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Ryanair schließt wegen 737-Verzögerung Basen und streicht Jobs

Der Billigflieger rechnet wegen der Verzögerungen bei dem Boeing-Jet mit weniger Passagieren. Ryanair schließt daher auch seine Basis in Nürnberg.

Der irische Billigflieger schließt als Reaktion auf Verzögerungen bei der Auslieferung der Boeing-Maschinen 737 Max zwei Basen in Nürnberg sowie Stockholm und kappt sein Flugangebot für den Sommer 2020. Man rechne nächstes Jahr nur mit zehn statt mit 20 Flugzeugen, teilte Ryanair mit. Die Flugzeuge sind derzeit nach Abstürzen in Äthiopien und Indonesien mit insgesamt 346 Toten mit einem weltweiten Flugverbot belegt.

Deshalb dürfte das Passagieraufkommen im per März 2021 endenden Geschäftsjahr 2020/2021 bei 156 Millionen liegen und nicht wie geplant bei 157 Millionen. Die Kapazität dürfte auch an anderen Standorten sinken. Man spreche mit Gewerkschaften und Flughäfen, um Einschnitte und Stellenstreichungen zu minimieren, sagte der Chef der Hauptfluggesellschaft Ryanair DAC, Eddie Wilson.

Allein in Nürnberg sollen 120 Crewmitglieder betroffen sein. Über ihre Zukunft machte Ryanair keine Angaben. Nach Medienberichten sollen einzelne Crewmitglieder Angebote für Ausweich-Arbeitsplätze in Marokko bekommen haben. Eine Ryanair-Sprecherin war am Mittwoch nicht zu erreichen.

„Wir bedauern diese weiteren Basis-Schließungen und kleineren Kapazitätseinschnitte an anderen Basen, die ausschließlich auf weitere Lieferverspätungen unserer Boeing-Max-Flugzeuge zurückzuführen sind“, sagte Wilson. Ryanair wolle mit Boeing, seinem Personal, den Gewerkschaften und den Flughäfen zusammenarbeiten, um die Auswirkungen möglichst gering zu halten.

Der Geschäftsführer des Flughafens Nürnberg, Michael Hupe, bezeichnete die Entscheidung von Ryanair als „einen Schlag für die Metropolregion Nürnberg“. Ryanair wollte im Sommerflugplan 20 Ziele von Nürnberg aus anfliegen. Nur ein Drittel davon werde wohl übrig bleiben. Das Gros der Ryanair-Flüge von und nach Nürnberg sei sehr gut ausgelastet.

Im vergangenen Jahr zählte der Flughafen Nürnberg 4,47 Millionen Passagiere. Hunderttausende dürften nun verloren gehen. Der Flughafen werde umgehend versuchen, Ersatz bei anderen Airlines zu suchen, sagte ein Sprecher.

Der Flughafenverband ADV hält die erhöhte Luftverkehrssteuer in Deutschland für den wahren Hintergrund der Entscheidung gegen die Ryanair-Basen in Hamburg und Nürnberg. Derzeit liege die Umsatzrentabilität einer Airline bei 2 bis 3 Prozent für eine europäische Strecke.

„Da der Zuschlag von 5,53 Euro im Europaverkehr nur in geringem Umfang durch Preissteigerungen weitergegeben werden kann, war damit zu rechnen, dass viele Direktverbindungen ab Deutschland für die Airlines unwirtschaftlich werden“, sagte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel. Die Bundesregierung hatte eine entsprechende Erhöhung pro Ticket beschlossen, die zum 1. April 2020 wirksam werden soll.

Ryanair gehört zu den größten Fluggesellschaften Europas mit nach eigenen Angaben mehr als 2400 Flügen täglich zu 200 Zielen in 40 Ländern. Die Airline verfügt derzeit über eine Flotte von 475 Maschinen. Weitere 210 Flugzeuge seien bestellt.