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Renten am Morgen: Wie viel Liquidität werden Banken nachfragen?

Dirk Gojny

(Bloomberg) -- Bis zum Handelsschluss haben die Staatsanleihen aus den Kernländern am Mittwoch ihre anfänglichen Kursverluste weitestgehend aufholen können. Die Zunahme der Risikoaversion - unter anderen wegen der Befürchtung, in den USA können es eine zweite Viruswelle geben -sorgten hier für unveränderte Renditenotierungen zum Vortag. Im Zuge dieser Bewegung zogen die Renditen in der Peripherie etwas an.

Die italienischen Staatspapiere zeigten sich allerdings kaum beeindruckt von den jüngsten Vorschlägen von Vertretern der römischen Regierung zur Ankurbelung der wirtschaftlichen Aktivität wie die Senkung der Mehrwertsteuer oder zusätzlicher Staatsausgaben.

Das Haushaltsdefizit und die Verschuldung des Landes würden dadurch weiter steigen. Größere Renditeanstieg dürften durch die Aktivität der Europäischen Notenbank über ihre Ankaufprogramme sowie die Hoffnung auf den Wiederaufbaufonds erst einmal verhindert werden.

Auch der Nachtragshaus Deutschlands von 62,5 Milliarden Euro blieb ohne Wirkung auf die Renditeentwicklung. Es zeichnete sich bereits ab, dass er aufgrund des Umfangs des Konjunkturprogramms höher ausfallen wird, als es vorab angenommen wurde.

Zur Finanzierung der Mehrausgaben würden sich auch deutsche Green Bonds anbieten, denn große Teile des Konjunkturprogramms zielen auf ökologische Investitionen ab. Die deutsche Finanzagentur plant weiterhin, im laufenden Jahr mit der Emission von Green Bonds zu beginnen. Dazu sollten sich Informationen in der Aktualisierung der Emissionsplanung des Bundes für die kommenden beiden Quartale finden lassen.

Aufmerksamkeit wird heute die Zuteilungsdaten für den vierten TLTRO III erhalten. Viele Marktbeobachter gehen davon aus, dass das Volumen jenseits der 1.000 Milliarden Euro liegen wird. Die Bank-Treasurer werden sich die Möglichkeit kaum entgehen lassen, eine Refinanzierung von -1% zu erhalten, sofern bestimmte Begingungen erfüllt werden.

An mangelnder Liquidität dürfte die Kreditvergabe also nicht scheitern. Außerdem sollten die kurz laufenden Staatsanleihen aus dem Euroraum, allen voran italienische Kurzläufer, von der Liquidität über das Aufsetzen von Carry Trades profitieren.

Für die Staatsanleihen aus dem Euroraum dürfte der Tag mit Kursgewinnen starten. Die Sorgen vor einer zweiten Welle von Virusinfektionen in den USA sind ebenso noch da, wie das Risiko einer Eskalation der Beziehungen zwischen China und den USA.

Nachdem der US-Präsident ein Gesetz in Kraft setzte, was Sanktionen gegen chinesische Regierungsvertreter erlaubt, die an der Unterdrückung der Uiguren beteiligt sind, reagierte China mit der Androhung von Vergeltungsmaßnahmen, sollte das Gesetz nicht zurückgenommen werden.

Der Tag mit Bloomberg: Corona-Sorge lastet auf Börsen; SNB tagt

Die US- und europäischen Aktienfutures legten am Donnerstagmorgen im asiatischen Handel den Rückwärtsgang ein, während die Treasury-Kurse zulegten.

Konjunkturdaten

Der Datenkalender ist am Donnerstag wenig inspirierend. Die EZB veröffentlicht ihr Wirtschaftsbulletin. Doch neues sollte sich dort nicht finden lassen.

Immerhin können zwei Notenbanken geldpolitische Entscheidungen vornehmen. Zum einen ist es die Schweizer Nationalbank und zum anderen die Bank of England. Das Überraschungspotenzial bei geldpolitischen Entscheidungen sollte sich jedoch in Grenzen halten. Von der BoE wird eine Ausweitung den Anleiheankaufvolumens erwartet.

Der US-Datenkalender hält immerhin die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung bereit. Nach dem unerwarteten Arbeitsplatzzuwachs im April scheinen die Daten ihren Schrecken verloren zu haben, obwohl wieder mehr als eine Million Personen Arbeitslosenunterstützung beantragt haben sollen. Mit dem Wiederanfahren der US-Wirtschaft setzen die Anleger wieder auf eine Zunahme der Beschäftigung und damit die Rückkehr der Mitarbeiter zu ihren alten Arbeitsplätzen.

Die Phili Fed Indikator soll im Juni kräftig zugelegt haben, was den Trend der Empire-State-Index bestätigen würde. Ein deutlich oberhalb der Schätzungen ausfallender Phili Fed dürfte die Treasury-Kurse unter Druck bringen.

Nach den beiden Auftritten des US-Zentralbankchefs vor dem Kongress dürften die Äußerungen von Loretta Mester (stimmberechtigt), Mary Daly und James Bullard kaum Mehrwert für die Investoren bieten. Negative Fed Funds lehnen die Fed-Notenbanker ab. Über die Steuerung der Zinskurve wird innerhalb der Zentralbank diskutiert, ohne dass es dazu Entscheidungen gibt. Und bei den wirtschaftlichen Perspektiven sind die Fed-Vertreter weiterhin wenig optimistisch.

Primärmarkt

Nach der Platzierung von Anleihen bei spezialisierten Händlern am Mittwoch wird das italienische Schatzamt am Donnerstag einige Bonds zurückkaufen. Das betrifft Anleihen mit Laufzeiten 15. Oktober 2020, 27. Oktober 2020 (BTP Italia) sowie 1. November 2020.

Am Donnerstag werden Frankreich und Spanien planmäßig auf dem Kapitalmarkt auftreten. Das französische Schatzamt wird insgesamt fünf Anleihen anbieten, vier Kuponbonds und ein neuer Linker. Mit den Aufstockungen der vier Kuponbonds wird nahezu der gesamte mittlere Bereich der Zinskurve mit Laufzeiten von 2023, 2025, 2026 und 2028 abgedeckt. Die Emissionen sollen bis zu 11 Milliarden Euro einbringen. Der neue Bis Anfang März 2026 laufende Linker soll zusätzliche bis zu 2,5 Milliarden Euro in den französische Staatskassen spühlen.

Zu den insgesamt bis zu 13,5 Milliarden Euro wird das spanische Tesoro noch einmal bis zu 6 Milliarden Euro beisteuern. Vier Aufstockungen sind geplant. Dabei wird ein Großteil der Zinskurve angesprochen, da Laufzeiten 2023, 2025, Juli 2026 und Oktober 2030 aufgestockt werden sollen.

Anleihefälligkeiten gibt es aus beiden Ländern nicht. Die Platzierung könnte jedoch von den Fälligkeiten aus Italien und Portugal von Anfang der laufenden Woche profitieren. Aufgrund der Angebotsvolumina dürften die französische und die spanische Zinskurve bis in die mittleren Laufzeiten hin ein wenig unter Kursdruck geraten, zumindest bis die Transaktionen abgeschlossen sind.

Das irische Schatzamt wird außerdem 750 Millionen Euro an Geldmarktpapieren mit einer Laufzeit von sechs Monaten anbieten. Dem steht am kommenden Montag eine Fälligkeit von 1 Milliarde Euro an Geldmarktpapieren gegenüber. Die Platzierung ist gesichert.

Das Treasury wird am Abend die 5-jährigen TIPS um 15 Milliarden Dollar aufstocken. Obwohl die Inflationserwartungen vergleichsweise niedrig sind, dürfte es ausreichend Nachfrage nach dem Produkt geben.

Außerdem werden T-Bills mit Laufzeiten von vier und acht Wochen angeboten. Im Vergleich zur Vorwoche wird das Emissionsvolumen auf insgesamt 15 Milliarden auf 115 Milliarden Dollar abgesenkt. Die Reduzierung könnte auf eine sehr gute Cash-Position des Treasuries schließen lassen.

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