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Ein verbreitetes Missverständnis führt dazu, dass viele Menschen ein falsches Bild von der Viertagewoche haben

·Lesedauer: 3 Min.

Im Jahr 2018 gab das neuseeländische Unternehmen Perpetual Guardian jedem seiner 230 Mitarbeitenden einen Tag pro Woche frei. Nach dem achtwöchigen Versuch meldete es einen Produktivitätssprung von 20 Prozent und machte die Viertagewoche zu einer dauerhaften Richtlinie. Der Erfolg war so groß, dass die ehemalige Vertriebs- und Marketingdirektorin von Perpetual Guardian, Charlotte Lockhart, und der CEO Andrew Barnes 2018 die Kampagne „4 Day Week Global“ ins Leben riefen. Sie wollten andere Unternehmen dazu ermutigen, ihre eigenen Pilotprojekte durchzuführen. Im Juli gab Kickstarter bekannt, dass es sich daran beteiligt.

„Wenn ihr vor 18 Monaten gefragt worden wärt, ob man die Welt vom Küchentisch aus regieren kann, hättet ihr nein gesagt“, sagte Lockhart der US-Ausgabe von Business Insider. Sie fügte hinzu, dass das Konzept der Viertagewoche dazu beitragen könne, lang anhaltende Probleme am Arbeitsplatz wie Burnout und Produktivität zu bekämpfen. Aber es gebe auch einige Missverständnisse darüber, wie eine Viertagewoche in der Praxis funktioniert.

Es geht um eine verkürzte Arbeitszeit und nicht um ein verlängertes Wochenende

Der Begriff der Viertagewoche sei an sich schon etwas irreführend, räumt Lockhart mit Humor ein: „Leider ist eine ‚stundenreduzierte Arbeitswoche‘ nicht so Clickbait-kompatibel.“ Es geht nicht unbedingt darum, einen ganzen Tag freizunehmen, sondern zu prüfen, wie Unternehmen die Arbeitszeit reduzieren können – vor allem ohne Lohnkürzungen. Letztendlich solle man gezielte Gespräche über Produktivitätsverbesserungen führen. In zwei aktuellen Studien aus Island, die wegen ihres „überwältigenden Erfolges“ Schlagzeilen machten, zeigte sich, dass Arbeitnehmer ihre Wochenarbeitszeit reduzierten – von etwa 40 auf 35 bis 36 Stunden – anstatt die Anzahl der Bürotage zu verringern.

Die Arbeitnehmer sollten auch die Idee eines langen, dreitägigen Wochenendes als Norm fallen lassen, so Lockhart. Es gibt zwar Unternehmen, die dieses Modell anbieten, aber es kann verschiedene Formen annehmen. Während des ursprünglichen achtwöchigen Versuchs änderte Perpetual Guardian sein Arbeitsmodell und gab allen Mitarbeitenden einen Tag pro Woche frei. Sie wurden für 37,5 Stunden bezahlt, arbeiteten aber nur durchschnittlich 30 Stunden pro Woche. „Nicht jedes Geschäft kann seine Türen an einem Freitag schließen, das ist einfach nicht praktikabel. Wir wollten nicht, dass der Kundenservice leidet, also haben wir den Mitarbeitern gesagt, dass sie eine Zeit finden müssen, die für sie geeignet ist“, so Lockhart.

Also nahmen die Mitarbeiter zwischen Montag und Freitag unterschiedliche freie Tage. Verschiedene Faktoren beeinflussten dabei ihre Wahl – beispielsweise ihre Familiensituation oder die Struktur ihres Teams. Es ist auch wichtig anzuerkennen, dass oberflächlich betrachtet immer zusätzliche Kosten für die Reduzierung der Arbeitszeit anfallen, so Lockhart.

Im Jahr 2017 wurden die Arbeitstage von 80 Pflegekräften in Göteborg, Schweden, auf sechs Stunden reduziert. Die Stadtverwaltung musste 17 zusätzliche Mitarbeitende einstellen, um die zusätzlichen Stunden abzudecken – was Kosten in Höhe von 738.000 US-Dollar verursachte. Das entspricht einer Lohnerhöhung von etwa 22 Prozent. Die zusätzlichen Kosten für die Absicherung des Gesundheitspersonals während der beiden jüngsten isländischen Versuche im öffentlichen Sektor fügten dem Jahresbudget der Regierung von sieben Milliarden Dollar insgesamt 30 Millionen Dollar hinzu. Lockhart zufolge geht es um einen Kompromiss zwischen einem gesteigerten Wohlbefinden und den unmittelbaren Kosten.

Die Viertagewoche ist nicht für jedes Unternehmen geeignet

Chris Weller von der US-Ausgabe von Business Insider hat argumentiert, dass eine Viertagewoche zumindest für die meisten US-amerikanischen Berufstätigen eine Fantasie bleiben wird. Und wie bei jeder Form von Veränderungsprogramm wird der Erfolg einer Viertagewoche von der Unternehmenskultur abhängen. „Wenn ihr am Arbeitsplatz eine Mobbing-Kultur habt, dann werdet ihr auch weiterhin eine Mobbing-Kultur am Arbeitsplatz haben. Wenn ihr eine Kultur der Überarbeitung habt, dann müssen zunächst ganz andere Gespräche darüber geführt werden, wie ihr das ändern könnt“, sagt Lockhart. Der größte Faktor ist das Vertrauen innerhalb des Unternehmens. Und ebenso wenig geht es Lockhardt zufolge bei der Viertagewoche darum, „eine gute Unternehmenskultur damit zu ersetzen.“

Dieser Artikel wurde von Steffen Bosse aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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