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ROUNDUP 2: Start von Corona-Impfungen in Arztpraxen wird zur Chefsache

·Lesedauer: 3 Min.

BERLIN (dpa-AFX) - Über den Start von Corona-Impfungen in Arztpraxen sollen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder "zeitnah" entscheiden. Das kündigte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin an. Als Basis dafür wollten die Gesundheitsminister von Bund und Ländern eine Empfehlung vorlegen. Ziel ist laut Bundesgesundheitsministerium weiterhin, Anfang April mit Impfungen in den Praxen zu beginnen. Um mehr Tempo in die Impf-Kampagne zu bringen, soll zudem der bisher Jüngeren vorbehaltene Impfstoff des Herstellers Astrazeneca <GB0009895292> allen gespritzt werden - möglich machen soll das eine neue Impfverordnung. Zudem kann an den Grenzen zu Corona-Hotspots im Ausland von der Impfreihenfolge abgewichen und die gesamte Bevölkerung geimpft werden.

Dadurch soll mehr Flexibilität beim Impfen möglich werden. Um besonders Verwundbare zu schützen, werde an der Priorisierung festgehalten, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Aber gleichzeitig wollen wir pragmatisch schnelles Impfen möglich machen." Dazu werde die Impfverordnung an neue Erkenntnisse und Entwicklungen angepasst. "Wir müssen die Balance finden: möglichst viele und möglichst zielgerichtet impfen."

In der neuen Verordnung, die am Donnerstag im Bundesanzeiger veröffentlicht werden soll, wird keine Altersbegrenzung bezogen auf den Impfstoff von Astrazeneca mehr genannt. Um möglichst viele Erstimpfungen zu ermöglichen, soll bei den Impfstoffen von Biontech <US09075V1026>/Pfizer <US7170811035> und Moderna <US60770K1079> der Abstand zur Zweitimpfung von sechs Wochen ausgeschöpft werden - beim Mittel von Astrazeneca von zwölf Wochen.

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern berieten am Mittwoch den geplanten flächendeckenden Impfstart in den deutschen Praxen. Diskutiert wurde, wie viel Impfstoff an die Impfzentren gehen soll und welche Mengen zu den mehr als 70 000 infrage kommenden Haus- und Fachärzten geliefert werden sollen. Eine Sprecherin Spahns sagte, es solle ein bundeseinheitliches Vorgehen geben, um bekannte Vertriebswege über den Großhandel und Apotheken zu nutzen. Die regionalen Impfzentren der Länder sollen parallel weiterarbeiten, Termine sollen bestehen bleiben.

Spahn dämpfte die Erwartungen an den Impfstart in den Praxen. "Die Impfmengen werden nicht gleich auf 20 Millionen im Monat oder gar auf 10 Millionen in der Woche wachsen", sagte er im ZDF. Im April werde es zwar deutlich mehr Impfungen geben, aber noch nicht in dieser Größenordnung. Impfungen könnten in den Praxen der Hausärzte auch flexibler erfolgen. Der nächste Schritt seien dann Impfungen in Unternehmen durch Betriebsärzte.

Die bundesweit 12 000 Werksmediziner könnten "pro Monat etwa fünf Millionen Beschäftigte impfen", sagte die Vizepräsidentin des Verbands Deutscher Betriebs- und Werksärzte, Anette Wahl-Wachendorf, den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Mittwoch).

Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki warf der Bundesregierung widersprüchliche Aussagen zum erwarteten Umfang der Impfungen vor. "Wer geglaubt hat, dass diese Bundesregierung den Ernst der Lage endlich begriffen hat, der muss sich ein weiteres Mal getäuscht fühlen", sagte Kubicki der Deutschen Presse-Agentur.

Nach dem schleppenden Impfstart werden zusehends steigende Impfstoffmengen erwartet - und nun auch ein kurzfristiger Nachschub: Die Hersteller Biontech und Pfizer wollen in den nächsten beiden Wochen vier Millionen Dosen zusätzlich an die Europäische Union liefern, wie EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen in Brüssel sagte. Man habe das Zusatzpaket ausgehandelt, damit EU-Staaten in Corona-Hotspots impfen und ansteckendere Virusvarianten bremsen könnten. Vom Zusatzkontingent könnte Deutschland nach dem internen EU-Verteilschlüssel 18,6 Prozent bekommen, also 740 000 Dosen.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kündigte nach der Mitteilung der EU an, dass die bayerischen Corona-Hotspots an der Grenze zu Tschechien kurzfristig noch einmal 100 000 zusätzliche Dosen Impfstoff bekommen sollten. Damit gebe es mit den schon versprochenen Sonderzuteilungen insgesamt 150 000 Dosen zusätzlich für die von der britischen Virusvariante besonders betroffenen Grenzregionen.

Scharfe Kritik an der aktuellen Impfpraxis in den Ländern übte die Deutsche Stiftung Patientenschutz. "Die ethisch festgesetzte Impfreihenfolge ist nur noch eine Farce", sagte Vorstand Eugen Brysch. Der Vorrang für Alte und Kranke werde immer mehr aufgeweicht. "Es herrscht das Recht der Starken, Schnellen und Lobbyisten."