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So will Stijn van Els den Rotterdamer Hafen zukunftsfähig machen

·Lesedauer: 4 Min.

Der Hafen von Rotterdam soll zum Drehkreuz für Wasserstoff werden. Ein Niederländer, der in Deutschland Karriere gemacht hat, sorgt für die praktische Umsetzung.

Künftig wird der Anteil fossiler Brennstoffe, die über Rotterdam nach Deutschland geliefert werden, stetig abnehmen. Der Anteil von Wasserstoff soll dagegen steigen. Foto: dpa
Künftig wird der Anteil fossiler Brennstoffe, die über Rotterdam nach Deutschland geliefert werden, stetig abnehmen. Der Anteil von Wasserstoff soll dagegen steigen. Foto: dpa

Europas Logistikbranche hat schon bessere Zeiten erlebt. Die Corona-Pandemie stört viele Lieferketten empfindlich. Obendrauf kommt der bevorstehende Brexit, der den Warenverkehr zwischen der EU und Großbritannien belasten wird.

Allein im Hafen von Rotterdam werden jährlich 40 Millionen Tonnen Waren in Richtung Britische Inseln verschifft. Mit dem Brexit drohen Zollkontrollen, Bürokratie, Rückstaus, Wartezeiten, enorme Kosten und schlechte Stimmung unter allen Beteiligten.

Doch für Stijn van Els gibt es auch erfreuliche Themen, auf Platz eins steht dabei Wasserstoff. Als kommerzieller Direktor der Hafenbehörde von Rotterdam ist er dafür verantwortlich, die Energiewende im Hafen zu vollziehen. „Wir haben eine Vision und möchten jetzt damit beginnen, sie umzusetzen“, sagte van Els dem Handelsblatt. Es gehe dabei um „Investitionen für die Nachfrage von morgen“.

Der Niederländer will die Rolle Rotterdams als Erdöl-Einfuhrhafen in den kommenden Jahren wandeln. „Über den Hafen von Rotterdam werden heute 13 Prozent der Gesamtenergie, die in Europa verbraucht wird, importiert. Wir sind die Drehscheibe für den nordwesteuropäischen Energiemarkt. Das soll auch in Zukunft so bleiben, allerdings mit dem Unterschied, dass wir künftig grüne Energie importieren“, sagt van Els.

Die Kooperation mit dem deutschen Nachbarn nimmt in seiner Strategie großen Raum ein: „Unsere Pläne für den Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur passen gut zu den deutschen Überlegungen. Das fügt sich wie ein Teil zum anderen.“

Damit setzt sich fort, was im Zeitalter fossiler Brennstoffe begonnen hat. Die Entwicklung des Hafens an der Rheinmündung ist eng verknüpft mit der Industrialisierung des Ruhrgebiets, das über den Rhein direkt erreichbar ist.

Künftig wird der Anteil fossiler Brennstoffe, die über Rotterdam nach Deutschland geliefert werden, stetig abnehmen. Der Anteil von Wasserstoff soll dagegen steigen. „Es ist überhaupt kein Problem, Wasserstoff per Schiff über den Rhein von Rotterdam aus nach Nordrhein-Westfalen oder Rheinland-Pfalz zu transportieren“, sagt van Els.

Verzahnung der Wasserstoff-Konzepte

Van Els ist prädestiniert dafür, die Zusammenarbeit mit Deutschland beim Aufbau einer Wasserstoff-Infrastruktur zu stärken. Bis 2018 war er Chef von Shell Deutschland, er kennt Deutschland daher gut.

Der 55-Jährige ist außerdem Mitglied des Aufsichtsrats von Tennet. Das niederländische Unternehmen mit Sitz in Arnheim betreibt das Stromübertragungsnetz in den Niederlanden und in großen Teilen Deutschlands.

Eine Verzahnung der Wasserstoff-Konzepte der Niederlande und Deutschlands ist nicht allein in Rotterdam ein Thema. In den jeweiligen Wasserstoff-Strategien der beiden Länder sind grenzüberschreitende Kooperationen angelegt.

Für van Els geht es um sehr konkrete Vorhaben. „Wir reden mit einer Reihe von deutschen Stahl- und Chemie-Kunden, etwa mit Thyssen-Krupp oder BASF, über die Lieferung von Wasserstoff“, sagt van Els.

Der Einstieg in die Wasserstoff-Welt ist für den Rotterdamer Hafen überlebenswichtig. In dem Maße, in dem die Bedeutung von Erdöl abnimmt, soll die Bedeutung von Wasserstoff zunehmen.

Der Hafen spielt für die niederländische Wirtschaft eine Schlüsselrolle. Die hafenbezogene Wirtschaft trägt etwa sieben Prozent zum niederländischen Bruttoinlandsprodukt bei.

Wenig Verständnis hat van Els für die besonders in Deutschland kontrovers geführt Debatte um die Frage, ob auch blauer Wasserstoff in der Wasserstoff-Welt von morgen eine Rolle spielen darf oder nicht. Blauer Wasserstoff wird mittels Dampfreformierung auf der Basis von Erdgas hergestellt. Das dabei frei werdende CO2 wird abgetrennt und unterirdisch gespeichert. Das Verfahren, bekannt unter der Bezeichnung „Carbon Capture and Storage“ (CCS) ist umstritten, besonders in Deutschland.

Geschäftsfeld der Zukunft

Die Wasserstoffstrategie der Bundesregierung rückt allein grünen Wasserstoff in den Fokus. Er wird mittels Strom aus erneuerbaren Quellen durch Elektrolyse hergestellt und ist somit klimaneutral. „Die Verteufelung von blauem Wasserstoff verstehe ich überhaupt nicht. Wir werden sehr schnell relevante Mengen von Wasserstoff brauchen, es führt daher in den kommenden Jahren an blauem Wasserstoff kein Weg vorbei“, ist sich van Els sicher.

Der Manager sieht auch hier ein Geschäftsfeld der Zukunft. „Im Rahmen unseres Porthos-Projektes werden wir zeigen, wie man bei Neuanlagen CO2 abfangen und speichern kann. Wir kooperieren dabei mit Unternehmen wie Shell, Esso, Air Products und Air Liquide. Das Thema CCS ist Teil unserer Vision für den Hafen von Rotterdam“, sagt der Physiker.