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US-WAHL/Ökonom Fratzscher: Sorgen um deutsche Wirtschaft bei Wahlsieg Trumps

·Lesedauer: 2 Min.

BERLIN (dpa-AFX) - DIW-Chef Marcel Fratzscher macht sich im Falle einer zweiten Amtszeit von Präsident Donald Trump mehr Sorgen um die deutsche als um die US-Wirtschaft. "Ich habe die Sorge, dass Deutschland wirtschaftlich mehr zu verlieren hat als die USA unter Präsident Trump", sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) der Deutschen Presse-Agentur. "Wenn Trump die Wahl gewinnt, wird die Demokratie in den USA Schaden nehmen, ebenso der Multilateralismus. Wirtschaftlich gesehen mache ich mir mittelfristig aber weniger Sorgen." Die US-Wirtschaft werde weiter sehr dynamisch sein.

Aus Fratzschers Sicht ist Europa zu wenig handlungsfähig. "Wir haben keine gemeinsame Stimme und es gibt keine treibende Kraft, die sich gegenüber den USA und China durchsetzen kann", sagte der DIW-Präsident. "Die USA und China werden zunehmend nationalistisch und es besteht die Gefahr, dass Europa hinten runterfällt."

Sollte der demokratische Präsidentschaftskandidat Jo Biden die Wahl gewinnen, erwartet Fratzscher einen Kurswechsel in der US-Innenpolitik. "Biden wird versuchen, die Spaltung der Gesellschaft zu verringern." Auch international könnte sich viel ändern. "Auf globaler Ebene dürfte Biden einiges reparieren, zum Beispiel die Haltung der USA zum Pariser Klimaschutzabkommen."

Zugleich dämpfte Fratzscher die Erwartungen, dass sich die USA unter Biden verstärkt für internationale Zusammenarbeit und multilaterale Verträge einsetzen würden. "Wir sollten nicht erwarten, dass die USA unter Biden die Rolle des Treibers des Multilateralismus übernehmen. Auch Biden hat durchaus protektionistische Züge. Die Welt der 80er und 90er Jahre werden wir auch unter Biden nicht sehen."

Bei den Gesprächen zwischen der EU und Großbritannien über einen Handelsvertrag rechnet Fratzscher trotz aller Konflikte eher mit einer Einigung. "Ich halte es für extrem unwahrscheinlich, dass es gar keine Vereinbarung gibt. Ich rechne damit, dass sich die EU und Großbritannien zunächst auf einen Mini-Deal einigen."