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Ächzende Industrie, hoffnungsvolle Banker: Fünf Themen des Tages

(Bloomberg) -- Christoph Rauwald über April-Wetter in Wirtschaft und Politik. — Abonnieren Sie unseren Newsletter Fünf Themen des Tages und erhalten Sie Sonntags das Hauptstadtgeflüster direkt in Ihre Mailbox.

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Bewölkt bis heiter

Der Bundesverband der Deutschen Industrie mochte sich auf der Hannover Messe dem aufkeimenden Optimismus der Politik nicht ganz anschließen. „Die Industrie in Deutschland hat sich von den Kosten- und Nachfrageschocks, von zeitweise extrem hohen Energiepreisen und von der Inflation noch nicht erholt“, sagte BDI-Präsident Siegfried Russwurm. „Trotz moderater Erholungsaussichten dürfen wir uns nichts vormachen: Insgesamt zeigen die Produktionszahlen schon seit Jahren einen besorgniserregenden Abwärtstrend,“ so der ehemalige Siemens-Vorstand.

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Der BDI rechnet mit einem Minus in der Industrieproduktion um 1,5% gegenüber dem Vorjahr. Bei den Warenexporten erwartet der Verband im Jahresverlauf eine schwarze Null nach einem Rückgang von 1,5% im Vorjahr. Dynamik beim wichtigen Außenhandel sieht anders aus, auch weil der für Auto- und Maschinenbauer bedeutende chinesische Markt noch schwächelt. Der Bundesregierung schrieb der Industrie-Boss ins Pflichtenheft, die Rahmenbedingungen in Deutschland zu verbessern.

Während die Industrie noch stöhnt, sorgt der sogenannte Letta-Bericht in der Bankenbranche für neue Hoffnung, dass es auf dem Weg zu gemeinsamen Finanzmärkten in Europa endlich vorangeht. “Die Kapitalmarktunion ist so weit oben auf der europapolitischen Agenda wie seit Jahren nicht – wir begrüßen das ausdrücklich”, sagte Deutsche-Bank-CEO und Bankenverbandspräsident Christian Sewing in Berlin (mehr zu Sewing weiter unten). Europa schöpfe das Potenzial eines gemeinsamen Marktes immer noch nicht voll aus. Dabei sei die strategische Souveränität Europas eng mit der finanziellen Souveränität verknüpft.

Was Marktteilnehmer heute noch bewegen könnte, berichten Ihnen Alexander Kell und Rainer Bürgin: Immobilien-Ausblick, Regeln und Vorschriften, Rückwärtsgang, freundlicher Falke, und Zeitzeichen.

Immobilien-Ausblick

Am deutschen Immobilienmarkt sind weitere Preisrückgänge zu erwarten. Bei Büroobjekten rechnet der Verband deutscher Pfandbriefbanken 2024 mit Abschlägen von 5% bis 10% und bei Einzelhandelsimmobilien mit Rabatten von 2,5% bis 7,5%. Der Ausblick hänge maßgeblich am Vorgehen der EZB, hieß es heute auf der Jahres-PK. Eine Senkung der Leitzinsen könnte bei Wohnimmobilien bereits im zweiten Halbjahr eine Preisstabilisierung bewirken. Im Vergleich zum Preishöchststand aus dem zweiten Quartal 2022 beträgt der Rückgang am deutschen Immobilienmarkt insgesamt bislang 10%. Die Münchener Hyp hat “aufgrund der Marktlage bei Büroimmobilien” im Kreditgeschäft eine Risikovorsorge von rund 104 Millionen Euro gebildet. Mit einem Hypothekenportfolio im Umfang von rund 47 Milliarden Euro ist sie einer der größten Immobilienfinanzierer in Deutschland. Der Gewinn des Hauses legte angesichts des gestiegenen Zins- und Provisionsüberschusses um die Hälfte zu. Um sein Bonitätsrating zu stützen, bot der Bürovermieter Aroundtown heute den Inhabern mancher seiner Hybridbonds einen Umtausch ihrer Papiere an.

Regeln und Vorschriften

Deutsche-Bank-Chef Sewing warnt davor, dass EU-Banken gegenüber ihren Konkurrenten in den USA und Großbritannien ins Hintertreffen geraten könnten, weil die neuen Baseler Regeln zur Eigenkapitalunterlegung von Handelsaktivitäten wohl unterschiedlich schnell eingeführt werden. “Den dortigen Banken verschafft die Verschiebung einen erheblichen Wettbewerbsvorteil im Kapitalmarktgeschäft”, so der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken im Vorfeld des 23. Deutschen Bankentages. “Die EU-Kommission muss jetzt dringend reagieren”. Gleiches gelte generell beim Thema Finanzmarktregulierung, die in den vergangenen Jahren “zunehmend komplexer, teurer und ausufernder” geworden sei. Die Kommission sollte sich ein Beispiel an Großbritannien nehmen und systematisch untersuchen, an welcher Stelle Regeln vereinfacht und Anforderungen an die Institute gesenkt werden können, ohne Abstriche bei der Finanzstabilität zu machen. Unterdessen hat die Bafin ein Bußgeld in Höhe von 1,45 Millionen Euro gegen die Commerzbank verhängt wegen Verstößen gegen die Aufsichtspflicht im Zusammenhang mit dem Geldwäschegesetz.

Rückwärtsgang

In Reaktion auf Berge unverkaufter Fahrzeuge hat Tesla am Wochenende sowohl in den USA als auch in Europa und China erneut die Preise gesenkt. Das Model 3 ist nun für 40.990 Euro zu haben und damit 2.000 Euro billiger geworden. In China hat Li Auto schon reagiert und in seiner Modellpalette Preissenkungen von rund 6% bis 7% angekündigt. Der Preiskrieg auf dem weltgrößten Automobilmarkt scheint damit in die nächste Runde zu gehen — kein gutes Omen für die Turnaroundpläne von Volkswagen im Reich der Mitte. Die Wolfsburger, die am Mittwoch in Peking zum Kapitalmarkttag einladen, haben den Rang als größter Autohersteller des Landes an BYD verloren und sehen steigende Marktanteile erst 2026. UBS-Analyst Patrick Hummel bezweifelt, “dass Volkswagen den Markt davon überzeugen kann, dass der negative Trend gestoppt oder umgekehrt werden kann”. Das Bankhaus Metzler konstatiert im VW-Portfolio einen “Mangel an erschwinglichen EVs im Vergleich zu chinesischen, aber auch schon zu einigen anderen europäischen Volumenmarken.” Dies könnte die Bewertung des Konzerns in den kommenden Quartalen belasten. “Die Zeit könnte für Volkswagen knapp werden”, sagt Analyst Pal Skirta.

Freundlicher Falke

Christian Lindner lässt die Bittsteller abprallen. Weil der von der EU ausgeheckte Green New Deal, die Digitalisierung und die Rüstungserfordernisse angesichts russischer Aggression immense Summen verschlingen, ausgabefreudige Regierungen aber klamm sind, suchen diese kreativ nach neuen Finanzierungsquellen. Der deutsche Kassenwart (“I’m a friendly hawk”) sieht sich erneut herausgefordert, der Erwartung einer gesamtschuldnerischen Lösung auf EU-Ebene einen Riegel vorzuschieben. „Aus ökonomischen Gründen sollte die Verantwortung für die eigenen Staatsfinanzen nicht verwischt werden“, sagte er gegenüber Bloomberg. Und: “Wir sind nicht allein aus rechtlichen Gründen gegen die Schuldenunion.” Damit versteckt Lindner sich nicht hinter dem Bundesverfassungsgericht, das das Next Generation EU-Konjunkturprogramm zwar erlaubte, dabei aber den pandemiebedingten Ausnahmecharakter hervorhob. Zudem herrschen Zweifel, dass die Gelder sinnvoll ausgegeben werden, etwa in Italien. Trotz der Geschenke soll die Schuldenlast dort bis 2026 auf 140% des BIP steigen. „Die Bilanz des NextGenerationEU-Fonds ist so ambivalent, dass eine Wiederholung nicht ratsam erscheint“, so Lindner.

Zeitzeichen

Auf der Messe “Watches and Wonders” präsentierten Cartier, Patek Philippe, Rolex und Dutzende andere Top-Uhrenmarken in Genf in diesem Monat ihre neuesten Kreationen. Bloomberg hat einen Blick auf zwölf Exemplare geworfen deren Preismarken vom gebrauchten Golf bis zum nagelneuen Ferrari reichen — und beim Design von eher schlicht über technisch erstaunlich bis ziemlich abgefahren. Für knappe 2.000 Euro ist die Nomos Tangente aus dem sächsischen Glashütte in 31 Farbkombinationen zu haben. Für das andere Ende des Bonus-Spektrums bietet Bulgari die Octo Finissimo Ultra COSC an. Auf dem im Dystopie-Schick gehaltenen Wunderwerk ist die Uhrzeit zwar erst auf den zweiten Blick erkennbar. Dafür ist sie trotz ausgefuchster Mechanik nur 1,7 Millimeter dick — wie eine Spaghetti. Sobald sich 20 Liebhaber oder Geschenksuchende finden, die die geforderten 529.000 Dollar auf den Tisch legen, ist die Uhr ausverkauft. Für den Privatier mit Steampunk-Sohn könnte die Bovet Récital 28 Prowess 1 etwas sein. Und für den Valentinstag 2025 vielleicht die Chopard Imperiale mit Perlmuttblumen in Rosa, Diamanten und Padparadscha-Saphiren — für die Dame mit nicht allzu vielen wichtigen Terminen. Für eher klassische Gemüter gab es in Monaco gerade die Rolex 4113 zu ersteigern. Der Hammer fiel bei 3,3 Millionen Dollar.

Was sonst noch passiert ist

  • Britische Boni

  • Freudige Front

  • Israelischer Irrtum

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