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Zeichen stehen wieder auf Abschwung: Ifo-Geschäftsklima-Index verschlechtert sich

·Lesedauer: 5 Min.

Kommt jetzt wieder der Abschwung? Die Industrie hat sich zwar unabhängig von den stark steigenden Infektionszahlen im Oktober weiter erholt, die Dienstleister aber leiden.

Die Stimmung in der Industrie seit dem Sommer immer besser geworden. Foto: dpa
Die Stimmung in der Industrie seit dem Sommer immer besser geworden. Foto: dpa

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich mit den stark steigenden Infektionszahlen ins Negative gedreht. Erstmals seit fünf Monaten ist der Ifo-Geschäftsklima-Index im Oktober wieder gefallen, und zwar von 93,2 auf 92,7 Punkte.

Dabei schätzten die 9000 befragten Unternehmenslenker die aktuelle Lage noch leicht besser ein. Klar verschlechtert haben sich aber ihre Erwartungen für die nächsten sechs Monate: Dieser Teil-Index ist von 97,4 auf 95,0 Punkte viel stärker als erwartet gefallen.

„Der Optimismus der Vormonate zur weiteren Geschäftsentwicklung ist wieder verschwunden“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Zeichen stehen demnach nach fünf Monaten Aufschwung wieder auf Abschwung.

Der Ifo-Index ist damit der erste Frühindikator für die Gesamtwirtschaft, der seit Mai eine Trendumkehr der Konjunktur anzeigt. Dieses Barometer hat sich in jüngster Zeit als recht zuverlässig erwiesen.

Seine Trendwende ist ein Indiz dafür, dass sich, solange die Infektionszahlen stark steigen, die Wirtschaft nicht vollständig von der Corona-Rezession des ersten Halbjahres 2020 erholen kann. „Es bedarf keines Lockdowns in Deutschland, um die Konjunktur auszubremsen“, sagt Deka-Bank-Ökonom Andreas Scheuerle.

Die fünf größten Wirtschaftsforschungsinstitute hatten noch Mitte Oktober für das laufende vierte Quartal weiteres Wirtschaftswachstum von 2,1 Prozent gegenüber dem dritten Quartal vorausgesagt. Daran zweifeln inzwischen die Ökonomen von zwei dieser Institute, das Ifo und das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW).

Optimismus bei Dienstleistern ist verschwunden

Im dritten Quartal hatte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach Schätzung der Institute um 6,5 Prozent zugelegt und einen Großteil des Einbruchs um historisch tiefe 9,7 Prozent des zweiten Quartals wieder aufgeholt.

Laut Ifo-Geschäftsklima zeigt sich die Industrie auch im Oktober mit ihrer Lage noch zufriedener als in den Vormonaten. Im verarbeitenden Gewerbe stieg die Zufriedenheit mit der Auslastung der Fabriken. In die Zukunft allerdings blickten die Firmen bereits wieder weniger optimistisch als noch im September.

Den deutlichsten Rückschlag aber verzeichneten die Dienstleistungen. In diesem Sektor ist aller Optimismus für die Zukunft verschwunden, so Fuest. Ebenfalls pessimistischer blicken die Händler auf die nächsten Monate. Sogar im Bausektor, der von der Corona-Rezession bisher verschont geblieben ist, ist die Stimmung jetzt schlechter.

Bis Mitte Oktober hatte bei den Konjunkturbeobachtern noch Zuversicht geherrscht, dass sich die kräftige Erholung des Sommers im vierten Quartal fortsetzen werde. Je stärker allerdings die Neuinfektionen auch in Deutschland stiegen, desto mehr Unsicherheit wurde vor allem in allen Branchen spürbar, die auf persönliche Kundenkontakte angewiesen sind.

Restaurants, Kultur, Veranstaltungen, Events und Tourismus, die Branchen des „sozialen Konsums“, haben sich seit Beginn der Corona-Pandemie im März nicht erholen können. Durch die Ausgangsbeschränkungen in den Städten erfahren sie jetzt einen erneuten Rückschlag.

Stimmung in Industrie war lange „optimistisch gefärbt“

Wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte, lag zum Beispiel im Gastgewerbe der Umsatz zwischen März bis August real um 40,5 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Während die Erlöse im April mit gut 68 Prozent am stärksten sanken, fielen sie nach der zwischenzeitlichen Lockerung von Beschränkungen im August binnen Jahresfrist nur noch um 22 Prozent.

Dagegen war die Stimmung in der Industrie seit dem Sommer immer besser geworden und zu Beginn des Herbstes „durchaus optimistisch gefärbt“, wie es Michael Hüther, Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) formuliert.

Ein wichtiger weiterer Frühindikator, der Einkaufsmanager-Index von IHS-Markit, hatte am Freitag für Deutschland noch robustes Wachstum angezeigt. Der Aufschwung hat sich nach diesem Indikator nicht einmal verlangsamt.

Auch deutsche Ökonomen beobachteten, dass sich die seit September in fast allen anderen EU-Staaten eingeführten Kontaktbeschränkungen und Mini-Lockdowns noch nicht auf hiesige Industrieunternehmen ausgewirkt haben. Denn: Die im Geschäftsleben notwendigen persönlichen Kontakte, einschließlich Geschäftsreisen, sind weiterhin möglich.

Schlechter sieht die Wirtschaftslage allerdings für die Euro-Zone insgesamt aus: Da schrumpft laut der Einkaufsmanager-Umfrage von IHS-Markit die Wirtschaftsleistung erstmals seit Juni wieder leicht.

Besonders schlecht lief es in Frankreich, wo die zweite Corona-Welle deutlich früher eingesetzt hatte als hierzulande.

IHS-Markit-Ökonom Chris Williamson beobachtet europaweit eine „Wirtschaft der zwei Geschwindigkeiten“: Die Industrie wächst so stark wie seit Anfang 2018 nicht mehr – obwohl es in vielen EU-Staaten seit Wochen stetig strengere Ausgangsbeschränkungen gibt. Der Servicesektor dagegen leidet immer stärker unter den verschärften Corona-Einschränkungen.

Der zweite Einbruch wird wahrscheinlicher

Im Herbst jedenfalls hatten alle Konjunkturbeobachter ihre Prognosen für dieses Jahr noch heraufgesetzt. Der Internationale Währungsfonds rechnet inzwischen für Deutschland „nur“ noch mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um sechs Prozent. Die fünf größten Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten, dass das Bruttoinlandsprodukt um 5,4 Prozent schrumpft.

Die Bundesregierung erwartet offiziell noch einen BIP-Rückgang um 5,8 Prozent. Nach Handelsblatt-Informationen aus Regierungskreisen hebt sie die Prognose jedoch leicht auf einen Rückgang von 5,5 Prozent an.

Dabei hatte Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) am Wochenende seinen Optimismus eingeschränkt: Ob Deutschland im nächsten Jahr ein Wachstum von mehr als vier Prozent erreichen werde, hänge sehr davon ab, ob die zweite Corona-Welle in den nächsten Wochen gebrochen werden könne, sagte er.

IfW-Präsident Gabriel Felbermayr äußert sich ebenfalls vorsichtiger. „Es kann sein, dass die Wachstumsrate ins Negative kippt, wenn das Infektionsgeschehen sich nicht abbremst“, sagte er. Noch aber glaubt er nicht an den nächsten Abschwung: Er könnte sich aber vorstellen, dass „das Wachstum auf null sinkt“.

Fundamental ändern würde sich das Konjunkturbild, sollten erneut Grenzen und Schulen geschlossen werden. Im Frühjahr hatten die Grenzschließungen innerhalb der EU Lieferungen erheblich behindert, manche Produktion wurde deshalb heruntergefahren.

Dass Schulen und Kitas offenbleiben, hält Felbermayr für enorm wichtig, weil dann Arbeitnehmer nicht wieder wie im Frühjahrs-Lockdown wegen Kinderbetreuung ausfallen.