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VW hält sich Möglichkeit eines Börsengangs von Porsche offen

Reuters
·Lesedauer: 3 Min.

Die Umstellung zur Elektromobilität verursacht hohe Kosten für den Autobauer. Ein Börsengang von Porsche bleibt für VW eine Option – konkret sind die Pläne nicht.

Vor gut zwei Jahren hatte Finanzchef Lutz Meschke mit Aussagen zum möglichen Börsenwert des Sportwagenbauers, den er auf 60 und 70 Milliarden Euro schätzte, Spekulationen über einen Gang an die Börse angeheizt. Foto: dpa
Vor gut zwei Jahren hatte Finanzchef Lutz Meschke mit Aussagen zum möglichen Börsenwert des Sportwagenbauers, den er auf 60 und 70 Milliarden Euro schätzte, Spekulationen über einen Gang an die Börse angeheizt. Foto: dpa

Angesichts der enormen Investitionen in die Elektromobilität hält sich Volkswagen die Möglichkeit eines Börsengangs seiner Sportwagentochter Porsche offenbar weiter offen. „Diese Überlegungen gibt es“, sagte eine Person mit Kenntnis der Diskussion der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. „Das wäre eine Möglichkeit, um Geld in die Kassen zu bringen.“

Die Überlegungen seien aber noch weit entfernt davon, dass Gremien damit befasst wären. In diesem Jahr sei nicht damit zu rechnen. Der weiterer Insider verwies darauf, dass schon länger über einen Börsengang von Porsche diskutiert werde.

Weder die Holding Porsche SE, über die die Familien Porsche und Piëch die Mehrheit an dem Wolfsburger Autobauer halten, noch der Autobauer selbst wollten sich äußern. „Wir kommentieren die Gerüchte um einen Porsche-IPO nicht“, erklärte VW.

Zuletzt hatte das „Manager Magazin“ berichtet, Volkswagen prüfe einen mittelfristigen Börsengang von Porsche, um sich Finanzierungsquellen für seine beschleunigte Elektrooffensive zu erschließen. Das Unternehmen erwäge diverse Möglichkeiten, um den Wert des Konzerns zu erhöhen. Dazu gehöre auch, Porsche-Aktien an der Börse zu platzieren.

In dem Fall werde man allerdings höchstens ein Viertel der Anteile abgeben, zitierte das Magazin Insider. Der mögliche Wert eines solchen Aktienpakets werde intern in Wolfsburg auf 20 bis 25 Milliarden Euro geschätzt.

Ein Mitglied der Konzernspitze habe allerdings gebremst, in diesem Jahr werde es damit „jedenfalls nichts mehr“. Volkswagen ist aktuell an der Börse rund 88 Milliarden Euro wert. Zum Vergleich: Der Elektroautobauer Tesla, an dem sich Volkswagen-Chef Herbert Diess misst, ist an der Börse 766 Milliarden Dollar wert.

VW-Aktien bauten am Donnerstag ihre Kursgewinne aus und legten bis zu 5,7 Prozent auf den höchsten Stand seit knapp vier Wochen zu.

Vorbild Daimler

Diess sucht schon länger nach Wegen, um den Börsenwert von Volkswagen zu erhöhen. Diese Überlegungen könnten vor dem Hintergrund der Pläne von Daimler, die Lkw-Sparte an die Börse zu bringen und der damit verbundenen Erwartungen an eine höhere Bewertung wieder Fahrt aufgenommen haben, glauben Konzernkenner.

Diess will den Konzern vom reinen Fahrzeugbauer zu einem software- und servicegetriebenen Mobilitäts- und Technologiekonzern umformen. Das verschlingt Milliarden über Milliarden, wird andererseits jedoch auch als unumgänglich erachtet, um sich gegenüber der Marktmacht etwa der amerikanischen und asiatischen IT-Riesen sowie Newcomern wie Tesla abzusichern.

Apple testet Technik fürs autonome Fahren – seit Jahren halten sich auch hartnäckig Gerüchte, die Firma könnte mit Partnern in den Autobau selbst einsteigen. Google investiert große Summen in Technologien rund um das autonome Fahren.

„Unsere Marktbewertung steckt noch im Bereich der alten Autoindustrie“, sagte Diess kürzlich der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Das führt zu gravierenden Nachteilen für uns beim Zugang zu benötigten Ressourcen.“

Frisches Geld würde der VW-Gruppe aber auch bei der Überwindung der derzeitigen Absatzflaute durch die Corona-Pandemie helfen. Das Jahr 2020 schloss der Konzern mit einem Verkaufsminus von gut 15 Prozent ab.

Zwar gelang ein Jahresendspurt, und auch die Auslieferungen von Elektro- und Hybridwagen legten für sich genommen stark zu. Dies lag allerdings auch an den staatlichen Kaufzuschüssen sowie – bei anderen Antrieben – an Vorzieheffekten bei Kunden durch das Ende der Mehrwertsteuer-Senkung.

Volkswagen hatte Insidern zufolge im vergangenen Jahr auch einen möglichen Verkauf der Luxussportwagenmarke Lamborghini und des Motorradherstellers Ducati durchgespielt. Als der Aufsichtsrat als Teil des Kompromisses zwischen Diess und Betriebsratschef Bernd Osterloh im Dezember entschied, dass beide Marken im Konzern bleiben sollen, wurde es still um diese Pläne.

Vor gut zwei Jahren hatte Porsches Finanzchef Lutz Meschke mit Aussagen zum möglichen Börsenwert des Sportwagenbauers, den er auf 60 und 70 Milliarden Euro schätzte, Spekulationen über einen Gang an die Börse angeheizt.

Er hatte in einem Zeitungsinterview gesagt, das Beispiel der an die Börse gebrachten Fiat-Tochter Ferrari zeige, welche positiven Auswirkungen ein solcher Schritt in der aktuellen Transformation der Branche haben könne. Meschke war damals von der Wolfsburger Konzernzentrale zurückgepfiffen worden.