Deutsche Märkte öffnen in 2 Stunden 42 Minuten

RWE steigert Gewinn deutlich – die Aktie bricht trotzdem ein

RWE hat 2019 seine Ziele übertroffen und will kräftig in erneuerbare Energien investieren. Die Aktionäre scheint das bislang nicht zu überzeugen.

Die neue RWE startet mit Rückenwind ins neue Geschäftsjahr. Im Jahr 2019, in dem der Stromproduzent das Tauschgeschäft mit Eon besiegelt hat, übertraf der Konzern seine Ziele und steigerte die Ergebnisse deutlich. In das neue Geschäftsfeld mit erneuerbaren Energien will er kräftig investieren. Trotzdem brach die Aktie zum Handelsstart ein - wie der gesamte deutsche Markt.

Die Zahlen sind nun ein letztes Mal für „RWE stand-alone“ ausgewiesen worden, in dem die inzwischen an Eon abgegebene Tochter Innogy nur noch mit der Dividende enthalten ist. Die wichtigsten Zahlen im Überblick.

  • Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg auf 2,1 Milliarden Euro (Vorjahr: 1,5 Milliarden Euro).
  • Das bereinigte Nettoergebnis hat sich mit 1,2 Milliarden Euro von 591 Millionen Euro mehr als verdoppelt.
  • Die Dividende steigt um zehn Cent auf 80 Cent und soll 2020 auf 85 Cent klettern.
  • Bis 2022 will RWE fünf Milliarden Euro in erneuerbare Energien investieren.

So liefen die einzelnen Sparten

Maßgeblich für den Anstieg der Ergebnisse war nach Angaben von RWE eine „außergewöhnlich gute Performance“ im Energiehandel sowie ein „starkes Geschäft“ mit Gas und LNG. Die Sparte steigerte das Ebitda auf 702 (183) Millionen Euro. Das Segment Braunkohle und Kernenergie schloss leicht über Vorjahr ab. Obwohl RWE nach dem Rodungsstopp im Hambacher Forst auf Einnahmen verzichten musste, steigerte die Sparte das Ebitda leicht auf 374 (356) Millionen Euro. RWE profitierte davon, dass der Konzern von Eon schon Ende September die Minderheitsbeteiligungen an den zwei Kernkraftwerken Gundremmingen und Emsland übernahm. Aber auch die Margen verbesserten sich leicht.
Und auch das Segment Europäische Stromerzeugung, in dem RWE die Steinkohle und Gaskraftwerke zusammenfasst, verbesserte das Ebitda auf 453 (334) Millionen Euro. RWE kam hier zugute, dass Großbritannien den Kapazitätsmarkt wieder aufnahm. Mit dem Markt werden Kraftwerksbetreiber rein für das Bereithalten von Kapazitäten entlohnt. Großbritannien hatte ihn kurzfristig ausgesetzt.

Aktie bricht ein

Die Aktie des Energiekonzern eröffnete aber tief im Minus. Zum Handelsstart brach der Kurs zwischenzeitlich um gut elf Prozent ein und gehörte damit zu den größten Verlierern im Dax. Der gesamte Aktienmarkt war am Donnerstag mit kräftigen Verlusten gestartet, nachdem auch US-Präsident Donald Trump wegen der Corona-Krise zu drastischen Maßnahmen gegriffen hatte. Allerdings ist das Geschäft von RWE vergleichsweise robust gegen Konjunkturschwankungen - und dürfte auch die Folgen der Corona-Krise eher moderat spüren.

Wie es weitergeht

Für das laufende Geschäftsjahr 2020 strebt RWE ein bereinigtes Ebitda zwischen 2,7 und 3,0 Milliarden Euro an. Für das bereinigte Nettoergebnis liegt das Ziel zwischen 0,85 und 1,15 Milliarden Euro. Von 2020 bis 2022 peilt RWE, gemessen an den Kennzahlen für das Ergebnis, ein jährliches Wachstum von sieben bis zehn Prozent an.

RWE hatte im Herbst an Konkurrent Eon zwar die Tochter Innogy abgegeben. Eon behielt aber nur die Sparten Vertrieb und Netze. Das Geschäft mit erneuerbaren Energien von Innogy, aber auch die Aktivitäten, die bislang Eon selbst betrieb, erhielt – neben kleineren anderen Aktivitäten – RWE.

Der Stromproduzent deckt damit wieder die ganze Spannbreite von Kohle- und Atomkraftwerken über Gasanlagen bis zu Wind- und Solarenergie ab – und will, nachdem der Kohleausstieg beschlossen ist, seine Investitionen auf die erneuerbaren Energien konzentrieren.

Schon bis 2022 will RWE mit fünf Milliarden Euro Wind- und Solaranlagen mit einer Kapazität von vier Gigawatt bauen. Davon sollen 20 Prozent nach Deutschland fließen. Mit Partnern könne die Summe noch deutlich höher sein, erklärte der Konzern.

Parallel muss RWE aber auch den mit der Bundesregierung ausgehandelten Ausstieg aus der Kohleförderung und -verstromung in die Wege leiten.

RWE wird das Segment Kohle/Kernenergie künftig nur noch als Randgeschäft führen. Kerngeschäft sind die vier Segmente Offshore Wind, Onshore Wind/Solar, Wasser/Biomasse/Gas und der Energiehandel.

Mehr: Coronavirus erreicht den Solarmarkt: Preise für Module dürften steigen.