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TEAMVIEWER IM FOKUS: Dank Corona-Krise auf der Überholspur

·Lesedauer: 5 Min.

GÖPPINGEN/FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Software von Teamviewer verkauft sich derzeit wie geschnitten Brot. Als 2019 der größte Tech-Börsengang in Deutschland seit Platzen der Dot-Com-Blase hingelegt wurde, war es noch nicht absehbar, dass ein neuartiger Coronavirus die Nachfrage nach oben katapultieren und eine neue Kursrakete zünden wird. In Zeiten von Home-Office ist das Unternehmen mit seinen Lösungen für Online-Zusammenarbeit und Fernsupport zum Gewinner der Pandemie geworden. Was aktuell bei Teamviewer los ist, wie Analysten die Lage bewerten und was die Aktie macht.

DAS IST LOS IM UNTERNEHMEN:

Teamviewer bietet Software an, die eine Fernwartung von Computern und anderen Endgeräten ermöglicht. Weil der Konzern zudem Videokonferenzlösungen anbietet, erfüllt Teamviewer genau den Bedarf, der in Zeiten der Pandemie angesichts sprunghaft angestiegener Home-Office-Tätigkeit und ausgefallener Geschäftsreisen besteht.

Die Nachfrage nach den Lösungen im Zuge der Corona-Krise hat sich im bisherigen Jahresverlauf bereits bemerkbar gemacht: Die Anzahl der zahlenden Kunden - für Privatanwender ist die Software kostenlos - konnte das Unternehmen aus Göppingen im ersten Quartal 2020 deutlich steigern. Gab es Ende 2019 noch 464 000 Abonnenten, waren es bis Ende März schon über 514 000.

Im Umsatz schlug sich die erhöhte Nachfrage noch nicht so schnell nieder, da sich die Erlöse im Abonnentenmodell auf mehrere Monate verteilen. Teamviewer verwendet daher mit den so genannten Billings eine Kennziffer für die binnen zwölf Monaten erwarteten Einnahmen. Diese kletterten zwischen Januar und März im Vorjahresvergleich um 75 Prozent auf knapp 120 Millionen Euro. Mit dem Abo-Modell ist Teamviewer in der Branche ein Vorreiter. Manch anderer Softwarekonzern tut sich mit der Umstellung von Lizenz- auf Abo-Konzepte schwer.

Bei der Zahlenvorlage im Mai hat Teamviewer das Ziel für die Billings im Gesamtjahr von ehemals 430 Millionen Euro auf rund 450 Millionen Euro angehoben. Allerdings zeichnet sich ab, dass es sich dabei um einen vorübergehenden Effekt handelt. Darauf wies Teamviewer auch schon im März hin. Die starke Nachfrage infolge der Pandemie habe sich gegen Ende April abgeschwächt und im Mai weitgehend normalisiert, sagte Finanzchef Stefan Gaiser zuletzt bei der Zahlenvorlage.

DAS MACHT DIE AKTIE:

Teamviewer ging erst im September 2019 an die Börse. Hauptprofiteur war der Finanzinvestor Permira, der Jahre zuvor 870 Millionen Euro für Teamviewer gezahlt hatte. Ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass das Unternehmen mittlerweile 8,6 Milliarden Euro wert ist und damit neben vier Dax-Papieren auch andere Branchenwerte im MDax in den Schatten stellt. Der Bausoftware-Hersteller Nemetschek <DE0006452907> der Arztpraxen-Spezialist Compugroup <DE0005437305> und die Software AG kommen derzeit als MDax-Branchenkollegen auf Marktwerte zwischen 2,5 und 7,5 Milliarden. Der im Dax notierte Softwaregigant SAP spielt freilich in einer anderen Liga.

Der Ausgabepreis beim Börsengang lag bei 26,25 Euro. Direkt danach kämpften die Aktien erst einmal mit einer allgemeinen Schwäche des Technologiesektors, im Tief waren sie kurze Zeit später für 21,38 Euro zu haben. Doch dann ging es schnell nach oben, kurz vor Weihnachten passierten sie erstmals die 30-Euro-Marke, wo sie bis zum Corona-Crash im Februar auch blieben. Als das Virus sich in Europa breit machte, musste Teamviewer auch noch den vorläufig errechneten Gewinn für 2019 aus Gründen der Steuerbilanzierung nach unten korrigieren. Ende Februar erreichte der Kurs dann den tiefsten Stand im bisherigen Jahresverlauf. Die Aktie kostete nur noch knapp 22 Euro.

Das ist allerdings bereits fast zwei Monate her und seitdem hat sich der Kurs in einer Rekordrally binnen weniger Wochen mehr als verdoppelt, bis die Aktie vor wenigen Tagen 45,65 Euro wert war. Denn mittlerweile hat sich herauskristallisiert, dass der Softwareanbieter von der Pandemie profitiert. Dann kam wieder Permira ins Spiel: Schon Anfang März hatte der Investor den Kurs zwischenzeitlich mit dem Verkauf von Anteilen gebremst. Vor einer Woche nutzte er dann den guten Lauf, um weitere 25 Millionen Aktien loszuschlagen. Die Rally fand vorerst ein Ende, neuerdings bewegen sich die Papiere zwischen 40 und 44 Euro. Permira hält jetzt noch 39 Prozent der Anteile.

DAS SAGEN DIE ANALYSTEN:

Die Erfolgsgeschichte von Teamviewer ist in den vergangenen Monaten auch international kein Geheimnis geblieben. Mittlerweile beschäftigen sich alle bedeutenden Investmentbanken und Analysehäuser mit der Aktie, darunter Wall-Street-Größen wie JPMorgan, Goldman Sachs oder Morgan Stanley. Fast alle blicken sie mit "Buy", "Outperform" oder "Overweight" nach wie vor optimistisch auf die Aktie.

Mit der jüngsten Entwicklung in Corona-Zeiten erntet das Unternehmen bei den Experten weiterhin viel Lob. Armin Kremser von der DZ Bank sprach von einem "bombastischen" ersten Quartal. Die angehobene Prognose für die Billings hält eine ganze Schar von Fachleuten für noch immer konservativ, darunter auch Mohammed Moawalla von Goldman Sachs. Er verwies auf geplante Investitionen, um das Wachstum anzuheizen, liegt mit einem Ziel von 50 Euro aber nur im Mittelfeld. Mit 51 Euro nennt die Berenberg Bank eine etwas höhere Zielmarke, die DZ Bank sieht den fairen Wert sogar bei 56 Euro.

Mit der Commerzbank gab es aber zuletzt auch eine erste Bank, die nach dem Erreichen ihres 45-Euro-Kursziels ein Ende der Fahnenstange sieht. Analyst Stephan Klepp hatte vor einer Woche seine Kaufempfehlung für die Papiere aufgegeben und betont, dass er bei Teamviewer in den nächsten Quartalen mit weniger Schwung rechnet. Auch George Webb von Morgan Stanley erwähnte zuletzt, dass es nun unsicher sei, inwieweit die Viruskrise die Nachfrage nach den Produkten nachhaltig verändere.