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ROUNDUP 2: Rheinmetall wird zuversichtlicher für Autogeschäft - Aktie verliert

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(neu: Analystenstimmen, Kursentwicklung)

DÜSSELDORF (dpa-AFX) - Der Rüstungskonzern und Autozulieferer Rheinmetall <DE0007030009> wird optimistischer für das Autogeschäft. Rheinmetall sei auf den Neustart der Produktion bei seinen Automotive-Kunden nach dem branchenweiten Stillstand im Frühjahr gut vorbereitet gewesen, sagte Konzernchef Armin Papperger laut Mitteilung vom Freitag. "Dadurch ist es uns bei Automotive im dritten Quartal gelungen, wieder ordentlich Fahrt aufzunehmen und die pandemiebedingten Einbußen teilweise zu kompensieren".

Gleichzeitig sorgte das Militärgeschäft zwar für Stabilität, die leicht angepasste Prognose für den Umsatz enttäuschte die Anleger aber. In der Rüstungssparte sollen die Erlöse nun währungsbereinigt um rund 6 Prozent wachsen, nachdem bislang 6 bis 7 Prozent angepeilt worden waren. Die operative Ergebnismarge soll dagegen 10 bis 11 Prozent erreichen. Zuvor hatte das Management hier rund 10 Prozent erwartet.

Am Kapitalmarkt wurden die Nachrichten nur zu Beginn positiv aufgenommen: Nach anfänglichen Kursgewinnen von 4,3 Prozent gab die Rheinmetall-Aktie ihre Gewinne im Lauf des Vormittags wieder komplett ab, drehte dann ins Minus und notierte zuletzt rund 3,7 Prozent tiefer.

Ein Händler führte das auf die überraschend verhaltene Umsatzprognose für das Rüstungsgeschäft zurück. "Die Rüstungssparte ist der Hoffnungsträger von Rheinmetall, da hatte man auf mehr Wachstum gesetzt", sagte er. In diesem Zusammenhang hatte Analyst Stefan Maichl von der Landesbank Baden-Württemberg jüngst angemerkt: "Die Bewertung von Rheinmetall wird aktuell allein durch das prosperierende Rüstungsgeschäft getragen". Der Experte hatte vor den Quartalszahlen die Wachstumsprognose für den Umsatz in der Rüstung von 6 bis 7 Prozent als "nicht gefährdet" bezeichnet.

Für die krisengeplagte Autosparte rechnet der MDax-Konzern 2020 nun mit einem währungsbereinigten Umsatzrückgang um 20 bis 23 Prozent sowie mit einem operativen Jahresergebnis von 10 bis 20 Millionen Euro. Bislang war bestenfalls ein Erreichen der Gewinnschwelle angepeilt worden.

Mit Blick auf das abgelaufene dritte Quartal fiel der Konzernumsatz trotz einer leichten Verbesserung des Automarktes im Jahresvergleich um rund 7 Prozent auf 1,38 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legte hingegen um 2 Millionen auf 101 Millionen Euro zu, die entsprechende Marge verbesserte sich so um 0,6 Prozentpunkte auf 7,3 Prozent. Dagegen sank der Überschuss von 60 auf 49 Millionen Euro.

Während Analyst Zafer Rüzgar vom Analysehaus Pareto Securities von starken Zahlen sprach und den Ausblick weitgehend im Rahmen der Erwartungen sah, hat Rheinmetall nach Einschätzung von Chris Hallam von der US-Investmentbank Goldman Sachs sogar die Erwartungen übertroffen. Das Rüstungsgeschäft wachse weiter solide und hochprofitabel. Das Umsatzziel für diesen Bereich hält Hallam allerdings für konservativ.

Das Autogeschäft blieb dabei zwar hinter den Vorjahreswerten, kehrte nach Bremsspuren durch die Corona-Pandemie aber in die Gewinnzone zurück. Im zweiten Quartal hatten noch hohe Abschreibungen infolge der Pandemie die Sparte stark belastet und den Gesamtkonzern unter dem Strich in die roten Zahlen gerissen. Rheinmetall fertigt unter anderem Kolben, Pumpen und Ventile für Autos, aber auch Teile für Kältemittelkreislauf- und Abgassysteme.

Im Militärgeschäft profitierte Rheinmetall erneut von der weltweit anhaltenden hohen Nachfrage nach Waffensystemen, Munition sowie Fahrzeugen und sicherte sich weitere Großaufträge. Zwar fielen die Erlöse im dritten Quartal ein wenig, das operative Ergebnis legte hingegen zu.