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Mossul, eine Stadt unter dem IS-Regime

Juni 2014. Die irakische Armee zieht Hals über Kopf aus Mossul ab. Am 11. Juni nimmt ihr Militärkonvoi mit etwa 50 Fahrzeugen Kurs auf Bagdad, die Soldaten sind in Zivil gekleidet. Sie fliehen vor den IS-Dschihadisten. Denen ist es am Vortag, dem 10. Juni, gelungen, Mossul zu erobern. Es gab kaum militärischen Widerstand.

Auf ihrer Flucht lässt die irakische Armee schwere Waffen zurück. Ein großer Fehler, denn dank ihnen gelingt es den islamistischen Kämpfern, Mossul zu ihrer Hochburg auszubauen.

Strategisch gelegen ist es die Hauptstadt der ölreichen Provinz Ninive im Nordirak, in der Nähe der Grenze zur Türkei und zu Syrien. Mit fast 1,5 Millionen Einwohnern ist es die zweitgrößte Stadt im Irak.

Nach dem Sieg der Dschihadisten und der Flucht der Armee bringen sich Zehntausende Menschen in Erbil im irakischen Kurdistan in Sicherheit. Der Soldat Mohammed Hadi kritisiert,

“die Offiziere flohen zuerst und ließen uns allein. Wie aber können Soldaten ohne Kommando handeln? Die Stadt wird sich sicherlich ergeben, Schuld daran sind die Offiziere.”

Massenflucht

In der überwiegend sunnitischen Stadt in einer Region mit kurdischer Mehrheit lebten viele Minderheiten: Kurden, Turkmenen, Schiiten und Christen.

Denke heute besonders an die Menschen in Mossul. Der Bischof ist schon lange geflohen. Vor zwei Jahren noch rund 700 Christen in der Stadt.— Mme Winterberg (@experimentdays) 17. Oktober 2016

Die Mehrheit der Christen flieht, als die IS-Dschihadisten ein Ultimatum aufstellen: der Übertritt zum Islam, die Abgabe einer Sondersteuer, ansonsten droht die Hinrichtung. Die Mehrheit derer, die bleiben, sind arabische Sunniten.

Angesichts der derzeitigen US-geführten Militäroffensive wird mit einer weiteren Flüchtlingswelle gerechnet.

Große #Flucht aus #Mossul bleibt hoffentlich aus, beginnt eventuell aber auch in Tagen. #Nothilfe ist vorbereitet: https://t.co/uYFpfHYR7O pic.twitter.com/QUcJsUBd1h— medico international (@nothilfe) 17. Oktober 2016

Der UN-Nothilfekoordinator hat einen Notfallplan vorbereitet:

IRAQ: UN says Mosul operation in a “worst case” could be the largest humanitarian situation in the world.pic.twitter.com/QfOH97MYsL— Conflict News (@Conflicts) 17. Oktober 2016

Kalifat des so genannten Islamischen Staates

Es ist auch in Mossul, wo die islamistischen Extremisten Ende Juni 2014 ihr Kalifat ausrufen, das sich über Syrien und den Irak erstrecken soll. Auf diesem Amateurvideo richtet sich der mutmaßliche IS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi an die Gläubigen. Die Zurückgebliebenen müssen nach der Scharia leben.

Einen Monat später beginnt die IS-Miliz, schiitische Mausoleen und Heiligtümer zu zerstören. Sie sprengt die Moschee mit dem Grab des Propheten Jonas wie auch das Heiligtum des Set in die Luft, laut christlichem, jüdischem und islamischem Verständnis der dritte Sohn Adam und Evas.

Im Februar 2015 filmen sich die Kämpfer des so genannten Islamischen Staates bei Vandale-Akten, die sich gegen die Schätze des Museums von Mossul richten, die aus der assyrischen und hellenistischen Periode stammen. Ein Zerstörungfeldzug, der weder vor Menschen, noch kulturellem Erbe halt macht.