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Sind Sie fit für den Aktienmarkt? Teil 1: Kontinuierliche Information und eigene Meinung

Wer erfolgreich in Aktien investieren will, der muss die Börse entweder als seine Arbeit oder zumindest als sein Hobby betrachten. Der Boulevard der Börsen-Pleitiers ist gepflastert mit jenen, die irgendwann einmal geglaubt haben, es reiche völlig aus, auf den heißen Tipp eines guten Freundes oder die reißerische Schlagzeile eines Börsenmagazins zu hören. Es gehört ein gehöriger Zeitaufwand dazu, für den Aktienmarkt fit zu werden und sich fit zu halten. Das ist wie bei einem Leistungssportler - denn Börse ist Wettbewerb.



Es ist zwar nicht so, dass für jeden Euro, den Sie gewinnen, notwendigerweise ein anderer Anleger einen Euro verliert. Aber wenn Sie eine Aktie kaufen, steht auf der anderen Seite ein Verkäufer, der die genau entgegengesetzte Markterwartung hat. Die Frage ist also: Wer hat recht: Sie oder er? Der Börsianer steht im ständigen Wettbewerb mit anderen Anlegern, die auch auf der Suche nach einer auskömmlichen Rendite sind.

Die grundlegende Voraussetzung ist daher ein Verständnis für die Funktionsweisen des Aktienmarktes, die Erteilung von Orders, das Setzen von Limiten. Der nächste Schritt besteht darin, Unternehmensmeldungen und Geschäftsberichte lesen und vor allem verstehen zu können. Dabei ist es nicht wichtig, jede einzelne Fußnote im Anhang des Geschäftsberichts zu studieren. Aber wer eine Aktie kauft, sollte begründen können, warum er dies tut. Schließlich ist es unverzichtbar, die Bewertungsmaßstäbe des Aktienmarktes zu verstehen. Was ist ein Kurs-Gewinn-Verhältnis? Das Wievielfache des Buchwerts kostet eine Aktie gerade? Wer diesen Aufwand scheut, der riskiert Ähnliches wie ein Kunstliebhaber, der ein seltenes Bild ohne Rücksicht auf den Preis ersteigert. Möglicherweise besitzt er danach zwar ein schönes Gemälde, um das ihn viele beneiden. Ob er es jemals zu einem höheren Preis verkaufen wird, ist jedoch zweifelhaft.

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Für all das muss man nicht Betriebswirtschaft studiert haben. Börsianer zu werden kann man ohnehin nicht an der Universität lernen. Aber man sollte ein echtes Interesse an der Börse mitbringen und nicht nur die Lust aufs schnelle Geld.

Dabei ist es durchaus sinnvoll, Anlegermagazine und Börsenbriefe zu lesen, die Aktienempfehlungen aussprechen. Aber Sie sollten eine Aktie niemals deshalb kaufen, „weil XY sie empfohlen hat“. Ein solcher Tipp kann aber durchaus der Beginn einer eigenen Recherche sein. Hört sich die Geschichte interessant an, dann besorgen Sie sich den Geschäftsbericht der Firma und lesen Sie ihn. Studieren Sie die Bewertung der Aktie, insbesondere im Vergleich zu anderen Unternehmen der Branche. Im Internet und in Fachmagazinen gibt es Datenbanken, in denen Sie eine Vielzahl von Unternehmensdaten und Kennziffern finden und vergleichen können. Für besonders gut halte ich das Angebot, das die Zeitschrift Börse Online ihren Lesern und Abonnenten sowohl im Blatt als auch im Internet macht.

Schauen Sie nach Analystenmeinungen und suchen Sie dabei gezielt nach Empfehlungen, die Ihrer eigenen Ansicht widersprechen. Prüfen Sie die Argumente derjenigen, die eine andere Meinung vertreten als Sie selbst. Erst wenn Sie glauben, diese Argumente verwerfen oder vernachlässigen zu können, haben Sie Ihre Hausaufgabe gemacht.

Rufen Sie ruhig auch mal bei dem Unternehmen an, das Sie ins Auge gefasst haben. Die meisten börsennotierten Unternehmen verfügen über sogenannte Investor-Relations-Abteilungen. Dort können Sie Ihre Fragen stellen und um weitere Informationen bitten. Seien Sie neugierig und kritisch. Nur eine Meinung, die alle Argumente ihrer Gegner abgeklopft hat, hat an der Börse eine Chance auf Erfolg.

Über den Autor: Roland Klaus