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Wo auch über Staatsbeteiligungen an Airlines gestritten wird

Von Norwegen bis Tschechien stehen Fluggesellschaften vor der Pleite. Die Diskussionen in Politik und Wirtschaft sind ähnlich kontrovers wie bei der Lufthansa.

Weltweit hat die Coronapandemie den Luftverkehr zum Erliegen gebracht. Überall drohen Fluggesellschaften deshalb in die Pleite zu schlittern. Die Regierungen wollen einspringen und helfen. Doch das ist nicht immer so einfach. Und so wird nicht nur in Deutschland über Staatsbeteiligungen an Airlines gestritten.

Etwa in Tschechien. Das Land will Smartwings übernehmen, die Muttergesellschaft von Czech Airlines. Das Management der Airline ist davon allerdings wenig begeistert. Die Czech-Spitze würde einen Kredit bevorzugen.

Die Auseinandersetzung erinnert in Teilen an den Fall Lufthansa. Industrie- und Verkehrsminister Karel Havlicek hat erklärt, dass Smartwings von strategischer Bedeutung für den Staat sei. Zudem sieht er nach eigenen Angaben die Chance, die Anteile an Smartwings später gewinnbringend zu versilbern.

„Wir sagen nicht, dass das so passieren wird“, wurde der Minister kürzlich von der Nachrichtenagentur Reuters zitiert. „Aber ich habe die Interessen von Industrie und Infrastruktur im Blick. Daher denke ich, dass es wichtig ist, diese Art von Unternehmen zu schützen – nicht nur diese, sondern auch andere.“

Bis Ende Juni will die Regierung in Tschechien nun über das weitere Vorgehen entscheiden. Anders als im Fall Lufthansa geht es bei Smartwings allerdings um eine Komplettübernahme. Die Holding gehört derzeit zu 50,1 Prozent dem Geschäftsmann Jiri Simane. Die restlichen Anteile hält die chinesische CITIC.

Das Management von Smartwings reagiert bisher reserviert auf die staatliche Offerte. Es gebe keinen Wunsch in dieser Richtung, heißt es offiziell. Lieber wolle man einen staatlich garantierten Kredit und damit das, was auch andere Nationen ihren Fluglinien anbieten würden.

Mitarbeiter für Verstaatlichung

Über eine staatliche Kontrolle wird auch bei der portugiesischen TAP diskutiert. Hier sind es vor allem die Arbeitnehmervertreter, die das fordern, um eine deutliche Verschlechterung der Situation zu verhindern. Die ist tatsächlich äußerst angespannt. Die Airline galt schon vor Corona als Übernahme-Kandidat. Als potenzieller Interessent war unter anderem Lufthansa genannt worden. TAP ist in den zurückliegenden Jahren mit einer komplett erneuerten Flotte stark gewachsen.

Diese Expansion ging zulasten der Profitabilität. Im vergangenen Jahr flog die Airline einen Verlust von 105,6 Millionen Euro ein. Großer finanzieller Puffer ist nicht vorhanden, gleichzeitig fehlen wie überall wegen Corona die Einnahmen. Deshalb braucht TAP dringend Geld. In Medienberichten wird der Bedarf auf bis zu eine Milliarde Euro beziffert.

Doch eine Lösung ist schwierig. 50 Prozent an TAP hält der Staat. Er ist also bereits ein gewichtiger Aktionär, kann aber nicht durchregieren. Fünf Prozent der Anteile liegen bei den Mitarbeitern, 45 Prozent bei der Beteiligungsgesellschaft Atlantic Gateway, die wiederum im wesentlichen David Neeleman gehört. Er ist unter anderem der Besitzer der US-Airline Jetblue.

Zwischen Neeleman und der portugiesischen Regierung gibt es schon seit längerem Unstimmigkeiten. Die setzen sich nun in der Coronakrise fort. Neeleman fordert ein Darlehen vom Staat, der wiederum präferiert eine Kapitalerhöhung und damit die Erhöhung des Staatsanteils.

Eine andere Lösung gibt es mittlerweile bei der seit mehreren Jahren angeschlagenen Norwegian. Hier steigt China ein. Das allerdings indirekt. BOC Aviation, einer der Leasingpartner der Airline, hat Verbindlichkeiten von Norwegian in Eigenkapital umgewandelt. Das war Bedingung für Hilfen der norwegischen Regierung. BOC Aviation gehört über ein komplexes Konstrukt dem chinesischen Staat.