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WOCHENAUSBLICK: Dax macht den Realitäts-Check - Wirecard-Zahlen im Fokus

FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach fulminanter Erholungsrally und hartem Rückschlag stehen dem deutschen Aktienmarkt auch in der neuen Woche holprige Handelstage bevor. Mit der Rückkehr fast zurück an die Marke von 13 000 Punkten hatten einige Investoren im Dax <DE0008469008> zuletzt schon wieder auf das Rekordhoch vom Februar bei 13 795 Punkten geschielt. Vorsichtige Signale der US-Notenbank wirkten dann aber als jähe Euphoriebremse und der Dax sackte ab unter die Marke 12 000 Punkten. Diese Abkühlung war aus Sicht vieler Marktbeobachter längst überfällig. Doch nun stellt sich die Frage, ob es sich um einen neuen Trend oder eher einen temporären Rücksetzer handelt. Dies hängt sicher auch vom großen Verfall an den Terminbörsen ab, der Ende der Woche ansteht.

Marktanalysten machen ihre Antwort indes verstärkt am Fortgang der Corona-Pandemie fest, und ob diese unter Kontrolle bleibt. Neue Corona-Ausbrüche in einigen US-Bundesstaaten hatten dort zuletzt die Furcht vor einer zweiten Pandemie-Welle entfacht. Zudem wächst in China die Furcht vor einem erneuten größeren Ausbruch des Coronavirus, nachdem auf einem Großmarkt der chinesischen Hauptstadt Peking viele Infektionen entdeckt worden waren.

In den Tagen zuvor hatte zudem US-Notenbank-Chef Jerome Powell einen sehr unsicheren Weg für die Wirtschaft in Aussicht gestellt. Dies passte wenig zu den Hoffnungen der Aktionäre auf eine rasante Konjunkturerholung. An der Wall Street kam es daraufhin in der abgelaufenen Woche zu einer panikartigen Kehrtwende, die auch den deutschen Markt mit nach unten zog.

Derzeit macht das Stichwort vom Realitäts-Check die Runde, nachdem die Kurse in den vergangenen Wochen in ihrem Aufwärtstrend der Realwirtschaft weit vorweg gelaufen waren. So hatte sich etwa der Dax von seinem Corona-Tief Mitte März bei 8255 Punkten bis zum vorläufigen Hoch am vergangenen Montag bei 12 913 Punkten um gut 56 Prozent nach oben abgesetzt.

Dabei hatten die Investoren auf eine steile, V-förmige Erholung von der schweren Corona-Rezession gesetzt, und damit quasi den Optimalfall angenommen. Berenberg-Chefökonom Holger Schmieding weist zwar darauf hin, dass die Mehrheit der jüngsten Konjunkturdaten aus den Industrieländern tatsächlich auf einen Aufschwung im Mai nach dem Tiefpunkt im Vormonat hindeute. Die Anleger müssten sich allerdings darauf einstellen, dass nach der schrittweisen Lockerung die Konsumausgaben und die Investitionen der Unternehmen noch eine Zeitlang dem Angebot hinterherhinken dürften.

Dennoch sind nach Einschätzung des Marktbeobachters Andreas Büchler von Index-Radar die jüngsten Einbußen im Dax noch kein absolutes Negativ-Signal. Allerspätestens bei der Marke um 10 700/800 Punkten sollte die aktuelle Konsolidierung in einem "gesunden" Aufwärtstrend" wieder anhalten, glaubt der Chartexperte. Eigentlich warte bereits bei 11 200 Punkte eine solide Auffangmarke.

Die Agenda für die kommende Woche ist zwar gut bestückt, allerdings liegen mit den Sitzungen von Europäischer Zentralbank (EZB) und Fed sowie dem US-Arbeitsmarktbericht wohl die wichtigsten Impulsbringer bereits hinter den Börsianern. Gerechnet wird mit einer Fortsetzung anziehender Wirtschaftsindikatoren wie etwa dem ZEW-Index am Dienstag und US-Indikatoren wie etwa dem Philly Fed am Donnerstag.

Ebenfalls am Dienstag fällt die Bank of Japan ihren Zinsentscheid, die britische Notenbank folgt zwei Tage später. Chefanlagestratege Chris Oliver-Schickentanz von der Commerzbank rechnet damit, dass die britischen Währungshüter zudem die Obergrenze für ihre Anleihekäufe um weitere 100 Milliarden Pfund erhöhen werden. Zudem beginnt der Gipfel, auf dem die EU-Staats- und Regierungschefs erstmals den gemeinsamen 750 Milliarden Euro schweren Corona-Rettungsfonds diskutieren.

Auf Unternehmensseite will am Donnerstag dann endlich der Zahlungsabwickler Wirecard <DE0007472060> detaillierte Jahreszahlen für 2019 vorstellen. Der wegen angeblicher Bilanzmanipulationen unter Druck stehende Zahlungsdienstleister hatte die Veröffentlichung mehrfach verschoben, weil der Wirtschaftsprüfer EY nicht alle Prüfungshandlungen abschließen konnte./tav/ag/ajx/mis

--- Von Tanja Vedder, dpa-AFX ---