Deutsche Märkte geschlossen
  • Nikkei 225

    28.242,21
    -276,97 (-0,97%)
     
  • Dow Jones 30

    30.814,26
    -177,24 (-0,57%)
     
  • BTC-EUR

    29.929,37
    +311,15 (+1,05%)
     
  • CMC Crypto 200

    703,28
    -31,86 (-4,33%)
     
  • Nasdaq Compositive

    12.998,50
    -114,10 (-0,87%)
     
  • S&P 500

    3.768,25
    -27,29 (-0,72%)
     

Neuer Commerzbank-Chef Knof kündigt per internem Brief schmerzhafte Einschnitte an

·Lesedauer: 3 Min.

Manfred Knof stimmt die Commerzbank-Mitarbeiter auf große Veränderungen ein – und sichert sich mehr Macht. Auch im Vorstand wird umgebaut.

Manfred Knof legt gleich richtig los. An seinem ersten Arbeitstag als Commerzbank-Chef verkündete er am Montag eine Neuverteilung der Zuständigkeiten im Vorstand und stimmte die Beschäftigten auf einen tief greifenden Umbau des Frankfurter Geldhauses ein.

„Das wird kein bequemer Weg sein, und ohne Zweifel wird die Transformation, die wir brauchen, auch mit noch mehr harten Entscheidungen und weiteren Restrukturierungsmaßnahmen verbunden sein“, schrieb Knof in einem Brief an die Mitarbeiter, der dem Handelsblatt vorliegt. „Aber sie sind nötig, und je schneller wir damit beginnen, desto besser!“

Knof hat zum Jahresbeginn die Nachfolge von Martin Zielke angetreten, der nach Kritik von Aktionären und der Finanzaufsicht abgetreten war. In internen Gesprächen hat Knof durchblicken lassen, dass er die Strategiepläne des alten Vorstands, die den Abbau von 10.000 Stellen vorsahen, an der einen oder anderen Stelle noch einmal verschärfen könnte.

„Kern der Strategie wird sein, die Bank nachhaltig profitabler zu machen“, erklärte Knof in seinem Brief an die Beschäftigten. „Nur wenn uns das gelingt, können wir unsere Zukunft selbst gestalten.“

Im Rahmen der Neuverteilung der Managementaufgaben bekommt der Vorstandschef selbst mehr Macht. Die Research-Abteilung von Chefvolkswirt Jörg Krämer ist Knof künftig direkt unterstellt. Zudem übernimmt er von Jörg Hessenmüller die Zuständigkeiten für Strategie und Nachhaltigkeit und bündelt diese zusammen mit einem „Transformation Office“ in einem neuen Exekutivbereich im CEO-Ressort.

„Die konsequente Umsetzung unserer Strategie steht für mich an erster Stelle. Daher ist mir wichtig, dass dieser Bereich direkt an mich berichtet“, erklärte Knof im Intranet. „Auch das Thema Nachhaltigkeit wird künftig eine zentrale Rolle spielen.“

Schmittroth bleibt Privatkundenvorständin

Geleitet wird der neue Exekutivbereich von Commerzbank-Manager Holger Schulte. Als neuer Kommunikationschef kommt Sven Korndörffer von der Aareal Bank.

Darüber hinaus kündigte die Commerzbank an, dass Sabine Schmittroth dauerhaft Privatkundenvorständin bleibt. Das geht aus einer Aufstellung der Vorstandsressorts im Commerzbank-Intranet hervor, die dem Handelsblatt vorliegt. Schmittroth hat das Privatkundengeschäft nach dem Abgang von Michael Mandel Ende September zunächst interimistisch geführt.

Eine zusätzliche spannende Aufgabe erhält im Rahmen des Umbaus Finanzchefin Bettina Orlopp. Sie ist künftig auch für das Thema Übernahmen und Fusionen zuständig.

In seiner Mail an die Mitarbeiter schrieb Knof, er habe sich in den zurückliegenden Wochen intensiv auf seine Aufgabe bei der Commerzbank vorbereitet und zahlreiche Gespräche geführt. „Die Erkenntnis, die ich dabei gewonnen habe, ist einfach und klar: Unsere Mitarbeiter, Kunden und Eigentümer verbindet der Wunsch nach einer starken, leistungsfähigen und zukunftssicheren Commerzbank.“

Die Erarbeitung einer zukunftsfähigen Strategie habe für ihn deshalb höchste Priorität. „Mir ist bewusst, dass Sie nach einer Phase aufgeschobener Entscheidungen lieber heute als morgen wissen möchten, wohin die Reise geht“, erklärte Knof. Er wolle die strategischen Leitplanken für die kommenden Jahre mit seinem Vorstandsteam deshalb noch im ersten Quartal vorstellen.

Insider rechnen mit der Entscheidung auf einer für den 10. Februar angesetzten Aufsichtsratssitzung. Dass die Zeit drängt, zeigt ein Blick auf die Zahlen. Für das Geschäftsjahr 2020 hat die Commerzbank wegen Umbaukosten sowie Belastungen durch die Coronakrise und die Wirecard-Pleite erstmals seit 2012 wieder rote Zahlen angekündigt.

Für den Abbau von 2900 Vollzeitstellen hat das Institut bereits im vergangenen Jahr Restrukturierungsaufwendungen von mehr als 800 Millionen Euro verbucht. Hintergrund ist unter anderem, dass die Bank im Sommer vergangenen Jahres rund 200 Filialen komplett dichtgemacht hat, die wegen Corona zunächst nur vorübergehend geschlossen waren.

Im Rahmen der neuen Strategie soll das Filialnetz weiter ausgedünnt werden. Im Firmenkundengeschäft soll der neue Vorstand Michael Kotzbauer unter anderem das Geschäft im Ausland zurückfahren – und sich mit seiner Sparte künftig stärker auf die Betreuung deutscher Mittelständler fokussieren.