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Eine überfällige Verteidigung des Friedrich M.

Er ist kantig – und eckt an. Doch die Kritik, der sich Friedrich Merz inzwischen ausgesetzt sieht, droht jedes Maß zu verlieren.

Nein, ich bin kein Fan von Friedrich Merz.

Ich glaube, dass ein Politiker nur erfolgreich ist, wenn er nicht nur Erwartungen weckt, sondern auch etwas umsetzt. Dazu bedarf es Kompromiss- und Teamfähigkeit, die wahrscheinlich nicht zu Merz‘ größten Stärken gehören.

Und nein, ich bin kein Gegner von Friedrich Merz.

Ich erkenne sein Eintreten für Reformen an, sein Engagement für eine stärkere EU – und sein kantiges Profil, das den Diskurs belebt.

Dass Merz manchmal so formuliert, dass ihn missverstehen kann, wer ihn missverstehen will, wird inzwischen allerdings zum Problem: Die Kritik an ihm droht jedes Maß zu verlieren.

So wurde Merz vergangene Woche vorgeworfen, Journalismus für verzichtbar zu halten. Dabei sinnierte er nur über den relativen Bedeutungsverlust traditioneller Medien. Der schmerzt mich zwar, ist aber Realität.

In dieser Woche wurde Merz aus der politischen Mitte verbannt, weil er sagte, Rechtsradikalismus lasse sich auch zurückdrängen, indem Clankriminalität thematisiert werde. Das war eine mutwillige Verkürzung, weil Merz in der gleichen Veranstaltung offen wie selten zuvor sagte: „Wir haben über viele Jahre das Problem des Rechtsradikalismus massiv unterschätzt.“ Ihm also zu unterstellen, sich nicht klar vom rechten Rand abzugrenzen – oder schlimmer noch: nahezulegen, Merz versuche, sich mit diesem gemein zu machen – ist unlauter.

Natürlich ist Friedrich Merz ein eher konservativer Vertreter der CDU. Aber wo bitteschön ist das Problem? Die Christdemokraten sind ohne Zweifel eine Partei der Mitte.

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