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So dünn wie ein Gartenschlauch: Unterwasserkabel sind die Achillesferse der kritischen Infrastruktur des Westens

Werden Unterseekabel zerstört, hat das große Auswirkungen auf Wirtschaft und Kommunikation. - Copyright: picture alliance / dpa | Arctic Cable Company
Werden Unterseekabel zerstört, hat das große Auswirkungen auf Wirtschaft und Kommunikation. - Copyright: picture alliance / dpa | Arctic Cable Company

In unserer vernetzten Welt sind Unterwasserkabel die Lebensadern. Wie schnell Schäden daran einzelne Regionen von der Kommunikation abschneiden können, zeigten etwa Vorfälle auf den britischen Shetland-Inseln im Nordatlantik. Telefon- und Internetleitungen fielen aus. In Geschäften waren zeitweise keine Kartenzahlungen und keine Bargeldabhebungen mehr möglich. Die Inseln werden mit zwei Unterseekabeln versorgt, eines von den dänischen Färöer-Inseln und eines vom schottischen Festland. An beiden Leitungen kam es zu Problemen. Zwar wurden die Kabel nicht, wie die Nord-Stream-Pipelines, sabotiert, sondern versehentlich durch ein Fischerboot beschädigt. Trotzdem machen die Schäden sehr deutlich, welche Auswirkungen Sabotageangriffe auf Unterseekabel hätten.

Weltweit gibt es nach Angaben des Marktforschungsunternehmens TeleGeography mehr als 530 Unterwasserkabel. Sie sind 1,3 Millionen Kilometer lang und befördern damit 95 Prozent des globalen Internetverkehrs. Dabei sind diese Kabel nur so dick wie ein Gartenschlauch, die einzelnen Glasfasern lediglich so dünn wie der Durchmesser eines Haares. Aber wie gut schützt Europa ihre Unterseekabel?

Angriffe der russischen Regierung auf Unterseekabel sind laut Großbritanniens Armeechef nicht auszuschließen

Denn überall auf dem Kontinent wächst die Sorge vor einem Angriff Moskaus auf Unterseekabel. Dies sei nicht auszuschließen, meint Tony Radakin, Großbritanniens Armeechef. Im Januar dieses Jahres sprach er von einer "phänomenalen Zunahme" russischer Unterwasseraktivitäten in den vergangenen 20 Jahren. Die russische Regierung könne die Unterseekabel potenziell ausnutzen und damit das globale Informationssystem gefährden.

Es gebe zwar keine nachgewiesenen aktuellen Beispiele dafür, dass die russische Regierung für Sabotage von Kabeln verantwortlich sei, aber viele Gerüchte, schrieb der britische "The Economist". Im November vergangenen Jahres seien Unterwassersensoren vor der Küste Norwegens gekappt worden. Dabei handle es sich um ein Gebiet, das regelmäßig von russischen U-Booten befahren wird.

Unterwasserkabel könnten auch für das Abhören von Daten missbraucht werden

Doch nicht allein in der Sabotage der Kabel besteht die Gefahr, sondern auch, dass sie für Spionagezwecke genutzt werden könnten. Wird ein Kabel angezapft, können große Mengen sensibler Daten abgefangen werden.

Angesichts der Anschläge auf die Nord Stream-Pipelines wollen sich die Länder jedoch vor allem vor Sabotageakten schützen. Großbritannien hat Medienberichten zufolge im Oktober den Kauf von zwei Multi-Role Ocean Survey Ships bestätigt. Sie seien mit modernen Sensoren und Unterwasserdrohnen ausgestattet. Frankreich hat bereits im Februar eine eigene Kriegsführung-Strategie auf dem Meeresboden veröffentlicht.

Daten beschädigter Kommunikationskabel können umgeleitet werden

Unterseekabel zu beschädigen, sei aber nicht einfach. Nach Ansichten von Beamten, so der "Economist", könnten die Kabel und Pipelines theoretisch durch Cyberangriffe blockiert werden. Um sie allerdings direkt zu beschädigen, müssten Angreifer in die Nähe der Kabel kommen. Diese zu finden, sei bei großen, schweren Pipelines einfach. Ältere Kommunikationskabel, die kleiner und leichter seien, könnten sich allerdings mit der Strömung verschieben und so schwierig zu finden sein. Srinivas Siripurapu, Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung der "Prysmian Group", der weltweit größte Kabelhersteller, sagte, dass neuere Kabel zudem oft in den Meeresboden eingegraben seien.

Für Betreiber von Kabeln sei es zudem zunehmend möglich, Manipulationen an Kabeln zu erkennen. Schwierig sei es dennoch festzustellen, ob Probleme durch geologische Ereignisse oder eine Drohne , oder hervorgerufen wurden – und welches Land diese geschickt haben könnte. Der Unterschied zu beschädigten Gas-Pipelines besteht jedoch darin, dass das Internet dezentral angelegt ist. Im Falle eines zerstörten Kommunikationskabels könnten die Datenströme früher oder später umgeleitet werden.

Manuel Atug, Gründer der AG Kritis, eine Arbeitsgruppe von Experten und Expertinnen zu Kritischen Infrastrukturen, sagte dem WDR, dass ein großes Problem mit dem Schutz von Unterseekabeln darin bestehe, dass Europa völlig abhängig von ausländischen Kabelanbietern sei. Demnach liegt auch die Kontrolle bei amerikanischen und asiatischen Konzernen und die Gefahr der Datenspionage erhöhe sich potenziell. Um Sabotage zu verhindern, schlägt der Experte vor, Inhalte besser zu verschlüsseln. Eine solche Maßnahme gesetzlich vorzuschreiben, sei ein Weg, um Spionage zu verhindern.

Privater und öffentlicher Sektor sollten laut einer Expertin enger zusammenarbeiten

Die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat vorgeschlagen, die EU-Staaten sollten auf Grundlage gemeinsamer Standards Stresstests der kritischen Infrastruktur durchführen. Zudem sollen Satellitenüberwachungen zur Erkennung verdächtiger Schiffe eingesetzt werden. "Kritische Infrastrukturen sind die neue Grenze der Kriegsführung. Und Europa wird darauf vorbereitet sein", sagte von der Leyen.

Mangel an Reparaturschiffen könnte zum Problem werden

Kommt es zu einer Beschädigung eines Telekommunikationskabels, könnte es theoretisch relativ schnell repariert werden, sagte Phil Walker, Chef der Pharos Offshore Group, der mehr als 160.000 Kilometer Unterwasserkabel verlegt hat, zum "Economist". Reparaturschiffe könnten defekte Kabel in der Regel innerhalb von zwei Wochen reparieren. Das Problem bestehe allerdings darin, dass es einen Mangel an Reparaturschiffen gibt. Bräuchten mehrere Kabel zeitgleich eine Reparatur, könnte es laut Walker zu einem Mangel kommen. Demnach wäre ein Vorrat an Ersatzkabeln und Reparaturschiffen nötig.

Mit Material der DPA