeld".

Vorgabe beim Kassieren: "40 Artikel pro Minute"

Vielleicht kennen Sie das Problem: Als Kunde ist man an der Discounter-Kasse oft gestresst, weil die Mitarbeiter die Ware gnadenlos schnell über den Scanner ziehen und man selbst mit dem Einpacken nicht hinterherkommt. Anton S. zufolge ist das keine Schikane: "Der Zeitdruck beim Discounter ist einfach hoch", sagt er. Und es gebe eine Zeitvorgabe: 40 Artikel müssten Mitarbeiter pro Minute scannen.

Während der Probezeit werde die Geschwindigkeit der Mitarbeiter sogar gemessen, erklärt Anton S.: "Am Ende der Schicht steht dann auf deiner Abrechnung, wie viele Artikel du pro Minute gescannt hast." Nach der Probezeit werde die Geschwindigkeit zwar nicht weiter gemessen – zumindest wisse er davon nicht. Aber auch dann sei der Zeitdruck weiter hoch. Wenn beispielsweise die Schlangen lang seien, heiße es manchmal schlicht: "Du musst das jetzt schaffen. Der Laden ist voll und wir wollen keine zweite Kasse aufmachen."

Zwar werde man auch in der Probezeit normalerweise nicht direkt rausgeworfen, wenn man die Vorgabe nicht erfülle, erklärt Anton. Aber eventuell gebe es dann ein Gespräch mit der Filialleitung. In seiner Lidl-Zeit sei es nur einmal vorgekommen, dass eine neue Mitarbeiterin bereits nach wenigen Tagen wieder entlassen wurde. Die sei sowohl beim Kassieren als auch beim Auspacken zu langsam gewesen. Denn auch beim Einräumen der Regale sei der Zeitdruck hoch. "Lidl kalkuliert jede Schicht mit extrem wenig Mitarbeitern", sagt Anton.

Lidl bestreitet das auf Anfrage von "Business Insider". Man habe die Anzahl der Mitarbeiter pro Filiale in den letzten Jahren erhöht. Auch Zeitvorgaben beim Kassieren könne der Discounter nicht bestätigen. "Unseren Kunden möchten wir grundsätzlich einen schnellen und bequemen Einkauf ermöglichen. Daher passen unsere Kollegen an der Kasse ihre Kassiergeschwindigkeit flexibel auf den jeweiligen Kunden an", heißt es in einer Stellungnahme.

"Zwei Personen räumen die Regale ein"

Die Frühschicht fange beispielsweise um 6 Uhr morgens an. "Eine Person saß an der Kasse, zwei haben die Regale eingeräumt, eine hat gebacken". Zu zweit müsse man dann mindestens zehn rund 1,80 Meter hoch gestapelten Europaletten mit Ware ausgeräumt werden, sagt er. Bis spätestens zwölf Uhr solle alles verräumt sein, so die Vorgabe – was kaum leistbar sei.

Auch, weil man oft viele Dinge parallel managen müsse. Wer an der Kasse sitze oder einspringe, müsse gleichzeitig oft die Ware aus- und Rückgaben an der Kasse wieder einräumen, Mülleimer leeren, leere Kartons aus der Frischtheke ins Lager bringen, Einkaufswägen zurückholen. "Das alles im Kopf zu behalten, ist Wahnsinn", sagt Anton. "Man trägt ein Headset und einem wird die ganze Zeit zugerufen, was man noch zu tun hat." Dafür sei penibel auf die Einhaltung der Pausenzeiten geachtet worden.

Lidl: "Äußerst anspruchsvolles und herausforderndes Arbeitsumfeld"

Trotzdem sei der Job belastend gewesen: "Jede zweite Schicht habe ich mir die Frage gestellt, warum ich mir das eigentlich antue", sagt er. Die Antwort sei das nette Kollegium gewesen. Und das vergleichsweise gute Gehalt, das mit mindestens 14 Euro in der Stunde – auch für ungelernte Kräfte – lange Zeit sehr deutlich über dem Mindestlohn rangierte.

Lidl selbst sprach auf Anfrage von "einem äußerst anspruchsvollen und herausfordernden Arbeitsumfeld", in dem die Kollegen "großen Einsatz" zeigen würden. Dafür zahle man ein überdurchschnittliches Gehalt, biete unbefristete Arbeitsverträge, viele Mitarbeitervorteile und ein "umfangreiches betriebliches Gesundheitsmanagement", so der Discounter. Es gebe im Schnitt eine lange Unternehmenszugehörigkeit – wobei nicht deutlich wird, ob sich das auf Mitarbeiter in den Filialen oder in der Verwaltung bezieht. "Die Zufriedenheit unserer Kollegen liegt uns sehr am Herzen."

Im Video: Diese Lebensmittel solltest du im Winter nicht kaufen!