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Der neue Präsident will den VDMA internationaler machen

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Wachwechsel an der Spitze des mächtigen Maschinenbauverbands: Karl Haeusgen will den VDMA künftig stärker für europäische Unternehmen öffnen.

Der Familienunternehmer will den VDMA stärker europäisieren. Foto: dpa
Der Familienunternehmer will den VDMA stärker europäisieren. Foto: dpa

Fragt man Karl Haeusgen nach seinen Zielen für den größten europäischen Industrieverband, hat der 54-Jährige schnell eine Antwort parat. „Ich möchte den VDMA stärker auch für europäische Unternehmen außerhalb Deutschlands öffnen“, sagte der Manager dem Handelsblatt. Damit kann der Aufsichtsratschef des Münchener Maschinenzulieferers Hawe Hydraulik nun beginnen.

Am Freitag wählte die Mitgliederversammlung des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) den Unternehmer zum neuen Präsidenten. Damit folgt Haeusgen auf Carl Martin Welcker, der das Amt seit 2016 innehatte und die Präsidentschaft nach vier Jahren turnusgemäß abgibt. Ein Unbekannter ist Haeusgen dabei nicht: Schon seit 2013 sitzt der Unternehmer als Vize im Präsidium.

Das gilt auch für sein Unternehmen, den Zulieferer Hawe Hydraulik, das viele Weltmarktführer der Branche mit seinen Hydrauliklösungen beliefert. In den vergangenen Jahren konnte Haeusgens Firma den Umsatz von 286 Millionen Euro im Jahr 2016 auf 411 Millionen Euro steigern. Für 2020 rechnet der Konzern trotz Corona immerhin noch mit einem Umsatz von knapp 400 Millionen Euro.

Operativ kümmert sich Haeusgen jedoch nicht mehr selbst um das Familienunternehmen, nachdem er im vergangenen Rekordjahr vom Posten des Vorstandssprechers an die Spitze des Aufsichtsrats gerückt ist. Dabei vertritt er sich selbst als größten Aktionär des Unternehmens: 1996 stiegen die Nachfahren eines früheren Mitgründers aus, wobei die Haeusgens die Anteile übernahmen.

Dafür holte die Familie die Deutsche Beteiligungs AG ins Boot, die als Private-Equity-Investor vorübergehend Anteile des Unternehmens übernahm. „Die Banken waren nicht bereit, die gesamte Summe zur Verfügung zu stellen“, erinnert sich Haeusgen heute. Doch das war auch nicht nötig: Innerhalb von sieben Jahren konnte die Familie den Investor auszahlen.

Heute blickt Haeusgen durchaus positiv auf die Zeit zurück. „Wir haben damals einen unabhängigen Beirat im Unternehmen eingerichtet, den wir seither beibehalten haben“, so der Manager. Er schätzt dabei die Sicht von außen, die dabei helfe, die Herausforderungen des Unternehmens auch aus anderen Blickwinkeln zu betrachten.

Vetriebler mit globaler Perspektive

Sich selbst verstand Haeusgen während seiner aktiven Managerzeit dabei stets als Vertriebler: Nach seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Schweizer Universität Sankt Gallen folgten zunächst Anstellungen bei verschiedenen Industrieunternehmen wie der Maho AG in Pfronten, die heute zu DMG Mori gehört, sowie bei der Hongkonger Tochter des früheren Textilmaschinenherstellers Barmag.

Als sein Vater erkrankte, kehrte er nach München zurück – und durchlief zunächst verschiedene Stationen unter anderem in den Ressorts Vertrieb und Unternehmensentwicklung, bevor er 1996 zum Vorstandssprecher aufstieg. Dabei legte er stets viel Wert auf die Internationalisierung des Geschäfts: Unter ihm stieg Hawes Exportquote von einst knapp 30 auf mittlerweile mehr als 70 Prozent.

Und so wundert es kaum, dass Haeusgen auch den VDMA stärker internationalisieren will. „Viele der Herausforderungen, vor denen die Industrie steht, lassen sich nur in multilateraler Zusammenarbeit lösen“, so Haeusgen. Dabei denkt der gebürtige Münchener etwa an die jüngst immer häufiger aufflammenden globalen Handelskonflikte, aber auch den Klimawandel.

Ein besonderes Augenmerk will der neue Verbandspräsident dabei, wie auch seine Vorgänger, auf den Bürokratieabbau legen. Der scheidende VDMA-Präsident Welcker wünschte ihm dabei in seiner Abschiedsrede am Donnerstag ein glücklicheres Händchen, als ihm selbst vergönnt war – „und viel Zeit und Geduld, die man braucht, um die Politik in Berlin und Brüssel zu bewegen“.

Auch die Bundesregierung gratulierte Haeusgen zur Wahl. So erklärte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) nach der Ernennung: „Ich freue mich auf unsere Zusammenarbeit und den Austausch zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Maschinen- und Anlagenbaus und damit der Industrie in Deutschland und Europa.“

Dabei helfen dürften Haeusgen auch die Vizepräsidenten des VDMA, wobei mit Henrik Schunk, Geschäftsführer des Automatisierungstechnik-Herstellers Schunk, ein bisheriger Amtsinhaber bei der Wahl bestätigt wurde. Neu ins Gremium ein zieht Bertram Kawlath, der die Ingolstädter Firmengruppe Schubert & Salzer leitet und Haeusgen als bisherigen Vizepräsidenten ersetzt.