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Unternehmen halten sich bei Einstellungen zurück – Ifo-Barometer sackt ab

Bisher hat vor allem die in der Rezession steckende Industrie das Barometer gedrückt. Nun ist es der Arbeitsmarkt. Auswirkungen der Corona-Epidemie seien das noch nicht.

Nicht nur die Industrie, sondern auch die Dienstleister, die sich im Januar noch als Beschäftigungsmotor gezeigt hatten, stehen auf der Bremse. Foto: dpa

Zu Jahresbeginn herrschte noch Optimismus auf dem Arbeitsmarkt, doch der ist verflogen. Die Unternehmen sind bei Einstellungen so zurückhaltend wie lange nicht. Darauf deutet der Absturz des Ifo-Beschäftigungsbarometers hin.

Der Indikator, den die Münchner Konjunkturforscher monatlich exklusiv für das Handelsblatt berechnen, ist im Februar von 99,6 auf 98,1 Zähler gesunken. Einen niedrigeren Stand hatte das Barometer, das auf den Beschäftigungsabsichten von 9000 Unternehmen fußt, zuletzt Ende 2014. Der Rückgang im Monatsvergleich fiel so stark aus wie seit Dezember 2008 nicht mehr.

Dass sich hier schon Auswirkungen der Corona-Epidemie zeigen, hält Ifo-Experte Klaus Wohlrabe aber für unwahrscheinlich. Die meisten befragten Unternehmen hätten die Antworten zu ihren Personalplänen schon geliefert, bevor sich die Corona-Krise ab Mitte Februar zuspitzte.

Anders als der Ifo-Indikator ist das IAB-Arbeitsmarktbarometer, das auf einer Befragung unter allen Arbeitsagenturen basiert, im Februar leicht um 0,1 Zähler auf 102,0 Punkte gestiegen. Auch das Ifo-Geschäftsklima, das die Konjunkturaussichten widerspiegelt, hatte sich am Montag überraschend aufgehellt.

Bisher war es vor allem die in der Rezession steckende Industrie, die das Ifo-Barometer drückte. So ist im vierten Quartal 2019 im produzierenden Gewerbe (ohne Bauwirtschaft) die Zahl der Erwerbstätigen gegenüber dem Vorjahr erstmals seit neun Jahren gesunken, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Eine rasche Trendumkehr ist nicht zu erwarten: Der Ifo-Teilindikator für das verarbeitende Gewerbe ist weiter gesunken, mehr Firmen wollen Personal abbauen als neue Mitarbeiter einstellen.

Jetzt stehen aber auch die Dienstleister auf der Bremse, die sich im Januar noch als Beschäftigungstreiber gezeigt hatten. Der entsprechende Teilindikator fiel auf den niedrigsten Stand seit einem halben Jahr. Das Bauhauptgewerbe sucht weiter Personal, im Handel zeigt sich wenig Bewegung bei der Beschäftigung.

IG Metall verhandelt weiter

Die Furcht vor Jobverlusten bestimmt auch die laufende Tarifrunde für rund vier Millionen Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie. Der IG-Metall-Vorstand gab am Mittwoch grünes Licht für die Fortsetzung der Gespräche über Zukunftstarifverträge zur Beschäftigungssicherung. Die Gewerkschaft verzichtet auf eine bezifferte Lohnforderung, erwartet aber, dass die Arbeitgeber nicht einseitig Personal abbauen oder Standorte schließen.

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall begrüßte die Entscheidung zur Fortsetzung der Gespräche, die möglichst innerhalb der Ende April auslaufenden Friedenspflicht zu einem Ergebnis kommen sollen: „Der heutige Beschluss des IG-Metall-Vorstandes bestätigt, wie ernst die Lage ist“, teilte der Verband mit.