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Renten am Morgen: Pandemiesorge übernimmt das Ruder am Bondmarkt

Dirk Gojny
·Lesedauer: 5 Min.

(Bloomberg) -- Nach einem verhaltenen Handelsstart haben die Kurse der Staatsanleihen aus dem Euroraum und die Treasuries bis zum Handelsschluss am Dienstag zulegen können. Im Tagesverlauf gewannen die Sorgen vor den wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie gegenüber der Hoffnung auf ein baldiges Ende wegen der absehbaren Verfügbarkeit von Impfstoffen die Oberhand.

Zudem trugen zumindest im Monatsvergleich unerwartet schwach ausgefallene US-Einzelhandelsumsätze zu sinkenden Renditen bei. Ein Blick auf den Vorjahresvergleich relativiert die schwachen Monatswerte jedoch. Im Vergleich zum Vorjahr legten die Umsätze immerhin um 5,7% zu.

Einen weiteren Kursschub erhielten die Treasuries im späten US-Handel durch die Aussagen des US-Notenbankpräsidenten Jerome Powell. Er attestierte der US-Wirtschaft zwar eine robuste Erholung. Gleichzeitig warnte er jedoch vor den Auswirkungen der jüngsten Maßnahmen zu Eindämmung der Pandemie in den USA. Die US-Wirtschaft habe einen langen Weg vor sich, bis das Vor-Pandemieniveau erreicht sei. Die Kombination aus Wachstumssorgen und Aussagen des US-Notenbankchefs reichten aus, um die Rendite der 10-jährigen T-Notes um rund fünf Basispunkte auf 0,86% zu drücken.

Ganz so kräftig fielen die Renditerückgänge der Kernlandbonds nicht aus. Hier betrugen die Renditeabschläge am langen Ende der Zinskurve um die zwei Basispunkte. Das lange Ende der deutschen Zinskurve blieb ein wenig hinter den Peers zurück. Diese ganz leichte Underperformance dürfte den Vorbereitungen der am heutigen Mittwoch stattfindenden Aufstockung der 10-jährigen Bundesanleihe geschuldet sein.

Obwohl die italienischen Staatsanleihen eine Underperformance gegenüber den Bonds von der iberischen Halbinsel zeigten, hatte das italienische Schatzamt wenig Mühe, den neuen 5-jährigen Dollar-Bond platzieren zu lassen. Das Orderbuch fiel mit mehr als 10 Milliarden Dollar zwar deutlich kleiner aus als bei vergleichbaren, in Euro denominierten Emissionen.

Letztlich reichte die Nachfrage für die 3 Milliarden Dollar schwere Emission aber aus, um den Platzierungsspread auf Swap Mitte plus 85 Basispunkte einzuengen. Gestartet wurde bei plus 100 Basispunkten. Die Aufnahme der Anleihe durch die Investoren kann durchaus als Vertrauensbeweis gewertet werden.

Die Schwierigkeiten in der Europäischen Union, den Haushalt und den Aufbaufonds auf den Weg zu bringen, verunsicherten die Anleger bisher nicht. Das war am Dienstag auch an der Performance der Staatsanleihen von der iberischen Halbinsel sowie der griechischen Staatsanleihen zu erkennen. Letztere waren stark gesucht, was zu Renditerückgängen am langen Ende der Zinskurve von bis zu sieben Basispunkten führte.

Außerdem nähern sich die Renditen der 10-jährigen Staatsanleihen von der iberischen Halbinsel der Marke von 0% an. Die Rendite der portugiesischen Anleihen ist davon nur noch rund vier Basispunkte entfernt. Die Nachfrage nach Rendite ist ungebrochen, was durch die Erwartung an eine geldpolitische Lockerung durch die EZB im Dezember geschürt wird.

Die EZB-Präsidentin betonte, dass die Meldungen zur Verfügbarkeit von Impfstoffen die geldpolitischen Pläne der EZB nicht ändern würden. Dieses Mal könnte es also tatsächlich mit negativen Renditen für 10-jährige portugiesische und spanische Staatspapiere klappen, sofern die Anleger weiterhin von der Verabschiedung des EU-Haushalts und des Aufbaufonds ausgehen.

Die Vorgaben aus dem asiatischen Handel mit weiteren Kursgewinnen für die Treasuries sowie rückläufigen US- und europäischen Aktienfutures deuten auf eine gut behauptete Eröffnung der Staatsanleihen aus den Kernländern hin. Es sieht danach aus, als ob zumindest zum Handelsstart die Pandemiesorgen die Hoffnungen auf die baldige Verfügbarkeit eines Impfstoffes dominieren.

Der Tag mit Bloomberg: Pandemiedynamik versus Impfstoffhoffnung

Die Bonds aus der Peripherie dürften ebenfalls mit leichten Kursgewinnen in den Tag starten.

Konjunkturdaten

Abgesehen von den endgültigen Konsumentenpreisdaten aus dem Oktober für den Euroraum stehen keine potenziell kursbewegenden Daten aus dem Euroraum auf der Agenda. Und auch die Preisdaten werden kaum Impulse geben. Vorerst kann kaum von Preisauftrieb gesprochen werden.

Das Hauptinteresse der Anleger dürfte den neuen Informationen vom boomenden US-Immobilienmarkt gelten. Die anhaltend starke Nachfrage nach Immobilien sollte sich an einer hohen Zahl an Baugenehmigungen und Baubeginnen festmachen lassen. Der Bau dürfte weiterhin eine Stütze der Wirtschaft bleiben.

Außerdem werden sich vier US-Notenbanker, Robert Kaplan, John Williams (beide stimmberechtigt), Raphael Bostic und James Bullard äußern. Viel Neues dürften sie jedoch kaum zu berichten haben. Sofern sie Aussagen zu den wirtschaftlichen Perspektiven der USA treffen, werden sie vermutlich wie bereits der US-Notenbankpräsident daraufhin weisen, dass die US-Wirtschaft trotz ihres Erholungspfades noch einen langen Weg vor sich hat, um die Auswirkungen der Pandemie gänzlich hinter sich zu lassen. Insgesamt sollte sich die Reaktionen an den Bondmärkten auf die Äußerungen der US-Notenbanker jedoch in Grenzen halten.

Primärmarkt

An Emissionen steht lediglich die letzte Aufstockung der aktuellen 10-jährigen deutschen Benchmark um 3 Milliarden Euro auf der Agenda. Das Volumen ist überschaubar, auch wenn es keine Fälligkeiten gibt, die die Platzierung zusätzlich stützen könnten. Zudem hält sich die Emissionsaktivität des Bundes im letzten Quartal des laufenden Jahres in Grenzen. Die Platzierung dürfte mit ganz leichten Renditezugeständnissen problemlos verlaufen.

Am Abend wird das Treasury einen neuen 20-jährigen T-Bond mit einem Gesamtvolumen von 27 Milliarden Dollar anbieten. Im Vorfeld der Platzierung dürften die Anleger Renditezugeständnisse durchzusetzen versuchen, was nicht zuletzt der Erwartung einer sich weiter versteilenden US-Zinskurve sowie eines umfangreichen weiteren Fiskalpakets geschuldet sein dürfte.

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