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Sparkassen verteidigen Erhebung von Negativzins für mehr Kunden

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(Bloomberg) -- Der Sparkassen-Präsident von Baden-Württemberg hat die Entscheidung vieler Kreditinstitute verteidigt, Negativzinsen auf hohe Guthaben von Privatkunden zu erheben. Sinkende Gewinne im laufenden Jahr könnten damit trotzdem nicht verhindert werden.

“Wir müssen leider davon ausgehen, dass es eine Zinswende auf Jahre hinaus nicht geben wird”, sagte Peter Schneider am Donnerstag bei der Vorlage von Halbjahreszahlen der 50 Sparkassen in seinem Verbandsgebiet. „Daher sind Kreditinstitute gezwungen, Verwahrentgelte auf hohe Einlagensummen zu erheben. Dies gilt insbesondere für neue Kunden.”

Zuletzt hatten viele Banken den Kreis betroffener Kunden stark ausgeweitet. Die Schwelle von Freibeträgen, bis zu denen keine negativen Zinsen berechnet werden, liegt oftmals längst deutlich unter 100.000 Euro. Und zum anderen binden Kreditinstitute zunehmend auch bestehende Kunden in den Kreis derer ein, die Verwahrentgelte zahlen sollen. Auch bei den Branchenriesen Deutsche Bank AG und Commerzbank AG sind Negativzinsen kein Tabu.

Mit den Gebühren auf das Halten von Bargeld reagieren die Banken nicht zuletzt auf eine Flut von Einlagen. Allein bei den Sparkassen in Baden-Württemberg stiegen sie zwischen Juni 2020 und Juni 2021 um rund 11 Milliarden Euro auf nun 162 Milliarden Euro an, wie Schneider sagte. Damit sei die Grenze von 160 Milliarden Euro erstmals überschritten worden.

“So viele Kredite können die Sparkassen gar nicht vergeben, wie neue Einlagen eintreffen“, erklärte Schneider. „Daher müssen auch die Sparkassen wie alle Banken in Deutschland einen Teil ihrer überschüssigen Liquidität bei der EZB zu einem negativen Zins parken.” Dies bringe zwangsläufig Belastungen mit sich, die sich die Sparkassen zum Teil von Kunden zurückholen.

Für 2021 rechnet Schneider dennoch mit einem sinkenden Gewinn seiner Sparkassen. Erzielten die baden-württembergischen Institute 2020 noch ein Betriebsergebnis vor Bewertung von 1,54 Milliarden Euro, so dürften es 2021 nur rund 1,37 Milliarden Euro sein, sagte er.

Dabei spielen aber auch andere Faktoren als das Niedrigzinsumfeld eine Rolle. Bei der Risikovorsorge für möglicherweise ausfallende Kredite planen die Sparkassen beispielsweise erneut mehr Geld ein. Ende 2020 lag diese bei 216 Millionen Euro, jetzt kalkulieren die Institute mit 320 Millionen Euro für das laufende Jahr.

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©2021 Bloomberg L.P.

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