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„Es riecht nach Zinssenkungen“: Rückgang der Inflation und sanftere Töne aus der EZB deuten auf eine Zinswende hin

Die Europäische Zentralbank (EZB) und ihre Präsidentin Christine Lagarde könnten bald die Zinsen senken.  - Copyright: Picture Alliance
Die Europäische Zentralbank (EZB) und ihre Präsidentin Christine Lagarde könnten bald die Zinsen senken. - Copyright: Picture Alliance

Es liegt etwas in der Luft in Europa. Die Inflation geht zurück, sogar schneller als erwartet. Gleichzeitig ist die Konjunktur schwach, nicht nur in Deutschland, sondern in der gesamten Euro-Zone. In dieser Lage kommen aus der Europäischen Zentralbank (EZB) neue, sanftere Töne zu Inflation und Zinsen. Auch von EZB-Chefin Christine Lagarde. „Es riecht nach Zinssenkungen“, sagt Bantleon-Analyst Jörg Angelé. Die Frage ist nicht mehr, ob die EZB die Leitzinsen senkt, sondern wann und wie stark.

Ihren Höhepunkt hat die Inflationswelle zwar schon lange überschritten. Doch von ihrem Höhepunkt mit zweistelligen Inflationsraten im Herbst 2022 kam die Teuerung zunächst nur zäh zurück. Nun aber kühlt der Preisauftrieb spürbar ab. Im Januar stiegen die Preise in der Euro-Zone nur noch mit einer Jahresrate von 2,75 Prozent, nach bereits geringen 2,9 Prozent im Dezember.

In Deutschland, der mit Abstand größten Volkswirtschaft der Euro-Zone, stiegen die Preise im Januar in europäischer Rechnung um 3,1 Prozent. In der nationalen Rechnung des Statistischen Bundesamtes fiel die Inflationsrate deutlich von 3,7 auf 2,9 Prozent. Und dies, obwohl die Preisbremsen für Strom und Gas wegfielen, die CO₂-Steuer stieg und Senkung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie endete.

Der wichtigste Grund für den Rückgang der Inflationsraten in Deutschland und der Euro-Zone sind die niedrigeren Energiepreise. Auch die Preise für Nahrungsmittel, lange Treiber die Inflation, steigen jetzt langsamer. Doch auch ohne diese beiden oft stark schwankenden Preise sank die Kerninflation in der Euro-Zone im Januar von 3,4 auf 3,3 Prozent.

Zinssenkungen der EZB rücken näher

Gleichzeitig ist die Konjunktur in Europa schwach. In Deutschland ist die Wirtschaft 2023 geschrumpft. Im ersten Quartal 2024 dürfte das deutsche Bruttoinlandsprodukt weiter zurückgehen, erwartet das Ifo-Institut. Während Deutschland in Europa lange ein Ausreißer war, erfasst die Flaute jetzt die gesamte Euro-Zone insgesamt. Das Euro-BIP stagniert. Es entwickelt sich auch schwächer als von der EZB erwartet. Von der Nachfrageseite ist kein Preisdruck zu erwarten.

Entsprechend erwartungsvoll blicken neben Ökonomen auch viele Politiker auf die EZB. Sinkende Zinsen könnten die Wirtschaft ankurbeln. Die Europäische Zentralbank ist aber allein der Preisstabilität verpflichtet. Wirtschaftswachstum und Beschäftigung gehören nicht zu ihrem Mandat.

Im Kampf gegen die Rekord-Inflation hatte die EZB die Leitzinsen seit dem Sommer 2022 kräftig um 4,5 Prozentpunkte angehoben. Bei ihrer ersten Sitzung im neuen Jahr ließ die EZB die Leitzinsen noch unverändert bei vier bis 4,5 Prozent.

Doch Lagardes Äußerungen zu dieser Zinsentscheidung wurden von vielen Ökonomen so bewertet, dass im EZB-Rat die „Tauben“ (für eine Lockerung der Geldpolitik) die Oberhand gegenüber den „Falken“ (für eine straffere Geldpolitik) gewinnen.

„Die EZB hat einen klaren Wechsel in ihrer Denkweise zum Ausdruck gebracht“, kommentierte etwa Peter Sidorov, Senior Economist bei Deutsche Bank Research. „Sollte sich unsere Einschätzung bewahrheiten, dass Wachstum und Inflation geringer ausfallen als von der EZB erwartet, rechnen wir mit Zinssenkungen ab April.“

„Die EZB positioniert sich deutlich weniger falkenhaft als noch im Dezember“, urteilt auch Bantleons Jörg Angelé. „Die Währungshüter scheinen zuversichtlicher zu werden, ihr Inflationsziel trotz des bis zuletzt starken Lohnwachstums in absehbarer Zeit zu erreichen“. Angelé: „Es riecht nach Zinssenkungen. Mit ihren Ausführungen bereitet die EZB unserer Ansicht nach eine baldige Lockerung der Geldpolitik vor.“ Angelé ist laut dem Magazin Bloomberg der weltweit treffsicherster Ökonom für Prognosen für die Euro-Zone.

Angelé argumentiert ähnlich wie Sidorov: „Sollten wir mit unserer Erwartung eines deutlichen Inflationsrückgangs im Januar und Februar richtig liegen, liefe es wohl auf eine erste Zinssenkung im April hinaus“. Bis zum Herbst könne die EZB die Leitzinsen dann um mindestens einen Prozentpunkt senken. „Die Gesamtinflationsrate sollte im laufenden Monat auf 2,4 Prozent zurückgehen. Für das zweite Halbjahr prognostizieren wir unverändert Werte unter 2,0 Prozent.“

Kritischer sieht dies Michael Heise, Chefökonom des Vermögensverwalters HQ Trust. In Deutschland sei der Rückgang der Inflation zwar erfreulich. „Er signalisiert aber noch keine Rückkehr zur Preisstabilität.“ Heise rechnet mit weiterem Preisdruck vor allem bei Dienstleistungen. Daher sei ein stärkerer Rückgang der Inflation in den kommenden Monaten nicht sehr wahrscheinlich. „Für die EZB ist die Preisentwicklung in der größten Volkswirtschaft der Währungsunion noch kein Grund der Lockerung der Geldpolitik.“

Ähnlich urteilt Michael Holstein, Chefvolkswirt der DZ Bank. „Auch wenn die Konjunktur im Euro-Raum schwach ist und möglicherweise noch weiter nachlässt, wird die EZB mit einer ersten Zinssenkung mindestens bis zum Sommer warten – wir gehen sogar vom vierten Quartal aus.“ Holstein verweist auf den Preisdruck durch deutlich steigende Löhne und Gehälter. „Die Lohnentwicklung stellt die größte Inflationsgefahr dar.“ Die aktuellen Erwartungen der Finanzmärkte für Tempo und Ausmaß der Zinssenkungen hält er für übertrieben.

Wann senkt die US-Notenbank Fed die Zinsen?

Am Mittwoch hatte auch die US-Notenbank Fed ihren Leitzins für die USA unverändert in einer Spanne von 5,25 bis 5,5 Prozent belassen. Fed-Chef Jerome Powell machte dabei erstmals deutlich, dass auch in den USA der Zinsgipfel erreicht sei. Die Fed hatte im Dezember in ihrer Wirtschaftsprognose sogar unterstellt, dass es in diesem Jahr drei Zinssenkungen geben wird. Wann sie beginnen, ließ Powell offen. „Ich halte es nicht für wahrscheinlich, dass die Fed bis zur März-Sitzung ein Maß an Vertrauen (in den dauerhaften Rückgang der Inflation) erreichen wird, um den März als den richtigen Zeitpunkt dafür zu identifizieren", sagte Powell – und fügte hinzu: ‚Aber das bleibt abzuwarten.‘