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Trumpf sieht Anzeichen für Ende der Konjunktur-Talfahrt

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Firmenchefin Nicola Leibinger-Kammüller sieht die schlimmsten Auswirkungen der Pandemie bald überwunden. Dank Laser-Technologie steht Trumpf besser da als die Konkurrenz.

Das Unternehmen hatte schon vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie unter dem konjunkturellen Abschwung zu leiden. Foto: dpa
Das Unternehmen hatte schon vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie unter dem konjunkturellen Abschwung zu leiden. Foto: dpa

Der Maschinenbauer Trumpf könnte die schwersten Folgen von Coronakrise und Konjunkturflaute nach eigener Einschätzung bald hinter sich haben. „Wir sehen vorsichtige Anzeichen für das Ende der konjunkturellen Talfahrt, wenn auch noch keinen Aufschwung“, sagte Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller, am Mittwoch am Sitz des Laser-Spezialisten in Ditzingen bei Stuttgart.

Der Konzern konnte in den ersten drei Monaten des im Juli begonnenen Geschäftsjahres den Rückgang bei Umsatz und neuen Aufträgen stoppen. Damit die zarte Erholung nicht gefährdet ist, wünscht sich die Trumpf-Chefin von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ein konsequentes Vorgehen: „Wir brauchen unbedingt einheitliche Regelungen.“ Damit steige die Akzeptanz in der Bevölkerung, denn nur mit viel Disziplin lasse sich ein zweiter Shutdown verhindern.

Dass Trumpf insgesamt deutlich besser als der Rest der Branche abschneidet, liegt vor allem an der Hochtechnologie mit EUV-Lasern. Die extrem ultraviolette Lichtquelle setzt der niederländische Kunde ASML in Anlagen zur Halbleiterbelichtung ein. Sie ermöglicht noch feinere Strukturen auf Halbleiterschichten. Dadurch werden Chips in der nächsten kleiner und gleichzeitig leistungsfähigerer.

Kunden sind die drei Chipgiganten Samsung und Intel sowie der weltgrößte Auftragsproduzent TSMC aus Taiwan. Beispielsweise das neue iPhone von Apple hat einen solchen EUV-Chip.

Weit über ein Jahrzehnt hat Trumpf einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag in die Technologie investiert. Jetzt zahlt sich die Geduld aus. Der Umsatz mit EUV stieg bei Trumpf um 20 Prozent auf 460 Millionen Euro, Tendenz weiter steigend. Derzeit produzieren die Niederländer 40 Anlagen im Jahr, geplant sind bis zu 60.

„Wir erwarten weiteres Wachstum. Mit der Technologie kann man noch viel machen“, sagt Trumpfs Technik-Chef Peter Leibinger, Bruder von Nicola Leibinger-Kammüller.

ASML übertraf mit seinen ebenfalls am Mittwoch vorgelegten Quartalszahlen die Erwartungen der Analysten. Im Zeitraum Juli bis September erreichte der Umsatz 3,96 Milliarden Euro und lag damit über den Markterwartungen. ASML-Finanzvorstand Roger Dassen kündigte für 2021 ein weiteres zweistelliges Umsatzwachstum an.

Der hohe Auftragseingang rührt von der Monopolstellung bei der EUV-Technologie und dem anziehenden Geschäft der Chipkunden. Durch Corona stieg die Nachfrage nach Laptops, Video-Konferenzsystemen und mobilem digitalen Arbeiten.

Rendite kann sich sehen lassen

Das Unternehmen mit seinen weltweit mehr als 14.000 Beschäftigten hatte schon vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie unter dem konjunkturellen Abschwung zu leiden. „Corona hat den Rückgang vor allem in der größten Sparte Werkzeugmaschinen zusätzlich verstärkt – als Krise in der Krise“, sagte Leibinger-Kammüller. Das Unternehmen steuerte mit Kostensenkungen und Abbau von Arbeitszeitkonten gegen.

Der Gesamtumsatz ging im abgelaufenen Geschäftsjahr allerdings nur um acht Prozent auf rund 3,5 Milliarden Euro zurück. Damit falle der Rückgang schwächer aus als im Maschinenbau insgesamt, betonte Leibinger-Kammüller. Der Auftragseingang ging um elf Prozent auf 3,3 Milliarden Euro zurück. Auch Trumpf griff auf Kurzarbeit zurück.

Die Rendite kann sich noch trotz Corona sehen lassen. Das operative Ergebnis sank um 11,5 Prozent auf 309 Millionen Euro. Durch Kostensenkungen und das Zurückfahren von Investitionen sei die operative Rendite mit 8,9 Prozent nahezu auf Vorjahresniveau gehalten worden, hieß es. Der Wert gibt den Anteil des operativen Ergebnisses am Umsatz an und ist damit ein Maß für die Profitabilität. Unterm Strich ging der Gewinn von rund 146 Millionen Euro auf gut 132 Millionen Euro zurück.

Ohne den Einstieg in die Halbleitertechnologie wären die Zahlen in diesem Jahr deutlich schlechter geworden. Trumpf ist bekannt sich auch mit langem Vorlauf in neue Märkte vorzukämpfen. Nächstes Langzeitprojekt ist die Datenübertragung per Laser.

Aktuell will das Familienunternehmen zusammen mit dem Rückversicherer Munich Re ein neues Geschäftsmodell für die Industrie aufsetzen. Dabei sollen Kunden eine Laserschneidemaschine künftig nicht mehr kaufen oder leasen müssen, sondern für jedes geschnittene Teil einen festen Preis bezahlen, um flexibler auf Marktschwankungen reagieren zu können.

Die Maschinen, die Trumpf an eine Zwischengesellschaft verkauft, steht dann im Werk des Kunden. Das Risiko wird zwischen Trumpf, dem Versicherer und dem Kunden aufgeteilt. Damit können auch mittlere Kunden Highend-Anlagen nutzen, deren Anschaffung für sie zu groß gewesen wäre.

Das System soll mit vier Kunden ein Jahr lang getestet werden. „Dann sehen wir weiter“ sagt Digitalchef Mathias Kammüller. Der Ehemann von Leibinger-Kammüller ist in der Geschäftsführung für das Projekt verantwortlich.