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Wer muss auf wie viel Gas verzichten? Das ist die neue Gas-Sparrechnung der Bundesregierung

Robert Habeck, Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz beim Besuch eines Kavernenspeichers in der VNG Gasspeicher GmbH in der Speicheranlage Bad Lauchstaedt Ende Juli. - Copyright: picture alliance/zb/Kirsten Nijhof
Robert Habeck, Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz beim Besuch eines Kavernenspeichers in der VNG Gasspeicher GmbH in der Speicheranlage Bad Lauchstaedt Ende Juli. - Copyright: picture alliance/zb/Kirsten Nijhof

Die Situation ist, auf den ersten Blick, besser als gedacht. Zwar liefert Russland nach wie vor nur 20 Prozent der eigentlich vertraglich vereinbarten Erdgasmengen durch die Pipeline Nord Stream 1. Dafür füllen sich die deutschen Gasspeicher dank Lieferalternativen schneller als gedacht: Stand Freitag waren die Speicher insgesamt zu knapp 75 Prozent gefüllt; der größte und wichtigste Speicher in Rehden steht bei etwas über 52 Prozent.

Und doch ist die Versorgung im Winter nicht sicher. Zumal unklar ist, ob und wenn wann Russland die Gas-Lieferungen nach Deutschland und Europa komplett einstellt, womit gerechnet werden muss. Die Bundesregierung ruft das Land deshalb seit Wochen und Monaten zum Gassparen aus.

Im Haus von Klima- und Wirtschaftsminister Robert Habeck wurde – im Zuge der Vorstellung neuer Einsparverordnungen – ein neues Einsparziel definiert: 20 Prozent des Erdgasverbrauchs soll die Bundesrepublik im Vergleich zum Vorjahr einsparen. Auch schwebt Habecks Beamten vor, wer diese Einsparungen zu welchen Teilen vornehmen soll. Intern wird wie folgt gerechnet:

  • Etwa sechs bis sieben Prozent Gas soll und kann die Industrie nach Auffassung des Wirtschaftsministeriums einsparen

  • Einen Teil der Gaskraftwerke aus der Stromerzeugung zu nehmen, könnte demnach weitere drei bis fünf Prozent einsparen

  • Die von der Bundesregierung erlassenen Einsparverordnungen – von verpflichtenden Heizungsüberprüfungen, über das Abschalten von Leuchtreklame in der Nacht bis hin zu Energiesparmaßnahmen in öffentlichen Gebäuden – soll bis zu zwei Prozent Erdgas einsparen

  • Den potenziell größten Brocken müssten nach den Kalkulationen des Wirtschaftsministeriums aber die privaten Haushalte schultern: Sie sollen je nachdem, wie viel Gas in anderen Bereichen eingespart werden kann, fünf bis zehn Prozent weniger Erdgas verbrauchen

Habeck: "Es ist ja kein Geheimnis, dass ich meine, manche Konzerne können einen höheren Beitrag leisten"

Die Einsparrechnung des Wirtschaftsministeriums ist nicht ohne Brisanz. Die privaten Haushalte machen mit 31 Prozent keinen geringen Anteil am deutschen Erdgasverbrauch aus; es ist hier also einiges Einsparpotenzial vorhanden.

Die Industrie ist jedoch mit 37 Prozent der größte Verbraucher von Erdgas im Land. Wenn es nun darauf hinauslaufen sollte, dass die Bürger auf mehr Gas verzichten müssen, als Unternehmen und Konzerne, könnte das im Volk schlecht ankommen. Zumal es ohnehin für Kritik sorgt, dass die hohen Gaspreise zum allergrößten Teil an die Endverbraucher durchgereicht werden, die per Umlage auch noch die Mehrkosten beim Gaskauf der Energieversorger zu 90 Prozent tragen.

Wirtschaftsminister Habeck ist sich dieser Brisanz bewusst. Sozialen Unfrieden in Deutschland will er unbedingt vermeiden – und bringt deshalb noch einmal eine Übergewinnsteuer auf Krisenprofite der Energiekonzerne ins Gespräch.

"Es ist ja kein Geheimnis, dass ich meine, manche Konzerne, die allein durch den Krieg hohe Übergewinne machen, können einen stärkeren Beitrag leisten", sagte Habeck der "Süddeutschen Zeitung". "Ich weiß, dass es dazu eine kritische Diskussion gibt. Aber wenn wir uns fragen, haben wir genug Geld, dann möchte ich darauf verweisen: Da ist Geld. Und zwar Geld, mit dem die Konzerne oder Betreiber von Energieanlagen selbst nicht gerechnet haben. Da sollte doch ein Teil dazu dienen können, Verbraucherinnen und Verbraucher zu entlasten."