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Neue Eskalationsstufe im Preiskrieg droht – Rohölpreise drehen ins Minus

US-Präsident Trump könnte Russland mit Sanktionen belegen, um die heimische Ölindustrie vor niedrigen Preisen zu schützen. Die Märkte reagieren nervös.

Brent ist die für Europa wichtigste Ölsorte. Die Sorte WTI stammt aus den USA. Foto: dpa

Die Aussicht, US-Präsident Donald Trump könnte sich in den Ölpreiskrieg zwischen Saudi-Arabien und Russland einschalten, hat am Freitag den Ölpreis nur kurz gestützt. Die Nordseesorte Brent, die den wichtigsten Referenzpreis am Ölmarkt bildet, verteuerte sich zwischenzeitlich auf knapp 30 Dollar pro Barrel (rund 159 Liter), drehte jedoch wieder deutlich ins Minus. Am Freitagnachmittag notierte Brent-Öl bei 27,50 Dollar pro Fass. Die US-Sorte WTI kostete rund 23 Dollar.

Grund für den erneuten Preisdämpfer waren Daten zur Ölförderung aus Russland: Wie die russische Nachrichtenagentur Interfax berichtet, hat Russland seine Ölproduktion seit Anfang März deutlich erhöht. Beobachter werten das als Zeichen, dass das Land im Preiskrieg mit Saudi-Arabien ernst macht.

Zuvor hatte das „Wall Street Journal“ berichtet, Trump habe den Preiskampf als „zerstörerisch für Russland“ bezeichnet und angekündigt, er werde sich einmischen, wenn die Zeit reif sei., Dem Zeitungsbericht zufolge könnten die USA neue Sanktionen gegen Russland verhängen, um die Ölpreise zu stützen. Mitte der Woche waren die Ölpreise auf den tiefsten Stand seit Anfang der 2000er Jahre gefallen. Sie notieren rund 60 Prozent unterhalb des Jahreshochs von Ende Januar. Texanisches Öl kostete zweitweise nur rund 20 Dollar pro Fass.

Bereits am Mittwoch hatte der republikanische Senator Kevin Cramer aus North Dakota daher in einem Brief an Trump Sanktionen gegen Saudi-Arabien und Russland gefordert, weil die Dumpingpreise beider Länder die US-Ölbranche in Gefahr bringen. North Dakota ist neben Texas einer der Hotspots der US-Schieferölindustrie.

Ein Ölpreis von rund 20 Dollar ist für die US-Schieferölindustrie viel zu wenig. Sie können damit kaum ihre laufenden Kosten decken. Die Schulden, die sie für Investitionen in neue Bohrprojekte aufgenommen haben, drohen viele Unternehmen zu erdrücken. Branchenriesen wie Occidental Petroleum haben daher ihre Dividenden radikal gekappt. Die Risikoaufschläge für Anleihen aus dem US-Energiesektor sind massiv gestiegen. Schon geht in den USA die Sorge um, dass eine Pleitewelle bei US-Schieferölfirmen der Auslöser für eine flächendeckende Unternehmensschuldenkrise sein könnte.

Selbst Konzerne wie ExxonMobile oder Chevron, die deutlich weniger vom US-Schieferöl abhängig sind, gerieten an der Börse zuletzt erheblich unter Druck. Auch sie fahren ihre Investitionen massiv zurück. Präsident Trump sagte daher kürzlich: „Niedrige Ölpreise sind zwar gut für die Konsumenten. Aber sie schaden einer großartigen Industrie.“

Schutzlose US-Ölbranche

Bislang hatten weder Russland noch Saudi-Arabien signalisiert, dass sie im Preiskampf einlenken wollen. Russland hatte Anfang März in Wien die 24 Staaten umfassende Allianz der Ölexporteure „Opec+“ platzen lassen. Das Land wollte sich anders als von Saudi-Arabien geplant nicht zu einer weiteren Kürzung der Ölproduktion verpflichten lassen. Die Saudis haben daraufhin angekündigt, ab April ihre Produktion massiv auszuweiten.

Der bestehende „Opec+“-Deal läuft noch bis Ende März. So lange sind alle Mitglieder der Allianz an bestehende Förderkürzungen von insgesamt 2,1 Millionen Barrel pro Tag gebunden. Doch wie nun bekannt wurde, hat Russland bereits Anfang März die Ölförderung nach oben gefahren - eine Provokation in Richtung Riad. Doch auch die Saudis kämpfen mit harten Bandagen. Der staatliche Ölkonzern Saudi Aramco hat Kunden hohe Rabatte auf Rohöl gewährt und damit unter anderem chinesische Raffinerien als Abnehmer gewonnen, die zuvor russisches Öl bezogen haben.

Für beide Länder ist der Preiskampf extrem kostspielig: Saudi-Arabien kann zwar sehr günstig Öl fördern, braucht jedoch einen Ölpreis von rund 80 Dollar für einen ausgeglichenen Staatshaushalt. Die russischen Ölkonzerne sind längst nicht so wettbewerbsfähig wie Saudi Aramco, der russische Staat braucht jedoch nur einen Ölpreis von etwas über 40 Dollar für eine ausgeglichene Bilanz.

Die US-Schieferölindustrie ist dem Preiskampf jedoch nahezu schutzlos ausgeliefert. Die negative Stimmung an den Aktienmärkten trägt zudem dazu bei, dass immer weniger Investoren bereit sind, den Firmen Geld zu leihen, um den Preiskampf zu überstehen. „Russland und Saudi-Arabien haben null Interesse, der US-Schieferölindustrie das Überleben zu sichern - ganz im Gegenteil“, sagte Analyst Jeffrey Halley vom Brokerhaus Oanda. Sobald sich diese Erkenntnis durchsetze, würden sich die aktuellen Spekulationen auf ein erfolgreiche Intervention Trumps in den Ölpreiskrieg und der jüngste Anstieg der Rohölpreise in Luft auflösen.

Der texanische Gouverneur brachte daher bereits eigene Förderkürzungen ins Spiel, die helfen sollen die Ölmärkte zu stabilisieren. Es ist eine deutliche Abkehr von der lange verfolgten Strategie des schuldenfinanzierten Wachstums in Texas und anderen Ölstaaten. Bislang waren es das Ölkartell Opec und verbündete Länder, die durch Drosselung der Ölproduktion für einen ausgeglichenen Markt gesorgt haben.